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Business Lunch: Tipps fürs Geschäftsessen

Das formelle Essen ist eine gute Gelegenheit, Geschäftspartner in lockerer Atmosphäre kennenzulernen. Trotz Ungezwungenheit gibt es aber ein paar Grundregeln, die Sie kennen sollten. Von „Wer lädt ein?“ bis zu „Wer bezahlt die Rechnung?“: Im Breuninger Insights Leitfaden für Geschäftsessen – mit Schwerpunkt auf dem Business Lunch – beantworten wir die wichtigsten Fragen, damit Sie beim Mittagstermin punkten.

Geschäftsessen sind eine beliebte und bewährte Gelegenheit, Business Meetings im ungezwungenen Kontext abzuhalten. Vor allem mittags lassen sie sich in vergleichsweise kurzer Zeit abhalten und vereinen dabei das Angenehme mit dem Nützlichen. Treffen sich Kunde und Auftraggeber zu einem ersten Kennenlernen zum Business Lunch, wird damit sofort jedes etwaige hierarchische Ungleichgewicht umgangen. Nicht zuletzt tragen ein lockerer Rahmen und eine freizeitliche Atmosphäre dazu bei, dass persönliche Sympathien schneller deutlich werden und geschäftliche Gespräche unmittelbar auf einer anderen Ebene stattfinden.

Regionale Unterschiede

Obwohl wir uns in diesem Beitrag den Gepflogenheiten im deutschsprachigen Raum bzw. in Deutschland widmen, gibt es international bei Regeln und Tischsitten natürlich große Unterschiede. Was hierzulande zum guten Ton gehört, kann in China, Russland oder den Vereinigten Staaten grob unfein sein – und umgekehrt. Um für die jeweils landestypische Etikette gewappnet zu sein, empfiehlt sich ein kleines Selbststudium vor dem Abflug.

Das klassische Geschäftsessen: Der Business Lunch

Obwohl bei einem beruflichen Essen viele schon an die lange Tafel denken, ist der häufigste kulinarische Geschäftstermin im Alltag der Business Lunch. Eine Verabredung zum Mittagessen anstelle eines Meetings lässt sich gut in den Arbeitstag integrieren und sowohl mit der Mittagspause, als auch mit der individuellen Abendplanung aller Business-Partnerinnen und - Partner vereinbaren.

Darüber hinaus kommt diese Art des Geschäftsessens dem Wunsch vieler deutscher Unternehmerinnen und Unternehmer entgegen, in relativ kurzer Zeit inhaltlich zu fokussieren.

Knigge-Expertin Carolin Lüdemann gibt Tipps zum Thema Business Lunch Knigge-Expertin Carolin Lüdemann gibt Tipps zum Thema Business Lunch Knigge-Expertin Carolin Lüdemann gibt Tipps zum Thema Business Lunch

Knigge-Expertin Carolin Lüdemann hat beobachtet:

„In Frankreich beispielsweise trifft man sich sehr gerne zum Business Lunch, versteht das dann aber eher als Beziehungspflege und weniger als Gelegenheit, über Geschäftliches zu reden. In Deutschland ist das noch relativ neu, wir wollen immer gerne gleich zum Punkt kommen.“

Die wichtigsten Fragen vorab

Zu welchen Gelegenheiten trifft man sich zum Business Lunch?

Das mittägliche Geschäftsessen ist eine gute Möglichkeit, neue potenzielle Geschäftspartner kennenzulernen und Modelle einer Zusammenarbeit zu besprechen. Im offenen Raum abseits von Firmengebäuden bleiben sowohl Sie, als auch Ihr Business-Partner „neutral“. Ein Ortswechsel ist ebenfalls förderlich, um den Kopf zu befreien und neue Projektideen zu entwerfen oder zu diskutieren.

Business Lunches sind außerdem beliebte Okkasionen, um Kontakte zu pflegen: Beispielsweise zu Kunden oder Auftraggebern, mit denen Sie üblicherweise nur tele-kommunizieren, oder zu Interessenten, mit denen sich bislang noch keine konkrete Zusammenarbeit ergeben hat.

Die Einladung und das richtige Lokal

Prinzipiell spricht diejenige Person die Einladung aus, die das Bedürfnis nach einem Treffen hat. Wenn die Verabredung im Anschluss an Telefonat oder E-Mail-Verkehr vereinbart wird, können Sie ruhig die Initiative ergreifen: Je prompter es zum persönlichen Kennenlernen kommt, desto besser.

