„Clemens Schick” by Michel Comte, Paris, 2017
gespräche

authentisch und aufrichtig

Als Zwölfjähriger hatte Clemens Schick nur einen großen Herzenswunsch: Er wollte zum Zirkus gehen. Als er 1986 beim Schultheater auf der Bühne stand, wurde ihm allerding schlagartig klar, welcher Beruf der richtige für ihn ist.

Und so besuchte er nach dem Abitur zuerst in Ulm, später in Berlin, die Schauspielschule. Die Begegnung mit dem Schweizer Schauspieler und Regisseur Robert Hunger-Bühler – er war von Schicks Abschlussaufführung so beeindruckt, dass er ihn weiterempfahl – verhalf ihm zu seinem ersten Engagement am Staatsschauspiel Dresden. Später spielte er u. a. am Schauspiel Frankfurt, dem Schauspielhaus Wien und Zürich sowie am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. 2000 wechselte Clemens Schick zum Film.

Fünf Jahre später feierte er als „Handlanger Kratt“ im James Bond Film „Casino Royale“  seinen internationalen Durchbruch. Neben der Schauspielerei engagiert sich der 45-Jährige u. a. bei Human Rights Watch und unterstützt seit 2016 die von der SPD initiierte Kampagne „Meine Stimme für Vernunft“.

Was verbinden Sie mit dem Namen Breuninger?

Clemens Schick: Da ich in Stuttgart aufgewachsen bin, ist mir Breuninger selbstverständlich bestens bekannt. Mit dem Namen verbinde ich in erster Linie eine Begegnung. Eine der ersten Frauen, in die ich mich verliebt habe, war Julia Breuninger. Wir führten am Hölderlin Gymnasium zusammen Bertolt Brechts Dreigroschenoper auf. Das war das allererste Theaterstück überhaupt in meinem Leben. Zum anderen, da ich aus einer sehr kinderreichen Familie stamme und wir nicht so viel Geld hatten, war Breuninger immer das Kaufhaus, in das man nicht reinzugehen brauchte, da es eine andere Liga war. Heutzutage weiß ich, dass Breuninger international als Department-Store nicht nur absolut mithalten kann, sondern auch mit inspiriert.

Was inspiriert Sie? Welche Vorbilder haben Sie?

Clemens Schick: Ich habe ganz viele Vorbilder. Konkrete Namen brauche ich da gar nicht zu erwähnen. Es sind die zahlreichen Begegnungen im Alltäglichen. Das sind Leute, die bekannt sind und die nicht bekannt sind. Vorbilder sind für mich zum Beispiel die Kollegen, die diesen Beruf mit Leben ausfüllen bzw. mit Leidenschaft machen und mit so wenig Narzissmus wie möglich ausleben.

Als 22-Jähriger gingen Sie acht Monate in ein Kloster der Gemeinschaft von Taizé. Spielt Religion noch immer eine Rolle in Ihrem Leben?

Clemens Schick: Ach, das ist über 20 Jahre her. Ich rede heute über meinen Glauben nicht mehr öffentlich. Das ist mir zu privat.

Wo ist Ihr persönlicher Sehnsuchtsort?

Clemens Schick: Ein Ort in der einsamen Natur.

In welchen Filmen werden wir Sie demnächst sehen?

Clemens Schick: Mitte Oktober kommt die Tragikomödie „Es war einmal Indianerland“ ins Kino. Das ehrliche und packende Coming-of-Age-Drama basiert auf dem gleichnamigen Jugendroman von Nils Mohl und wurde 2013 bereits zu einem Theaterstück adaptiert. Außerdem startet im November bei der ARD die Reihe „Der Barcelona Krimi“. Ich spiele darin Xavi Bonet, einen lonesome Cowboy Detective. An meiner Seite ist Anne Schäfer.

„Clemens Schick” by Michel Comte, Paris, 2017

Helden oder Schurke? Welche Rolle spielen Sie gerne?

Clemens Schick: Den schurkenhaften Helden.

Vinyl oder iPod?

Clemens Schick: Vinyl. Denn genauso wie Briefe schreiben haben Schallplatten für mich eine andere Wertigkeit.

Anzug oder Jeans und T-Shirt?

Clemens Schick: Das hängt vom Anlass ab. Ich mag aber beides.

Vorsichtig oder draufgängerisch?

Clemens Schick: Draufgängerisch.

Bühne oder Leinwand?

Clemens Schick: Die Bühne habe ich zehn Jahre lang geliebt und liebe sie auch heute noch. Doch jetzt findet mein Leben auf der Leinwand statt.

Warhol oder Dalí?

Clemens Schick: Entweder oder… Ich möchte mich gar nicht so sehr einschränken bzw. festlegen müssen. Genauso wie ich manchmal Lärm brauche, brauche ich von Zeit zu Zeit Stille. Ich liebe die unterschiedlichsten Dinge, infolgedessen kann ich mich bei solchen Frage nicht für etwas entscheiden. Was Kunst im Allgemeinen betrifft, so kenne ich mich in der Fotografie am besten aus. Ich bin mit vielen Fotografen befreundet und dadurch hängen viele ihrer Werke in meiner Wohnung.

Ergänzen Sie den Satz. Das Reisen ist für mich …

Clemens Schick: … ein großer Teil meines Lebens geworden. Seitdem ich beim Film bin und viel im Ausland arbeite, bin ich circa zwei Drittel der Zeit im Jahr unterwegs. Ich genieße das sehr, bzw. ich kann es genießen, da ich immer weiß, wo mein Mittelpunkt im Leben ist.

Lieblingscocktail?

Clemens Schick: Gin Sour.

In welche Bar, welches Restaurant sollten Berlin Besucher unbedingt gehen? Wo kann man Clemens Schick beim Gin Sour treffen?

Clemens Schick: Da Berlin eine Stadt ist, die sich sehr schnell verändert, ist es schwierig, Tipps zu geben. Und natürlich habe ich einige Lieblings-Hotspots, aber seien Sie mir nicht böse, diese möchte ich lieber nicht verraten. Es gibt aber einen Blog, der immer über Neueröffnungen berichtet. Er heißt ceecee.cc. Diesen kann ich jedem empfehlen.

Klassisch oder auffallend modisch?

Clemens Schick: Weder noch. Ehrlich gesagt, bin ich, was das betrifft, relativ langweilig. Am wohlsten fühle ich mich in schlichten Outfits. Daher würde ich meinen Kleiderstil alles nennen, aber nicht extravagant.