Der Fahrersitz des Ferrari 250 Testa Rossa betont die abgerundeten, umhüllenden Linien © Rainer W. Schlegelmilch / Motorsport Images
arts & culture

ein traum in feuerrot:
der ferrari-mythos

Das berühmte Markenzeichen, das „Cavallino Rampante“, das sich aufbäumende schwarze Pferd auf gelbem Grund, ist der Inbegriff für elegantes Design, sportlichen Erfolg und Exklusivität. Sieben Jahrzehnte lang – und ein Ende ist kaum in Sicht – hinterließ das von Enzo Ferrari 1947 gegründete Unternehmen eine unauslöschliche feuerrote Spur im Rennsport und in der Popkultur.

Zum 30. Jahrestag des Todes von Enzo Ferrari brachte der Taschen-Verlag jetzt u.a. eine Sammlerausgabe auf den Markt, die unveröffentlichte Fotos und Dokumente aus den Ferrari-Archiven und privaten Sammlungen zeigt. Wir hatten die Gelegenheit, durch das voluminöse Meisterwerk – das temporär auch im Stuttgarter und Düsseldorfer Flagship Store ausgestellt sein wird – zu blättern.

„Ich weiß nicht, was mehr zählt: Erfolg oder Beharrlichkeit. Ich war nie ein Designer, noch ein Zahlenmensch. Ich war ein Agitator der Menschen. Manchmal bin ich zu weit gegangen, aber wenn ich dies nicht gemacht hätte, würde Ferrari nicht das sein, was es ist“, so Enzo Ferrari.

Dieses Zitat ist nicht nur ein perfekt gelungener Einstieg in die handgefertigte und ledergebundene Collector’s Edition, das Zitat sagt auch sehr viel über den leidenschaftlichen „Il Commendatore“ aus.

So viel Hochgefühl ergibt sich aus diesem Foto von Enzo Ferrari in der Rolle des Fahrers: Er ist erst 22 Jahre alt und wird hier mit dem Lenkrad eines Alfa Romeo gesehen © Ferrari S.p.A. / Foto Strazza

Ein kurzer Blick zurück wie es 1929 zur Gründung der „Scuderia Ferrari“ kam.

Enzo Anselmo Ferrari wurde am 18. Februar 1898 in einem Bergdorf der Region Emilia Romagna nahe Modena in Norditalien als Sohn einer Bauernfamilie geboren. Sein Berufswunsch war es Operntenor Sportjournalist oder Rennfahrer zu werden, doch zunächst einmal lernte er das Schlosser-Handwerk seines Vaters. Schon damals interessierte ihn fast ausschließlich die neu aufkommende Technologie der Verbrennungsmotoren und so nutzte er den väterlichen Betrieb, um sein technisches Wissen zu vervollkommnen, anfangs mit Motorreparaturen und später mit ersten Motoren in Eigenbau.

Nach dem Ersten Weltkrieg bewarb er sich als Werksfahrer bei FIAT in Turin, wurde jedoch mangels Ausbildung abgelehnt. So wurde er zunächst Privatfahrer und finanzierte sich sein erstes Rennauto selbst.

Nach ersten Erfolgen erhielt Ferrari noch im selben Jahr eine Anstellung als Testfahrer bei Costruzioni Meccaniche Nazionali. Seine Leistungen waren so überzeugend, dass er bereits in der ersten Saison Werksfahrer wurde.

1920 wechselte Ferrari als Werksfahrer zu Alfa-Romeo. Innerhalb der Targa Floria, diese zählte damals zu den bedeutendsten Rennen Europas, wurde Enzo Ferrari in der ersten Saison bei Alfa Zweiter. Trotz weiterer Erfolge beendete er Mitte der 1920er-Jahre bei Alfa seine Laufbahn als aktiver Fahrer.

Nachdem es ihm gelungen war die Textilfabrikanten Augusto und Alfredo Caniato und den reichen Amateurfahrer Mario Tadini als Finanziers für seinen eigenen Rennstall zu gewinnen, gründete Ferrari 1929 seinen eigenen Rennstall, die „Scuderia Ferrari“. Zunächst fuhr das Ferrari-Team die Rennen weiterhin auf modifizierten Alfa Romeo 8C Modellen, bis es 1938 zur Trennung kam.

