Vogelperspektive: der Botum Sakor Nationalpark © Lauryn Ishak

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Ökotourismus: das Kardamomgebirge in Kambodscha

Seit Jahrhunderten locken die nebligen und geheimnisvollen Dschungel Kambodschas Abenteurer an. Im 19. Jahrhundert entdeckte der Franzose Henri Mouhot als erster Europäer die überwucherten Ruinen des antiken Angkor.

Die bewaldete Hochebene von Phnom Kulen, einst Hochburg der Roten Khmer, beherbergt heute „verlorene“ Tempelanlagen.

Und im Südwesten des Landes hat das wilde Kardamomgebirge jüngst einige seiner Geheimnisse preisgegeben: Grabbeigaben eines längst vergessenen Stammes, bislang unbekannte Tierarten (darunter eine beinlose Amphibie) sowie eine fleischfressende Pflanze namens Nepenthes Holdenii.

Als ich 2012 nach Kambodscha zog, um für zwei Jahre bei der Phnom Penh Post zu arbeiten, hatte ich eben diese Dschungelbilder in meinem Kopf. Ich hatte über das Kardamomgebirge gelesen und auch, dass es die größte zusammenhängende Regenwaldfläche Südostasiens beheimatet.

Darüber hinaus hatte ich erfahren, dass das Gebirge sozusagen ein Hotspot in Sachen Biodiversität ist – mit 70 Tierarten, die auf der Roten Liste der Internationalen Union zur Erhaltung der Natur (IUCN) stehen.

Ich stellte mir die wildesten Indiana-Jones-Abenteuer vor, die meine Arbeit mit sich bringen würde: Forschungsreisen mit renommierten Archäologen, Wanderungen zu Stammesdörfern – und vielleicht würde ich sogar einen indochinesischen Tiger sehen.

Das war natürlich ziemlich naiv. Nachdem ich einen Monat in der Nachrichtenredaktion der Post gearbeitet hatte, hatte ich wahre Einblicke in die Probleme des kambodschanischen Waldes bekommen: illegale Abholzung und Wilderei waren ernstzunehmende Probleme – doch das tatsächliche Ausmaß der Waldzerstörung hätte ich mir nicht vorstellen können.

Von den Laubwäldern von Mondulkiri im Osten bis zum Prey Lang im Norden verschwanden Baumkronen um Baumkronen – und mit ihnen die Tiere: 2016 wurde der indochinesische Tiger in Kambodscha für „funktionell ausgestorben“ erklärt. Satellitenbilder zeigen, dass Kambodscha seit 2001 mehr als 1,75 Millionen Hektar Waldfläche eingebüßt hat; die Entwaldungsrate ist höher als die jedes anderen Landes der Welt.

Eine Bootsfahrt am frühen Morgen auf auf dem Preak Tachan im Botum Sakor Nationalpark © Lauryn Ishak

In meinem ersten Jahr in Phnom Penk sorgte das Kardamomgebirge oft für Schlagzeilen. Ein von Chinesen realisiertes Staudammprojekt im Areng Valley sollte in die Tat umgesetzt werden – in einer heiligen und artenreiche Region, die darüber hinaus Heimat einer der ältesten ethnischen Gemeinschaften Kambodschas war, die Heimat der Chong.

Sandbagger nahmen fortan ihre Arbeit am Fluss Taitai auf. Die mit Abstand dramatischste Geschichte des Jahres 2012 jedoch war die Ermordung des Umweltaktivisten und Gründers der Umweltschutzbehörde „Resources Protection Group“, Chut Wuty. Wenige Monate vor meiner Ankunft war Wuty von einem nicht näher identifizierten Militärpolizisten erschossen worden, während er mit zwei Journalisten unterwegs war, um ihnen die Auswirkungen der Abholzung im Kardamomgebirge zu zeigen. Viele meiner Kollegen hatten mit ihm zusammengearbeitet. Glücklicherweise keimte seit jener Zeit aber auch hier und da Hoffnung auf.