Bei der Wahl der richtigen Lokalität hilft es, Ihren Geschäftspartner oder Ihre Geschäftspartnerin etwas besser zu kennen. Ernährt er sich vegetarisch? Isst sie mittags nur einen kalten Imbiss? Wissen Sie wenig über die Person, empfiehlt sich ein Ambiente mit mittlerem Preisniveau und einem vielfältigen Angebot an Speisen.

Auch sollten Sie ein Restaurant mit Bedienung wählen, und keine Selbstbedienungskantine: Das verschafft Ihnen schlicht mehr Zeit, über das Wesentliche zu sprechen und signalisiert, dass Sie ohne Hektik in den Termin gehen.

Um Ihrem Geschäftspartner entgegenzukommen, können Sie Adressen in seiner Nähe auswählen oder drei unterschiedliche Vorschläge unterbreiten und der anderen Person die letzte Wahl lassen. Schlagen Sie aber Lokale vor, die Sie bereits kennen – so können Sie bei der Reservierung einen Tisch auswählen, der ausreichend Privatsphäre bietet.

Gut gekleidet zum Business Lunch mit dem passenden Look:

Allein oder gemeinsam hinsetzen?

Als sehr wichtig, wenn auch fast müßig zu erwähnen, erachten deutsche Businesstreibende Pünktlichkeit. „Das akademische Viertel“, weiß Carolin Lüdemann, „kann man auf die heutige Situation nicht mehr anwenden. Es kommt aus einer Zeit, in der an den Universitäten in den ersten 15 Minuten der Stoff der letzten Vorlesung wiederholt wurde.“

Da öffentlicher Verkehr, Stau oder sonstige Pannen aber nun mal passieren können, müssen Sie Ihrer Verabredung vielleicht eine kleine Verspätung nachsehen. In einem solchen Fall gehen Sie zuerst an den reservierten Tisch und informieren das Personal, dass Sie noch auf eine Dame oder einen Herrn warten – aufmerksame Angestellte können hier häufig unterstützen. Haben Sie sich mit zwei Personen verabredet, wird die ranghöhere Person zuerst begrüßt, auch wenn Sie das Treffen eigentlich mit der anderen vereinbart haben.

Wie eröffne ich das Gespräch? (Eisbrecher)

Sehr gut vorbereitet sind Sie mit ein paar Eisbrecher-Fragen, um das Gespräch zu eröffnen. Angemessene, noch nicht übermäßig bemühte Smalltalk-Themen sind etwa die Anreise, das Lokal oder auch aktuelles Weltgeschehen – sofern es nicht negativ oder politisch wird. Großereignisse wie die Olympischen Spiele etwa sind durchaus geeignet und bezeugen mediale Aufmerksamkeit und internationales Interesse. Carolin Lüdemann meint dazu: „Smalltalk wird manchmal ein bisschen überschätzt. Eigentlich ist er ja nur ein Türöffner, über den wir versuchen, in ein verbindliches Gespräch einzusteigen und ein Thema zu finden, das uns verbindet.“

Die wichtigsten Fragen währenddessen

Die diplomatische Bestellung

Als Grundregel gilt: nicht das teuerste Gericht auf der Karte wählen. Da Sie zum Zeitpunkt des Bestellens noch nicht sicher wissen, wer die Rechnung übernehmen wird, sind eine eher mäßig teure Speise und der Verzicht auf eine Vorspeise ratsam. Wenn Ihr Businesspartner das Lokal gewählt hat, können Sie ihn oder sie auch nach einer Empfehlung fragen. Sie wissen schon vorab, dass Sie keine große Esserin sind? Dann bleiben Sie lieber auch beim Business Lunch bei einer Kleinigkeit und Sie riskieren kein blockierendes „Mittagstief“.

Kleiner
Tipp

Wenn Sie voraussichtlich schon während des Essens viel sprechen (müssen), bestellen Sie am besten Suppe – dabei ist der Mund am schnellsten wieder leer.

Und wie halten Sie’s mit dem Alkohol?

Alkohol sollte nach Gefühl bestellt werden, und auch nur, wenn die andere Person ein alkoholisches Getränk bestellt. Dann bleiben Sie aber besser bei einem Drink und entscheiden sich anstelle von „schweren“ und ermüdenden Getränken wie Rotwein oder Bier für eine durstlöschende Weißweinschorle.

