„Aya Sato” by Michel Comte, Schlosshof, 2017
gespräche

auszeit mit aya sato

Immer in Schwarz gekleidet, mehrere Gesichtspiercings, dunkles Make-up, exzentrische Undercut-Frisuren und eine unbewegliche Miene: Aya Sato ist nicht nur für ihren mystischen Cybergothic-Stil bekannt, es sind vor allem ihre hypnotischen und atemberaubend schnellen Tanzchoreografien, von denen alle absolut fasziniert sind.

Dass 2015 aus der damaligen Internet-Sensation ein neuer Star wurde, hat – wie es meist so ist im Leben – mit dem richtigen Timing zu tun. Lourdes, Madonnas Tochter, entdeckte die Japanerin, die damals noch im Duo unter dem Namen AyaBambi performte, auf YouTube. Einige Telefonate später feierte sie ihren Durchbruch: Aya Sato tauchte in Madonnas Musikvideo „Bitch I‘m Madonna“ auf und anschließend tourte sie mit der Queen of Pop auf der „Rebel Heart Tour“ durch die ganze Welt. Im nächsten Jahr, so viel können wir schon verraten, werden die beiden wieder zusammenarbeiten.

Beim Treffen in Wien verbrachten wir mit Aya Sato, 29, einen Tag und unterhielten uns mit ihr über Zeit, Inspirationen und die besonderen Momente im Leben.

Lieber Zurückblicken oder in die Zukunft schauen? Was trifft auf Sie zu?

Aya Sato: Ich bin ein absolutes Future-Girl.

Und wie gehen Sie generell mit dem Thema Zeit um?

Aya Sato: Ich versuche mir, über Zeit keine Gedanken zu machen. Wenn ich es mir genau überlege, habe ich keine Zeit, um an Zeit zu denken. Wenn ich zum Beispiel eine Idee entwickle oder eine Choreografie einstudiere, dann vergesse ich meist alles um mich herum. Würde ich beim Tanzen ständig auf die Uhr sehen, würde ich nur unter Druck geraten und unsicher werden. Eine schlechte Basis, da ich beim Tanzen eh immer schon recht nervös bin.

Wie viele Stunden trainieren Sie am Tag?

Aya Sato: Ich hasse Work-outs. Als wir mit Madonna auf Tournee waren, mussten wir fast jeden Tag trainieren. Wenn ich an meinen eigenen Projekten arbeite, dann starte ich zuerst einmal mit einem heißen Bad.

Das hilft mir, meine Muskeln besser dehnen und strecken zu können. Anschließend hängt alles von der Musik ab und welche Ideen mir in den Sinn kommen. Das kann also ganz schnell gehen oder ewig dauern.

Mit Smartphones, Apps und Co. können wir gleichzeitig mehrere Dinge tun und dabei auch Zeit sparen. Ist diese Technik Fluch oder Segen?

Aya Sato: Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ich habe mich an die Technologie einfach gewöhnt und finde sie zum Kommunizieren und Arbeiten sowohl praktisch wie sinnvoll. In Sekundenschnelle weiß man alles. Doch ich könnte auch ohne Technologie überleben. Alles, was ich bräuchte, wäre mein Gehirn und meine eigene Welt.

Für was haben Sie keine Zeit?

Aya Sato: Ich empfinde das Nachdenken über Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind, als Zeitverschwendung.

„Aya Sato” by Michel Comte, Schlosshof, 2017

Welche Modedesigner verkörpern Ihrer Meinung nach den Zeitgeist derzeit am besten und wie würden Sie Ihren Modestil beschreiben?

Aya Sato: Ich habe vor allen Designern großen Respekt. Deshalb möchte ich keinen bestimmten Designer hervorheben. Ich habe auch keine bestimmten Lieblingslabels, was meinen eigenen Stil betrifft. Generell zieht mich Schwarz immer wieder magisch an. Früher habe ich viel Farbe getragen, aber jetzt ist mir das zu viel. Ich liebe das Dunkle. Schwarz unterstreicht meine Persönlichkeit. Als „Gothic-Girl“ würde ich mich trotzdem nicht bezeichnen. Ich bin ein sehr fröhlicher Mensch.

Was sind für Sie besondere Momente im Leben?

Aya Sato: Da gibt es einige. Wenn ich am Arbeiten bin oder wenn ich zum Beispiel eine zündende Idee bekomme, was ich machen will. Auch der Tag, an dem eine Choreografie fertig ist oder etwas öffentlich präsentiert wird sind für mich sozusagen Highlight-Tage. Auch wenn ich nach einem Auftritt Feedback bekomme.