Im Jahr 2013 erklärte die Regierung das Gebirge zur Schlüsselzone für die Ökotourismusentwicklung des Landes und arbeitete mit Naturschutzgruppen zusammen, um Wilderer und Holzfäller zu Fremdenführern auszubilden. Im Jahr 2016 wurde dann der Southern Cardamom Nationalpark gegründet, der heute sechs bereits bestehende Nationalparks zu einem gigantischen, 1,8 Millionen Hektar großen Park in sich vereint – und gleichsam Heimat der letzten Elefantenkorridore Asiens ist.

Eine Freundin, die in der Region gearbeitet hatte, erzählte mir im Jahr meiner Ankunft in Phnom Penh, dass ihr die schiere Größe des Kardamomgebirges Hoffnung mache, dass die Wälder doch noch gerettet werden könnten. „Aber wenn ich Du wäre“, sagte sie, „würde ich versuchen, eher früher als später dorthin zu kommen.“

Fünf Jahre später schließlich finde ich mich im Botum Sakor Nationalpark wieder, einem 171.000 Hektar großen Wald- und Grasgebiet im Tiefland, das sich bis in den Golf von Thailand erstreckt. Mein kambodschanischer Ehemann Thea und ich sind auf dem Weg zum brandneuen Cardamom Tented Camp – und das ganz gemütlich auf dem Preak Tachan in einem Longtail-Boot. Das abgelegene Camp wird hauptsächlich über Sonnenkollektoren mit Strom versorgt.

Das Essen stammt aus der Region, und die Mitarbeiter haben sogar ein nachhaltiges Wasseraufbereitungssystem installiert. Die Lodge besteht aus neun Zelten im Safari-Stil, die durch Holzstege miteinander verbunden sind; die Zelte sind mit großen Betten, Matten und Regenduschen ausgestattet. Es gibt Wi-Fi, das sich jedoch allein auf den Bereich des strohgedeckten Restaurants beschränkt. Und wir sind die allerersten Gäste.

Das Öko-Retreat ist ein Gemeinschaftsprojekt der Minor Group in Bangkok (zu deren Portfolio hochwertige Hotelmarken wie Anantara und Avani zählen), dem Adventure-Reiseanbieter YAANA Ventures und der Wildlife Alliance, einer von der amerikanischen Umweltschützerin Suwanna Gauntlett gegründeten internationalen Naturschutzorganisation.

Der Slogan „Dein Aufenthalt rettet den Wald“ wirkt ambitioniert, enthält aber eine ganze Menge Wahres. Das Camp gehört zu einer Ökotourismus-Initiative, die seit 2009 von Wildlife Alliance verwaltet wird und dabei hilft, 18.000 Hektar Wildnis vor Holzfällern, Wilderern und Sandbagger-Konzernen zu schützen. Darüber hinaus werden die lokalen Ranger unterstützt – angefangen von Patrouillen über Kamerafallen bis hin zu Tierverfolgungsgeräten.

Ein weiterer Blick auf den Preak Tachan © Lauryn Ishak

Das Cardamom Tented Camp ist jedoch nicht das einzige im Kardamomgebirge. 2009 öffnete am Taitai die Four Rivers Floating Lodge in der Nähe der Küstenstadt Koh Kong – mit einem Dutzend klimatisierter, auf dem Wasser schwebender Zelte.

Im Laufe des Jahres wird ein luxuriöses und noch umweltschonend realisiertes „Glamping“-Projekt realisiert – konzipiert vom berühmten Designer Bill Bensley und gelegen in einem 162 Hektar großen Tal entlang der Bokor und Kirirom Nationalparks. Während das Unternehmen mit einem luxuriösen Safarierlebnis wirbt, setzt es sich mithilfe der angeschlossenen Shinta Mani Foundation auch für Naturschutzprogramme ein.

Angesichts der Abgeschiedenheit der Region sind solche Projekte ebenso ehrgeizig wie lobenswert. Allein die Anreise ins Cardamom Tented Camp ist ein Abenteuer für sich. Von Phnom Penh aus sind wir fünf holprige Stunden unterwegs, bis wir das winzige Dorf am Fluss Trapeang Rung erreichen – von dort aus geht’s für eine Stunde weiter auf dem Boot.