Das legendäre Emblem des „cavallino rampante“, das aufsteigende Pferd, wurde übrigens erst 1932 enthüllt.

Rennautos sind nur schön, wenn sie gewinnen. Normale Autos müssen schön, im Sinne von begehrenswert sein.

Ein kurzer Blick ins Buch

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Alberto Ascari am Nürburgring 1953, das Jahr seines zweiten Weltmeistertitels mit dem Ferrari 500 F2 © Taschen Verlag

Beide sind rot, atemberaubend und verfügen über einen 5-Liter-V12-Motor, dennoch unterscheiden sich aber stark voneinander: die 410 S Coupé-Version (links) und die Spider (rechts); 1955. © Rainer W. Schlegelmilch / Motorsport Images

Links: Monte Carlo 1955: Das von Louis Chiron gefahrene Auto Nr. 32 war kein Ferrari; es war ein Lancia, der im folgenden Jahr die Farben des Cavallino trug. Dahinter der Mercedes von Stirling Moss. Rechts: Phil Hill auf dem "virage du Casino" beim Großen Preis von Monaco 1961 © Taschen Verlag

Der 1960 GT California, einer der schönsten Spiders, die jemals von Ferrari produziert wurde © Taschen Verlag

Höchste Eleganz und Reinheit der Linien in einem der Meisterwerke von Pininfarina: der 330 GTC von 1966 © Taschen Verlag

Sintflutartige Regenfälle zu Beginn des 24 Stunden-Rennens von Le Mans 1968, als der Ferrari 275 LM von Masten Gregory-Charlie Kolb vorspringt, gefolgt vom Ford GT40 von Jackie Oliver-Brian Muir und dem Alpine 220 von Henri Grandsire-Gérard Larrousse © Rainer W. Schlegelmilch / Motorsport Images

… wie die Geschichte Ferraris weiterging

1940 brach Enzo Ferrari sein Abkommen mit Alfa Romeo. Da es ihm für die kommenden vier Jahre nicht erlaubt war Rennautos herzustellen, wurde die Scuderia in „Auto Avio Costruzioni Ferrari“ umbenannt. Drei Jahre später zog die Firma nach Maranello um, wo auch heute noch der Ferrari-Hauptsitz ist.

Kaum war der Krieg beendet, machte sich Gioachino Colombo, ein ehemaliger Alfa Romeo-Ingenieur daran, den ersten „echten“ Ferrari zu entwerfen. Resultat: 1947 wurde der Ferrari 125 S mit einem 12-Zylinder-Motor präsentiert. Dann folgte der 125 C, der 125GP und der 125 F1.

Damals hielt man Enzo Ferrari für einen verrückten Visionär? Wie konnte jemand träumen, kurz nach dem Kriegt Luxusautos zu bauen. Doch Enzo Ferrari hatte jedoch eine andere Perspektive auf das Leben: Er „sah“ die neue Welt und verstand, dass Schnelligkeit ein wichtiges Element sein wird. Darüber hinaus wusste Enzo Ferrari auch, dass das Wichtigste die Unerreichbarkeit, die Seltenheit und der Traum eines Produktes ist.

Genau genommen hat Enzo Ferrari die goldene Regel des Luxusmarketings erfunden und geschrieben: Mach das Produkt nicht zu zugänglich und verkaufe weniger als der Markt verlangt.

Im Laufe der Jahre beauftragte Enzo Ferrari neben Pininfarina auch auch Scaglietti, Bertone und Vignale mit dem Design von Ferraris.

Das Dreamteam Enzo Ferrari und Pininfarina und die legendäre Modelle

Die Partnerschaft mit Battista Pinin Farina (er änderte seinen Nachnamen in Pininfarina erst 1961) dauerte 60 Jahre. Wie es dazu kam? In erster Linie trafen hier zwei Männer aufeinander, die auf der gleichen Wellenlinie waren. Beide hatten eine extrem starke Persönlichkeit und waren Selfmademen, die durch die gleichen Interessen vereint waren.

