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Breuninger im Jahre 1953. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen, das vom Enkel des Gründers Heinz Breuninger geführt wurde, bereits knapp 1700 Mitarbeiter

1881 bis 1889: Die Geschäftshäuser in der Münzstraße Nr. 1 und der später dazugekommene, umgebaute Gasthof „Zum Großfürsten“ in der Münzstraße Nr. 7

Ein Prunkstück der Architektur: 1908 wurde der erste Teil des Neubaus – die Hauptfront zur Sporerstraße – beendet. 1916 wurde der Bau entlang der Karlstraße bis zur Marktstraße vorgezogen

Gesamtansicht der Geschäftshäuser nach Fertigstellung des Erweiterungsbaues

Imposantes Hauptportal: Die Waren wurden nicht nur offen zur Schau gestellt, sondern regelrecht inszeniert. Vorbild waren die modernen Warenhäuser in Paris

Die Rösser verschwanden und die ersten Autos wurden angeschafft: Auch Eduard Breuninger setzte auf mobile Kundenbetreuung. Sein beachtlicher Fuhrpark musste ständig vergrößert werden

April 1931: Der Tag seiner Einweihung ist ein Höhepunkt in der Firmengeschichte: das „Herrenhaus“ (Hochhaus)

Im Zweiten Weltkrieg, in dessen Folge 1944 alliierte Bomber bei 25 Luftangriffen die Stuttgarter Innenstadt in Schutt und Asche legten wurden unter anderem auch die Breuninger-Geschäftshäuser völlig zerstört

Das Breuninger Haus im Jahre 1953. Die Architektur der fünfziger Jahre hatte einen besonderen ästhetischen Reiz. Grund: Die Gebäude vereinten in ihren oft kühnen, skulptural anmutenden Konstruktionen eine neue Schlichtheit und Eleganz

Schaufenstergestaltung im Jahre 1952. Darüber hinaus wurden die Kunden auch mit einem illustrierten Brief über die neueste Mode informiert

insights

ein stück (architektur)geschichte

Einkaufen auf und um den Stuttgarter Marktplatz hat eine lange Tradition. Sie reicht ganze 635 Jahre zurück. Damals bis Ende der dreißiger Jahre fanden die Wochenmärkte vor pittoresker Bilderbuch-Kulisse statt. Die Architektur war kleinteilig und stattliche Fachwerkhäuser mit hohen Giebeln, Erkern und Türmchen markierten den bürgerlichen Mittelpunkt Stuttgarts.

Wenn gerade kein Markt war, nutzten die Automobilfahrer den Raum als Parkplatz und nicht zu vergessen: Der zentrale Platz ist über die Jahrhunderte hinweg bis heute auch immer der Ort gewesen, an dem die verschiedenen Stuttgarter Rathäuser standen und stehen.

Auch zahlreiche familiengeführte Geschäfte waren am Marktplatz ansässig, dazu gehör(t)en neben E. Breuninger das 1723 gegründete Haushaltswarengeschäft Tritschler, das 1833 eröffnete Spielwarengeschäft Kurtz (heute über die Sporerstraße zu erreichen) und das Papier- und Schreibwarengeschäft Haufler, das 2015 nach 120 Jahren geschlossen hat.

Anhand zahlreicher Vorher-Nachher-Fotos erzählen wir Ihnen, wie das 137-jährige Breuninger-Unternehmen entstanden ist und welche architektonischen Wandlungen es durchlebt hat.

Mit einem Lehrling und zwei Fräuleins, eröffnete Eduard Breuninger am 01. März 1881 sein Einzelhandelsgeschäft. Dass es einmal zu einem der erfolgreichsten Mode- und Lifestyle-Unternehmen Deutschlands werden würde, ahnte er zu diesem Zeitpunkt sicherlich nicht.

Ein kurzer Blick zurück: Nach langjährigen Tätigkeiten im Engrosgeschäft und Manufakturwarenhandel, übernahm der damals 27-jährige Textilkaufmann Eduard Breuninger das Geschäft von E. L. Ostermayer in der Stuttgarter Münzstraße Nr. 1. Kaum war das Geschäft eröffnet, gab es eine Sensation. Was das genau war? Eduard Breuninger bewahrte die Stoffe seines Vorgängers nicht auf, er verkaufte das gesamte Warenlager zu reduzierten Preisen.

Das sprach sich natürlich schnell herum und so stiegen der Umsatz und die Zahl der Mitarbeiter kontinuierlich an. Folge: Eduard Breuninger musste sich nach einem größeren Haus umsehen. Dieses fand er 1888 genau gegenüber in der Münzstraße Nr. 7, es war der Gasthof „Zum Großfürsten”, wo einst ein russischer Großfürst gewohnt haben soll.

Er vermietete sein bisheriges Gebäude, ließ das Restaurant umbauen und bezog ein Jahr später das neue Geschäftshaus, das nun bis 1916 den imposanten Namen „E.BREUNINGER zum Großfürsten“ sowie das beim Kaiserlichen Patentamt eingetragene Warenzeichen trug.

Drei Jahre später reichte der Platz erneut nicht aus und so wurde das Stammhaus an der Münzstraße Nr. 1 wieder bezogen. Hier fand am 24. September 1891 die Abteilung für Damen-Konfektion sowie das Maßatelier seinen Platz. Im Laufe der Jahre kaufte Eduard Breuninger weitere Gebäude in der Münz- und Becherstraße und so ersetzte 1903 ein Neubau die zwei alten Stammhäuser.

Der Wachstum meiner Firma hält Gleichschritt mit der fortschreitenden Entwicklung unserer Landeshauptstadt.

