Midget Farrelly, Pupukea, 1970: Bernard „Midget“ Farrelly, dem ersten Weltmeister von 1964, gelang es mühelos, die großen Epochen des Surfens durch seinen zeitlosen Stil zu überbrücken © TASCHEN
arts & culture

die jagd nach der perfekten welle

Die Revolution fand an einem Sonntagnachmittag im Oktober statt. Vierzigtausend Zuschauer standen wie die Heringe am Strand und auf dem neuen Ocean-Beach-Pier in San Diego und waren gespannt, wer bei der Weltmeisterschaft im Wellenreiten siegen wird. Damals, 1966, waren die Surfbretter übrigens durchschnittlich zehneinhalb Fuß lang und wogen fünfzehn Kilo.

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Malibu, 1967, unmittelbar vor der Shortboard-Revolution. Innerhalb eines Jahres wurden aus diesen großen, schönen Brettern vom Aussterben bedrohte Dinosaurier © TASCHEN

Jim Fox, Redondo Beach Breakwater, 1963 © TASCHEN

Duke Classic Finalists am Sunset Beach, 1969: (von li. nach re.) Joey Cabell, Eddie Aikau, Billy Hamilton, Fred Hemmings, Gordo Barreda, Paul Strauch Jr., Mike Doyle, Rolf Aurness, Felipe Pomar © TASCHEN

Am Makaha Beach, 1965: Die Teilnehmer am Halbfinale der Männer der Makaha Championships. George Downing, der fünfte von links gewann den Wettbewerb © TASCHEN

Surfer Kent Layton am Hermosa Beach, 1969 © TASCHEN

Legendäre Momente

Auch LeRoy Grannis trieb sich an den Rändern der Menschenmenge herum und machte Schnappschüsse mit seiner rostigen Pentax-S-Kamera. In genau dem Augenblick, in dem der achtzehnjährige Australier Robert „Nat“ Young die Trophäe in die Luft stemmte und jubelte, stellte Grannis scharf und fing so den Wendepunkt der Sufgeschichte ein.

Nat Young überraschte die amtierende Surfelite mit einem bis dahin unbekannten radikalen Stil. Genau genommen wurde durch seinen Sieg praktisch über Nacht eine ganze Generation von Wettkampfboards reif für den Müllhaufen.

Grund: Sein selbst gebautes Surfbrett „Magic Sam“ war neun Fuß, vier Zoll lang, also einen ganzen Fuß kürzer als der damalige Standard. Er hatte es zusammen mit seinem australischen Landsmann Bob McTavish entwickelt; es besaß eine lange, krummsäbelartige Finne, die sich der exzentrische amerikanische Board-Shaper George Greenough ausgedacht hatte. Das Brett war ein drastischer Evolutionssprung in Technologie und Mentalität.

Trotz der spürbaren Aufregung am Strand blieb Grannis stoisch und hielt sich abseits. Für ihn war es nichts weiter als der Endpunkt eines Jahres, in dem er jedes Wochenende landauf, landab an der südkalifornischen Küste Clubwettbewerbe fotografiert hatte.

Am nächsten Wochenende würde er wahrscheinlich schon wieder in Malibu oder Huntington Beach bei einem kleinen Regionalwettbewerb sein, wo der Qualifizierungswettkampf für die World Surfing Championships wieder von vorne anfing.

Seit Urzeiten haben Zeugnisse vom Wellenreiten überlebt; anfangs in Liedern, später in Worten und jetzt am schönsten durch das Medium der Kamera.

„Gremmies“ (junge bzw. unerfahrene Surfer) schauen sich an der
Huntington Beach die 1964er-U.S.-Championships vom Dach eines liebevoll restaurierten 1933er-Ford-Deluxe an (das gleiche Modell, das der Gangster John Dillinger fuhr) © TASCHEN

Der in Kalifornien geborene Amerikaner war damals neunundvierzig und fotografierte seit sechs Jahren Surfer neben seinem Vollzeitjob als Fernmeldetechniker bei Pacific Bell Telephone. Er kam weder mit professionellem noch künstlerischem Anspruch zur Surffotografie, sondern als Familienvater in den besten Jahren, der nach einem Hobby suchte, um den Stress in seinem Berufsleben auszugleichen.