Während wir unser der strahlenden Novembersonne flussabwärts fahren, taucht nicht ein einziges weiteres Fischerboot auf dem Wasser auf – und auch die Schlaglöcher Kambodschas vergessen wir schnell, als wir die vorbeiziehenden Mangroven mit ihren knorrigen Wurzeln und Ästen voller Schmetterlinge und Vögel beobachten.

„Schnell, schau dort drüben – ein Eisvogel!“, ruft unser Gastgeber und Manager des Camps, Allan Michaud, als ein blauer Blitz durch die Baumwipfel flattert. Der freundliche Engländer (unser Glück: er ist der Enkel eines berühmten französischen Chocolatiers) lebt seit 16 Jahren in Kambodscha und ist ein versierter Tierfotograf; 2001 gelang ihm für National Geographic das erste Foto des seltenen Riesen-Ibis, der nach Jahrzehnten seines vermeintlichen Aussterbens wiederentdeckt worden war.

Portrait eines Militärpolizisten der Preak Tachan Station – ein Außenposten zum Schutz des Botum Sakor Nationalparks vor Wilderern und Holzfällern © Lauryn Ishak

Michaud hat erst kürzlich die Leitung des Cardamom Tented Camps übernommen, und er ist begeistert von seiner Aufgabe. Als wir den Preak Tachan hinauffahren, zeit er auf eine Flussgabelung: „Nächste Woche werden wir hier rund 10 Kilometer flussaufwärts fahren. Wir hoffen, Wasserfälle zu finden. Für einen Naturforscher wie mich ist das hier wundervolles unerforschtes Neuland“, schwärmt er.

Wenig später erblicken wir das Camp. Ich bin überwältigt von den dramatischen Textur- und Farbkontrasten. Während der Bootsfahrt waren wir von sattem Grün und metallischen Schattierungen umgeben gewesen, doch nun, im Camp, ändert sich diese Szenerie schlagartig: vor uns entfaltet sich ein Panoptikum pastelliger Präriefarben. Langes Gras erstreckt sich über die Savanne.

Ich stehe im Restaurant des Camps, trinke ein Zitronengras-Bier aus Koh Kong – und schäme mich, dass ich so lange gebraucht habe, um diesen wundervollen Teil des Landes kennengelernt zu haben.

Am nächsten Morgen – nach einem Frühstück mit frischgebackenen Baguettes, tropischen Früchten, Speck und Eiern – machen wir uns auf unsere erste Wanderung. Das Ziel: die Preak Tachan Patrouillen-Station. Hier hat Wildlife-Alliance-Ranger Chum Kheng den Hut auf, ein ehemaliger Freund und Kollege des verstorbenen Chut Wutty; Kheng schützt den Wald bereits seit 20 Jahren.

Mit seinen militärischen Khakis und seiner verspiegelten Ray Ban strahlt der 48-Jährige eine beruhigende Gelassenheit aus – auch in dem Moment, als eine braune Schlange unsere Wege kreuzt. „Mach Dir keine Sorgen, das ist keine Grubenotter“, erklärt er Thea in Khmer. „Und auch keine Python. Auch wenn es von denen hier viele gibt.“ Thea schaut erstaunt, und es ist keine schlechte Idee, dass er mir diese Information erst gibt, als wir unser Ziel erreichen.

Im Cardamom Tented Camp: Kambodschanisches Mittagessen mit gegrilltem Fisch, gebratenem Schweinefleisch und Gemüse © Lauryn Ishak

Im Wald geht Kheng voraus und bleibt ab und an stehen, um sich seinen Weg durch das stachelige Rattan zu bahnen und vereinzelt auf Tierkot, giftige Pilze oder tiefe Kratzspuren an Bäumen zu deuten. Letztere, so erklärt er, seien das Werk von Malaienbären, die auf der Suche nach Waben auf die Baumkronen kletterten.