Das Geschäft wuchs ungebremst. Eduard Breuninger: „Die Aussteuer-, Teppich-, Gardinen- und Putzabteilung verlangten eine weitere Ausdehnung“. Die Konsequenz: 1908 entstand ein weiterer Neubau mit Hauptfront zur Sporerstraße.

Damit die Ausstattung dem allerneuesten Stand des damaligen Ladenbaus entsprach, reiste Kommerzienrat Eduard Breuninger zu allen Hauptplätzen der Vereinigten Staaten. Wieder zurück, berichtete er, „dass in Deutschland zwar nicht so hoch, aber schöner gebaut wird“.

Darüber hinaus teilte er mit, dass alle Fortschritte der Technik und alle Bequemlichkeiten in der Inneneinrichtung, wie z. B. Personen- und Warenaufzüge, Zentralheizung, Besuchstoiletten mit fließendem Wasser und 243 elektrischen Bogenlampen mit 2480 Glühbirnen, längst bei uns bekannt sind.

Anlässlich des 30. Firmenjubiläums – 1911 waren 610 Mitarbeiter beschäftigt – gab es zahlreiche Fortschritte: Neben der regulären Ware und den verschiedenen Maßateliers gab es jetzt eine eigene Kürschnerei, verschiedene Werkstätten wie Schlosserei und Schreinerei, einen Frachtversand mit täglich bis zu 1000 Sendungen und ein Lese- und Schreibzimmer mit 2000 Büchern und internationalen Zeitschriften.

Eduard Breuninger schrieb in der Festschrift: „Der nie rastende Fortschritt zwingt den strebsamen Geschäftsmann gebieterisch immer neue Wege zu suchen und zu gehen.

Es gibt kein längeres Ruhen, kein Stillstehen auf einer ersehnten und erreichten Höhe. Wer auf sich selbst baut, zu beobachten und zu lernen versteht, wer sich mit ruhiger Überlegung kein unmögliches Ziel steckt und dieses mit eiserner Energie verfolgt, wird es, wenn ihn kein besonderes Unglück trifft, fast ausnahmslos erreichen.

Wer sich aber auf andere verlässt, seine Kräfte überschätzt und zersplittert, nicht voll und ganz bei der Sache bleibt, oberflächlich, wankelmütig und bequem ist und den Genuss und äußeren Schein in den Vordergrund stellt, der wird leicht überflügelt werden.“

Gemäß diesem Credo ging Eduard Breuninger selbst täglich durch seine Häuser, prüfte mit genauem Blick, ob alles in seinem Sinne ausgerichtet ist und teilte seinen Mitarbeitern mit, dass sie im Umgang mit Kunden nicht das Recht haben, recht zu haben.

April 1931: Der Tag seiner Einweihung ist ein Höhepunkt in der Firmengeschichte: das „Herrenhaus“ (Hochhaus)

Ein weiterer Höhepunkt in der Firmengeschichte – man bedenke zu dieser Zeit war jeder fünfte erwerbsfähige Stuttgarter arbeitslos – war 1932 die Einweihung des sogenannten „Herrenhauses“.

Das Hochhaus, das nun bis zum Marktplatz reichte, hatte insgesamt neun Obergeschosse und eine Fläche von 14.140 m². Das Gebäude zeichnete sich durch eine moderne Stahlkonstruktion aus und war ober- und unterirdisch mit den bestehenden Geschäftshäusern verbunden.

Im Zweiten Weltkrieg, in dessen Folge 1944 alliierte Bomber bei 25 Luftangriffen die Stuttgarter Innenstadt in Schutt und Asche legten, wurden unter anderem auch die Breuninger-Geschäftshäuser völlig zerstört.

1947 übernahm der Enkel des Gründers Heinz Breuninger die Geschäfte. Wie sein Großvater ging auch er ökonomisch vor und baute immer dann, wenn das Geld vorhanden war. Das heißt Stück für Stück und Stockwerk für Stockwerk.

Inspirieren ließ er sich dabei von Kaufhäusern in New York, Detroit und Chicago. Sein Ziel: den Einwohnern von Stuttgart und Umgebung die größte und beste Einkaufsmöglichkeit Deutschlands zu bieten. 1949 eröffnete Heinz Breuninger sodann sein „Haus am Markt“.

Schlussendlich kann man sagen, dass sich der renommierte und traditionsreiche Stuttgarter Department Store über annähernd einem Jahrhundert baulich im Zentrum der Stadt Stuttgart entwickelt hat.

Die letzte größere bauliche Etappe fand Ende der achtziger Jahre statt. Die Stuttgarter Architektengesellschaft KBK bekam den Auftrag, eine neue sichtbare Mitte als Orientierungspunkt für das große Kaufhausgebäude zu kreieren. Bevor die Kuppel und die Überbauung der Karlspassage realisiert wurden, glich der Gebäudekomplex streng genommen eher einer unübersichtlichen Sammlung unterschiedlicher Bau- und Organisationsformen durch die obendrein eine öffentliche Verkehrsstraße durchging.

Und so zieht sich seit 1989 nun die aufgelassene Straße als elegante Ladenpassage durch den ergänzten Bau und kulminiert in einer sechsgeschossigen Kuppel, auf die die Ordnung der Verkaufsflächen ausgerichtet ist. Dieser Drehpunkt, von dem aus alle Geschosse erreichbar sind, hat sich zu einem lebendigen, kulturellen und kulinarischen Treffpunkt der Innenstadt entwickelt.

Breuninger Stuttgart: Fassade mit Iggy Pop