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Michel Comte für Breuninger. Los Angeles, 2017

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gespräche

french allure

Alyson Le Borges ist bestimmt. Sie ist Model und Schauspielerin. Die Enkelin des berühmten französischen Filmschauspielers Alain Delon ging schon immer ihren eigenen Weg. Für das Editorial dieser Ausgabe rückte Michel Comte die gebürtige Pariserin in ein ganz neues Licht. Klare Formen und Farben, hartes Schwarzweiß gepaart mit grellem Lichtwechsel. Und doch: Nichts lenkt am Ende von Alyson Le Borges so ausdrucksstarker Persönlichkeit ab.

Alyson, der Titel dieser Ausgabe ist „Herkunft“. Ihr familiärer Hintergrund ist legendär. Was bedeutet „Herkunft“ für Sie?

So habe ich ehrlich gesagt noch nie über den Begriff der Herkunft nachgedacht. Ich glaube, man wird in vorgegebene Situationen „hineingeboren“, die bestimmte Wurzeln und emotionale Bindungen haben, mit denen man selbst als Individuum aber nichts zu tun hat. Wenn du älter wirst, kommen plötzlich neue Perspektiven hinzu und eine ganz eigene Sichtweise entsteht. Erst dann ist es meiner Meinung nach auch möglich, sich selbst zu finden.

Und glauben Sie, dass unsere Herkunft und Wurzeln uns beeinflussen?

Ein Teil von mir glaubt ganz sicher an all die positiven und negativen Einflüsse, die unsere Wurzeln und Gene auf uns haben können. Eine Entschuldigung für das eigene Verhalten sollte das aber nicht sein. Am Ende des Tages ist ein jeder von uns dafür selbst verantwortlich, welche Wege er einschlägt.

In diesem Editorial sehen wir eine sehr starke Seite von Ihnen. Das Styling ist bewusst androgyn und auch Ayako Yoshida, die Stylistin der Strecke, erzählte im Gespräch, dass sie eine gewisse Strenge aufzeigen wollte.

Ich habe mit Ayako bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet und vertraue ihrem Instinkt. Und umso „maskuliner“ das Styling wurde, desto mehr konnte ich mich in bestimmte Rollen versetzen, die Michel von mir sehen wollte.

Wie kleiden Sie sich privat?

Ziemlich schlicht. Weniger ist mehr und ich muss zugeben, dass ich von meinen Converse noch nie weggekommen bin.

Michel Comte für Breuninger. Los Angeles, 2017

Wenn Du älter wirst, kommen neue Perspektiven hinzu.

Sie haben gerade schon Michel Comte erwähnt. Wie war die Arbeit mit ihm?

Man arbeitet immer im Moment. Da gibt es selten ein einziges Konzept, das bis zum Schluss komplett durchgezogen wird. Wenn ihm eine neue Idee in den Kopf kommt, die keiner zuvor erwartet hat, dann ändert sich eben das komplette Shooting. Eine solche Spontanität und Kreativität ist bewundernswert. Mit ihm ist es ein bisschen, als wenn man nach Indien reist. Du musst akzeptieren, dass Dinge nicht so verlaufen wie erwartet und dich der Situation adaptieren. Wenn man mitmacht, dann stellt man am Ende sehr schnell fest, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Man nimmt viel mehr mit, als wenn man auf dem gewohnten Weg bleibt.

Sie haben in James Turrells Himmelsraum „Above Horizon“ geshootet. Wie war das?

Ich war noch nie zuvor in einem von James Turrells Lichträumen. Es war ziemlich verrückt! Das künstliche Licht veränderte sich und damit auch unsere komplette Wahrnehmung. Du schaust also durch die Öffnung in der Decke und jedes Mal siehst du den Himmel in einer anderen Farbe.

Ist man sich bewusst, dass man gerade in einem bedeutenden Kunstwerk eine Fotostrecke aufnimmt?

Ja, auf jeden Fall. Historische Orte und Kunstwerke kreieren eine ganz eigene Stimmung und wenn man eine gewisse Sensibilität dafür hat, dann spürt man das auch während der Arbeit.

Michel erwähnte, dass er vor allem in diesem Raum fotografieren wollte, da er neben den phänomenalen Lichtverhältnissen sehr klar, geometrisch und reduziert ist. Er wollte den Fokus komplett auf Ihren Ausdruck und Ihre Person legen …

Ich glaube, dass ihm das auch wunderbar gelungen ist. Der Raum ist allerdings nichts für Menschen mit Klaustrophobie. Denn ab einem gewissen Zeitpunkt läuft man Gefahr, dass man in diesem kleinen Raum den Bezug zur Realität verliert. Zumindest ging es mir so.

Michel Comte für Breuninger. Los Angeles, 2017

Historische Orte und Kunstwerke kreieren eine ganz eigene Stimmung.