Der Schweiß tropft uns von der Stirn, während wir weitergehen – unter uns dieser einzigartige Teppich aus verrottenden Blättern und Zweigen. Wir erfahren, dass die 107 Ranger auf 9 Patrouillen-Stationen des Kardamomgebirges jedes Jahr 2.500 Patrouillen durchführen – von jeder der Stationen aus werden pro Jahr mehr als 30.000 Kilometer zurückgelegt.

Ich merke Kheng an, dass diese anstrengende Arbeit seinen Körper belastet. „Je mehr (illegale Eindringlinge) wir fangen, desto tiefer werden sie in den Dschungel getrieben – also müssen auch wir tiefer hinein“, sagt er. „Aber ehrlich gesagt macht es mich glücklich, hier zu sein.“

Kurz nach Mittag erreichen wir die Ranger-Station. Auf einem großen Picknicktisch erwartet uns ein Festmahl, frische Garnelen mit Knoblauch und Gemüse, gebratene Schweinerippchen mit Zitronengras und Ingwer, eine würzig-saure Fischsuppe und trey niet, der getrocknete kambodschanische Salzfisch.

Während wir essen, werden wir dem Rest des Preak Tachan Teams vorgestellt. In der Station arbeiten vier bis fünf Männer der Wildlife Alliance, der Militärpolizei und des Umweltministeriums. Manchmal werden sie in andere Stationen des 835.000 Hektar umfassenden Gebiets der Wildlife Alliance verlegt. Kheun Mony, ein 45-jähriger Ranger aus dem Umweltministerium, zeigt uns die Gegenstände, die sie allein im vergangenen Jahr beschlagnahmt haben: ein brutales Arsenal aus Schlingen mit rostigen Zacken, Fallen aus Stacheldraht, Netzen, Gewehren, Speeren und Kettensägen.

Später zieht Kheng uns beiseite, um mehr über seinen verstorbenen Freund Chut Wutty und das Erbe zu sprechen, das der Aktivist hinterlassen hat. „Er war sehr tapfer. Manchmal werde ich gefragt, ob sein Mord mir Angst macht. Und warum ich weitermache. Nun, sage ich, wir werden finanziell versorgt“, sagt er und bezieht sich dabei auf Gehälter, Krankenversicherungen und Incentives, die von der Wildlife Alliance getragen werden, die inzwischen 5% der Umsätze des Cardamom Tented Camps erhält.

„Dank meines Jobs kann ich meine Kinder zur Schule schicken. Ich habe gelernt zu lieben, was ich tue. Heute kenne ich den Wald; ich verstehe den Dschungel. Es wäre eine Verschwendung von Fähigkeiten, wenn ich Angst hätte. Und: wenn wir den Wald nicht schützen, wer dann!?“

Trotz aller Widrigkeiten: die Ergebnisse ihrer Arbeit sind messbar. Seit 2002 haben die Ranger im Kardamomgebirge mehr als 155.000 Schlingen entfernt und über 14.300 Kettensägen sowie 4.000 Kubikmeter Holz beschlagnahmt.

Fast 5.000 lebende Tiere wurden von der Wildlife Alliance gerettet und rund 700 Täter strafrechtlich verfolgt. Die Ranger installieren auch Kamerafallen, um die Tierwelt zu beobachten; Kheng zeigt uns Videomaterial der letzten Sichtungen: Fischerkatzen, Schuppentiere, Sonnenbären, ein Nebelparder und ein asiatischer Windhund. 2015 haben sie eine Herde von 16 Elefanten gefilmt (unter ihnen mehrere Babys) – den Dickhäutern geht es also gut. Es sei mittlerweile zwölf Jahre her, dass der letzte Elefant im Kardamomgebirge von Wilderern getötet wurde, fügt Kheng stolz hinzu.