Dass er einmal zu einem der erfolgreichsten Surffotografen der sechziger und siebziger Jahre werden würde und dass seine Fotos in ihrer eleganten Einfachheit und als Zeugen einer vergangenen Zeit einen wichtigen Einblick in die Entstehung von Kult zu (Sub)Kultur gaben, wehrte LeRoy Grannis auch Jahrzehnte später bescheiden ab: „Ich war Wellenreiter und fotografierte das, was ich mir gerne ansah. Wahrscheinlich habe ich eine Menge Glück gehabt.“

Was das Besondere an seinen Fotoaufnahmen war? Grannis schaffte es, eine Generation heute legendärer Surfer als linkische Jugendliche für die Nachwelt festzuhalten. Da viele von ihnen so alt waren wie sein Sohn, betrachtete er seine Motive oft mit väterlichem Blick und erzielte so völlig natürlich wirkende Porträts, die über die Zurückhaltung des Mannes im mittleren Alter hinwegtäuschten, der Fremde bat, für seine Kamera zu posieren.

Ein kurzer Blick ins Buch

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San Onofre, California, 1963: Die breiten Strände, strohgedeckten Hütten und langen, gleitenden Wellen trugen San Onofre den Titel „Waikiki von Kalifornien“ ein © TASCHEN

Pipeline, 1977: Kleine, amüsante Pipeline. Dieser Surfer setzt zum „Head Dip“ an © TASCHEN

Neuausgabe der vergriffenen Collector´s Edition: Das bildstarke Coffee Table Book „LeRoy Grannis. Surf Photography” (TASCHEN Verlag, Hardcover, € 30)

Unter seinen fotografischen Vorbildern und Kollegen nahm Grannis eine klare Mittelposition zwischen Kunst und Fotojournalismus ein. Seine Bilder waren wohlkomponiert, fokussiert und mit einem großzügigen Tiefenschärfebereich ausgestattet, was dem Betrachter Zeit gab, sich in die Stimmung der Zeit hineinzuversetzen. Weil er feinkörnige Filme mit geringer Empfindlichkeit verwendete, konnte er sehr detailreiche Vergrößerungen anfertigen.

„Grannis’ Aufnahmen hatten das gewisse Etwas, das sie für mich zu etwas ganz Besonderem machte“, sagt Brad Barrett, von 1968 bis 1973 Hausfotograf und Fotoredakteur der Zeitschrift „Surfer“. Darüber hinaus war LeRoy Grannis einer der wenigen Surffotografen, die die Kamera nicht nur auf die Action in den Wellen hielten, sondern auch das Drumherum dokumentierten.

Ende der Siebzigerjahre verabschiedete er sich von Pacific Bell Telephone, ging in Rente und zog von Hermosa Beach nach Carlsbad, Kalifornien. Über zwanzig Jahre lang surfte und fotografierte er dort noch weiter; seine Abzüge und Negative bewahrte er ordentlich in Ringordnern zu Hause auf.

Grannis’ Aufnahmen hatten das gewisse Etwas.

Palos Verdes Cove, 1964
Makaha, Hawaii, 1962: Ein toller alter Ford Woody aus den Vierzigerjahren mit einer Gruppe junger Surfer zwischen den Heats bei den Makaha Championships. Von links nach rechts: unbekannt, Ivan Vanetta, Frank Grannis, Paul Strauch, Candy Calhoun, Robin Calhoun © TASCHEN

Grannis’ Bilder sind erstaunlich. Die Szenen und die Breaks, die sie dokumentieren, sind von unverdorbener Schönheit und zeigen heute unvorstellbar leere Strände.

Das bildstarke Coffee Table Book „LeRoy Grannis. Surf Photography”,  eine Neuausgabe der limitierten und weltweit vergriffenen Collector’s Edition – erschienen beim TASCHEN Verlag, Hardcover, € 30 – ist nicht nur für Surf-Enthusiasten ein Muss.

Die Bilder des wohl bedeutendsten Dokumentaristen der Surfszene der 1960er- und 1970er-Jahre erzählen von einer entschwundenen Zeit – vom Glück, in San Onofre auf der perfekten Welle zu reiten, bis hin zum dramatischen Kampf mit dem Ozean am North Shore von Oahu.

Mehr noch LeRoy Grannis‘ Fotografien lassen eine Ära wiederaufleben, als Surfen noch neu und mit dem Gefühl von Freiheit und Einssein mit der Natur verbunden war. (Textquellen und Zitate © Taschen)

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Makaha, 1966: Der berüchtigte Shorebreak von Makaha findet ein weiteres Opfer. Diese klassische Aufnahme wurde in vielen Werbeanzeigen verwendet © TASCHEN