Battista Pininfarina und Enzo Ferrari, die an einer Maranello-Formel 1 teilnehmen. Sie waren beide Rennfahrer in ihrer Jugend © Ferrari S.p.A.
Der Ferrari 125 S am Eingang der Fabrik in Maranello. Es war das erste Auto, das in den ersten Monaten des Jahres 1947 unter der Marke Ferrari gebaut wurde © Ferrari S.p.A. / Zincografia Modenese

Die legendären Automodelle

Pininfarina, der bereits schöne Autos produziert hatte, träumte davon, noch exklusivere Modelle mit hochentwickelter Rennausrüstung wie dem 12-Zylinder-Motor, zu entwickeln, die kein anderer hatte. Ferrari war seinerseits daran interessiert, sich mit einem der berühmtesten italienischen Designer zu verbünden, der auch über beeindruckende Produktionsmöglichkeiten und sogar ein Design-Center mit drei oder vier Mitarbeitern verfügte, „was damals für einen Karosseriebauer ungewöhnlich war“, erklärt Lorenzo Ramaciotti, ein an der Polytechnischen Universität in Turin ausgebildeter Ingenieur und seit 17 Jahren Geschäftsführer der Designabteilung von Pininfarina. Unter seiner Leitung entwickelte Ferrari den 456, den 550 Maranello, den 360 Modena, den F430 und den 612 Scaglietti, sowie den Enzo (ein limitiertes Supercar) und ein Konzeptfahrzeug namens Mythos.

Im Laufe der Jahre hat Ferrari alles und sein direktes Gegenteil produziert: Wenn Sie nach einem quadratischen Ferrari suchen, werden Sie es finden. „Der rote Faden ist, dass Pininfarina Autos geschaffen hat, die extrem elegant, einfach und geschmackvoll waren. Er interpretierte die Moden des Tages, ging aber nie über die Spitze hinaus. Pininfarinas Kreationen für Ferrari müssen daher nach ihrer essentiellen Eleganz beurteilt werden: Sie können zwar leistungsstarke, aggressive Autos sein, aber sie sind auch elegant“.

„Die Firmengeschichte von Ferrari geht durch verschiedene Stil-Ären innerhalb eines halben Jahrhunderts: die 1950er-Jahre waren etwas naiv, die 1960er-Jahre muskulöser, dann kamen die härteren, mehr geometrischen 1970er und 1980er-Jahre bis zu den ausdrucks- und leistungsstarken Designs der 1990er-Jahre“, so Ramaciotti

Ein weiteres charakteristisches Merkmal von Ferrari ist die Sinnlichkeit, die eine gewisse formale Spannung nach sich zieht. „Es ist von grundlegender Bedeutung, ein Gefühl von Fluidität und Geschmeidigkeit für die Oberflächen zu erzielen. Es ist etwas, das uns immer definiert hat. Wenn man sich Modelle aus der Vergangenheit anschaut, sieht man, dass sie aus einer Reihe von konkaven und konvexen Flächen bestehen, die zusammenfließen“. Das macht Ferrari zu einer italienischen Stilikone. Ramaciotti behauptet dieser Ruf „beruhe auf drei Faktoren: die Qualität der Proportionen, Einfachheit oder das Fehlen von redundanten Elementen und die Qualität der Oberflächen -ob flach oder erhöht, sie werden immer fachmännisch zusammengestellt und gehen ohne Verzerrung von einem zum anderen über.“ Die 80 Mitarbeiter des Ferrari Style Centers sind die Erben und die Architekten dieses Vermächtnisses. Ein junges, multitalentiertes internationales Team aus 12 verschiedenen Nationen.

Ich habe Pininfarina immer für seine kreative Fähigkeit geliebt. Er lancierte einen Stil, eine Linie. Er war der erste wahre „Schneider“ der Automobil-Welt, der einzige, der das Element der Haute Couture zum Vorschein bringen konnte.

Schwarzes Pferd auf gelbem Grund – der Ferrari-Mythos

Ein auffälliges und geschmackvolles Covermotiv für die Scuderia Ferrari
Zeitschrift, veröffentlicht im Jahr 1933 © Ferrari S.p.A.