Kurze Zeit später klettern wir in unsere Kajaks und machen und flussabwärts auf den Weg zum Camp, wo Michaud und sein Team uns einen kleinen Strand erschaffen haben, indem sie Farnkraut vom Flussufer beseitigt haben. Als die Nacht einbricht, machen wir in unserem Longtail-Boot eine kleine „Glühwürmchen-Kreuzfahrt“. Unser Guide Sinam nutzt eine Taschenlampe und sein iPhone, um uns durch die völlige Dunkelheit zu manövrieren. Nach 15 Minuten tauchen die leuchtenden Insekten im Dunkel der Bäume vor uns auf – einige von ihnen machen es sich sogar auf unserem Boot gemütlich.

Als wir wieder im Camp ankommen, sind wir ausgehungert – doch glücklicherweise wartet ein Dinner auf uns. Unsere Küchenchefin stammt aus der nahegelegenen Stadt Chi Pat, eine der ersten im Kardamomgebirge übrigens, die den Ökotourismus angekurbelt haben, und hat uns ein wahres Festmahl gezaubert. Es gibt gebratenen Tintenfisch mit Pfeffer, Knoblauchgarnelen und gegrillten Tre Spong (ein Fisch mit sehr zartem Fleisch). Um den Nachtisch kümmert sich Michaud: an diesem Abend ist ein Schokoladenkuchen angesagt – nach einem Rezept seines Großvaters, der Chocolatier war.

Am nächsten Tag stehen wir bereits in der Morgendämmerung auf. So verlockend es auch wäre, in unseren kokonartigen Betten zu bleiben, beschließen wir, den Sonnenaufgang auf dem Boot zu genießen. Hunderte silbriger Spinnweben säumen die Savanne, und auch der Fluss ist um diese Uhrzeit umwerfend schön mit seinen nebligen Ufern und seiner spiegelglatten Oberfläche.

Ein typisches Fischerboot © Lauryn Ishak

Ich hoffe darauf, die Otter zu sehen, denen Michaud oft begegnet, oder den Gibbons in den Baumwipfeln am Ufer des Flusses, von denen Sinam oft erzählt. Doch Fehlanzeige. Als der Nebel sich allerdings lichtet, sehen wir riesige Eichhörnchen – und Thea glaubt, ein wildes Reh im Unterholz entdeckt zu haben. Wir legen unsere Ferngläser zur Seite, als sich Drongos, grüne Tauben, Eis- und Nashornvögel sowie ein Rebhuhn vor uns ins Wasser stürzen.

Ehe wir das Lager verlassen, erzählt und Michaud von seinem neusten Projekt: er möchte einige Gibbons freilassen, die von der Wildlife Alliance gerettet und im Phnom Tamao Wildlife Rescue Center gepflegt worden waren. „Die Wildlife Alliance hat große Erfolge bei der Wiederauswilderung von Gibbons in Angkor Wat gefeiert. Und das könnte auch hier funktionieren – ich meine, schau Dich um. Unsere Gäste würden es lieben“, grinst er.

Um mehr über die erfolgreichen Auswilderungen der Wildlife Alliance zu erfahren, nehme ich Wochen später mit Suwanna Gauntlett Kontakt auf, der Gründerin und Geschäftsführerin der Organisation. Ich erreiche sie via Skype, und bei ihr Zuhause in Frankreich ist es noch nicht einmal sechs Uhr. Sie ist eine wohlhabende Frau, deren Urgroßvater Dr. William Upjohn einst den gleichnamigen Pharmakonzern gegründet hatte.

Gauntlett ist eine Erscheinung. Sie erzählt, dass ihre Leidenschaft für den Naturschutz in Brasilien entfacht wurde, als sie noch ein Kind war und Zeugin wurde, wie ein Jaguar von einer Gruppe betrunkener Männer mit Zigaretten gefoltert wurde.

Eines der neun Safari-Zelte im Cardamom Tented Camp © Lauryn Ishak

„Das Auswilderungsprogramm ist einer der Wohlfühlaspekte unserer Arbeit“, erzählt sie mir. „Die Tiere werden jahrelang auf diesen großen Schritt vorbereitet. Viele von ihnen kommen als Babys zu uns – und würde man beispielsweise einen Baby-Pangolin freilassen, würde er es nicht überlegen.