Sitten und Business zu Tisch

Geläufige Tischregeln gelten selbstverständlich auch beim Business Lunch. Die in den Kragen gesteckte Serviette ist eher zu vermeiden (besser: eine unproblematische Speise ohne färbende Saucen bestellen), und auch für den Einsatz des Zahnstochers sollten Sie eine kurze Pause vor dem Toilettenspiegel nutzen. Darüber hinaus gilt der Grundsatz: Erst den Magen füllen, dann übers Geschäftliche reden! Auch wenn es nach einer humorvollen Empfehlung klingt, liegt Wahrheit in dem Ausspruch, dass satte Menschen geduldiger sind.

Vor dem Essen und währenddessen ist Zeit, zu plaudern, die jeweilige berufliche Erfahrung und den eigenen Werdegang darzulegen, und sich dem Anlass des Meetings anzunähern. Konkrete Unterlagen und Planungen sollten Sie erst ausbreiten, wenn die Teller abgeräumt wurden. Bei Netzwerk-Lunches ist dies freilich anders – hier können Sie vom Smalltalk direkt zum Geschäftlichen übergehen und über Ihre eigene Position sprechen, sowie mehr darüber erfahren, womit sich Ihre Tischkollegen beschäftigen. Wichtige Grundregel beim Networking Lunch ist, dass Sie sowohl mit Ihrem linken, als auch Ihrem rechten Tischnachbarn ins Gespräch kommen und, auch wenn die Sympathie Sie zu einer Person tendieren lässt, mit beiden zumindest den höflichen Anteil an Business Basics austauschen.

Die wichtigsten Fragen danach

Wer übernimmt die Rechnung?

Wenn Sie die Einladung ausgesprochen und den Tisch reserviert haben, sollten Sie sich darauf einstellen, die Rechnung zu begleichen. Allerdings gilt auch bei Geschäftsessen für viele noch die vormals traditionelle Rollenverteilung, und wenn Sie mit einem männlichen Geschäftspartner gegessen haben, wird dieser oft automatisch zum Portemonnaie greifen. Dann sollten Sie auf keinen Fall ablehnen und einfach beim nächsten Treffen darauf bestehen, den Check zu übernehmen.

Wenn Sie sich unsicher sind, lassen sich Peinlichkeiten vermeiden, indem Sie bezahlen, während Ihr Businesspartner das WC aufsucht. Auch ein „Ich hätte gern die Rechnung“ (anstelle von „wir“) in Richtung Servicepersonal suggeriert, dass Sie für beide zahlen. Wichtig beim Bezahlen am Tisch: nur kurz und subtil kontrollieren, ob die Endsumme stimmt, und möglichst keine Summe nennen. Carolin Lüdemann empfiehlt: „Am besten wird der Rechnungsbetrag mit der Karte bezahlt und Trinkgeld – sofern man eine Rechnungsmappe bekommt – extra hineingelegt. Bei mehreren Gästen bezahlt der Gastgeber üblicherweise an der Bar, wo die Gäste es nicht mitbekommen. Ist man aber nur zu zweit, bezahlt man am Tisch, da ein einziger Gast nicht alleine am Tisch sitzen sollte.“

Kleiner
Tipp

Achtung: Einige Firmen treffen innerbetriebliche Vereinbarungen, nach denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Essenseinladungen aussprechen beziehungsweise annehmen dürfen. Klären Sie daher gegebenenfalls vor dem Termin mit Ihrer Personalabteilung, wie ein Business Lunch handzuhaben ist, und stellen Sie sich darauf ein, dass Ihr Kunde oder Geschäftspartner trotz Ihres freundlichen Angebotes separate Rechnungen verlangt.

Richtig verabschieden und verabreden

Ein gelungener Abschied kann wegweisend sein, um auf ein angenehm verlaufenes Geschäftsessen eine fruchtbare, berufliche Zukunft folgen zu lassen. Verabschieden Sie sich daher möglichst nicht ohne konkrete Pläne oder die Aussicht auf eine Wiederholung. Sei es ein Follow-up-Meeting im Büro Ihres Geschäftspartners, ein E-Mail oder ein Wiedersehen bei einer Netzwerk-Veranstaltung: In jedem Fall sollten Sie, sofern Sie an der Zusammenarbeit interessiert sind, einen Vorschlag machen und eine Vereinbarung treffen.

Natürlich kann auch der umgekehrte Fall eintreten und Sie stellen während des Essens fest, dass Sie und Ihr potenzieller Businesspartner entweder menschlich oder beruflich nicht harmonieren. In dieser Situation empfiehlt sich ein höfliches, aber unverbindliches Grußwort, bevor sich Ihre Wege trennen: „Bleiben wir doch in Kontakt.“ So können Sie bei einem unverhofften Wiedersehen zwar ungezwungen plaudern, geben aber kein Versprechen ab, sich zu melden.