Francesco Baracca flog einen Doppeldecker auf dem ein unverwechselbares schwarzes tänzelndes Pferdeemblem prangerte. „Das Ass der Asse“ in der italienischen Royal Air Force schien unbesiegbar bis er wurde am 19. Juni 1918 direkt getroffen wurde und in einer Flammenkugel starb.

Knapp fünf Jahre nach Baraccas Tod, nahm dessen Vater Enrico Baracca an einem Motorrennen in Ravenna teil. Das erste Auto, das ins Ziel kam, war ein Alfa Romeo. Hinter dem Steuer: Enzo Ferrari. Während den Feierlichkeiten lernten sich die beiden Männer kennen. Was folgte, wurde Teil der Geschichte des Motorsports – und vielleicht noch mehr.

Ferrari selbst hat die Geschichte dieses Treffens in Geschichte verwandelt: „Ich traf Graf Enrico Baracca und wurde  infolgedessen später seiner Mutter, der Gräfin Paolina, vorgestellt. Sie war es, die eines Tages zu mir sagte: ‚Ferrari, leg das tänzelnde Pferd meines Sohnes auf deine Autos. Es wird dir Glück bringen‘.

Wann das genau passiert ist, hat Enzo Ferrari nie verraten. Den ersten Auftritt hatte das tänzelnde Pferd jedenfalls am 9. Juli 1932 beim 24 Stunden-Rennen in Spa. Gekrönt war das Logo auf gelbem Hintergrund zudem von den Farben der italienischen Flagge und mit den Buchstaben SF, Scuderia Ferrari. Im Laufe der Jahre wurden leichte Änderungen am Emblem vorgenommen, aber im Wesentlichen hat es sich kaum verändert.

Ein kleines Geheimnis, das wahrscheinlich nie gelöst werden wird, gibt es. Aber wie heißt es so schön: Alle Legenden müssen ein kleines Geheimnis bewahren, um ihre Magie am Leben zu erhalten. Der hauptsächliche Unterschied zwischen Baracca und Ferraris tänzelndem Pferd lag in den Hinterbeinen: Im Air As Emblem ruhten beide Hufe auf dem Boden, zudem krümmt sich der Schwanz nach unten, während bei Ferrari eines davon angehoben ist und der Schwanz nach oben geht.

Weitere Impressionen aus dem Ferrari Buch

Die Reggia di Stupinigi bei Turin bildete den Hintergrund für dieses Bild des Ferrari Experimental Coupé II von 1960. Beachten Sie die einziehbaren Scheinwerfer. Im Vordergrund: Enzo Ferrari
© Mondadori Portfolio
Am Vorabend der Rennen und auch währenddessen sind die atemberaubenden Autos zugänglich und von Menschenmengen umgeben. Hier begeisterte Kinder © Jesse Alexander, courtesy of Fahey / Klein Gallery, Los Angeles
Buchcover der 480-seitigen Collector´s Edition: Ferrari von Pino Allievi © Taschen Verlag
Der Ferrari 125 S am Eingang der Fabrik in Maranello. Es war das erste Auto, das in den ersten Monaten des Jahres 1947 unter der Marke Ferrari gebaut wurde © Ferrari S.p.A. / Zincografia Modenese

Details zum Ferrari Buch von Pino Allievi

Die handgefertigte, ledergebundene und handvernähte Collector’s Edition ist auf 1.947 signierte und nummerierte Exemplare limitiert. Sie steckt in einer von Marc Newson entworfenen Präsentationsbox aus Aluminium, die einem Ferrari-V12-Motor nachempfunden wurde. Die Collector’s Edition (Nr. 251–1.947) kostet € 5.000.

Die Art Edition (Nr. 1–250) wiederum, signiert von Piero Ferrari, Sergio Marchionne und John Elkann, wird mit einem Buchständer von Marc Newson geliefert. Dieser wird dank der mit den Krümmern verbundenen Beine aus handgebogenem verchromtem Stahl zu einem skulpturalen Designobjekt. (Textquellen und Zitate © Taschen)

Die Art Edition (Nr. 1–250) wird mit einem skulpturalen Buchständer von Marc Newson geliefert © Taschen Verlag