In Chi Pat bereiten wir sie langsam auf ihren Weg in die Freiheit vor und gewöhnen sie an neue Geräusche und Gerüche. Dann öffnen wir den Käfig, lassen ihnen aber Futter darin – so lange, bis sie eines Tages nicht mehr zurückkommen.“

1999 gründete Gauntlett gemeinsam mit drei weiteren „Umweltspionen“ WildAid, das sich 2007 in zwei NGOs aufsplittet: Wildlife Alliance und WildAid, die sich verstärkt auf Bildungsprogramme konzentriert. „Wir haben in den neunziger Jahren in Burma und Khao Yai gearbeitet.

Wir wollten aber ins Kardamomgebirge und warteten darauf, dass der Aufstand der Roten Khmer endlich enden würde. Das Kardamomgebirge ging seinerzeit wortwörtlich in Flammen auf. Jeden Monat wurden 500 Hektar Wald vernichtet. In nur wenigen Monaten wurden zwölf Elefanten getötet. Es war eine Katastrophe. Die 1997 gegründete Regierung jedenfalls empfing uns mit offenen Armen.“

Laut Gauntlett ist der Erfolg ihrer Organisation vor allem auf ihre unkonventionelle – manche sagen auch aggressive – Bekämpfung von Wilderern zurückzuführen. Sie drängt auf direkte und strikte Strafverfolgung vor Ort und pflegt enge Beziehungen zur Regierung und zu privaten Unternehmen.

„Viele Naturschutzorganisationen setzen auf Wissenschaft und Politik und versuchen, das Bewusstsein mit Berichten und Workshops zu schärfen. Wir sind Macher und glauben, dass andere Organisationen unserem Beispiel folgen sollten – wenn wir darauf warten, bis die letzte Studie veröffentlicht ist, ist auch das letzte Tier gestorben.“

Gauntlett ist zu diesem Zeitpunkt in Paris, um die jüngste Initiative der Wildlife Alliance zu unterstützen: das Southern Cardamom REDD Project. Das Programm wird vom kambodschanischen Umweltministerium unterstützt und zielt darauf ab, mithilfe des Verkaufs von Emissionsgutschriften im Einklang mit dem REDD-Programm der Vereinten Nationen 500.000 Hektar Wald zu retten.

Was das Cardamom Tented Camp angeht, sagt sie, habe es sieben Jahre gedauert, bis man startklar gewesen sei. Das letzte Puzzleteil – die Suche nach einem Hospitality-Partner – passte erst, als ein enger Freund Gauntletts aus der thailändischen Königsfamilie ihr William Heinecke, CEO der Minor Group, vorstellte. Sie flog Heinecke und sein Team ins Kardamomgebirge ein, und sie waren an Bord. „Ich bin zuversichtlicher denn je“, sagt Gauntlett. „Sobald wir den CO2-Emissionsverkauf gesichert haben und der Ökotourismus an seine Grenzen stößt, weiß ich, dass wir das Gebiet langfristig schützen können.“

Sie fügt hinzu: „Das Kardamomgebirge ist mein Lieblingsort auf der Welt. Atemberaubend schön, besonders von oben.“ Die Wildlife Alliance fliegt einmal pro Woche mit dem Hubschrauber über das Areal. Das kostet Geld, ist aber gleichsam das erfolgreichste Werkzeug im Kampf gegen illegale Aktivitäten. „Von oben sieht man, dass diese Wälder ein lebendiger und atmender Organismus sind… und warum es so wichtig ist, dass wir sie am Leben erhalten.“

Sternenhimmel über Cardam © Lauryn Ishak

Das Cardamom Tented Camp bietet 2- und 3-Nacht-Pakete für 389 bzw. 479 USD pro Person an. Inbegriffen sind alle Mahlzeiten und Transfers (mit Auto und Boot) von Phnom Penh. Wer drei Tage bleibt, kann an Ausflügen zu entlegeneren Teilen des Botum Sakor Nationalparkt teilnehmen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Februar/März 2018 Druckausgabe des Magazins DestinAsian unter dem Titel „Green Dreams“, geschrieben von Claire Knox