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Eindrücke der Jil Sander Präsens Ausstellung im Museum Angewandte Kunst, Frankfurt (c) Paul Warchol

Jil Sander Präsens, Museum Angewandte Kunst, Frankfurt (c) Paul Warchol

Jil Sander Flagship Store in London, 2002 (c) Paul Warchol

Jil Sander Präsens, Museum Angewandte Kunst, Frankfurt (c) Paul Warchol

insights

gegenwart

Sie schrieb und schreibt bis heute Designgeschichte: Mit ihren puristischen Entwürfen verändert Jil Sander die Mode maßgeblich. Auch wenn sie inzwischen nach über 40 Jahren aus dem gleichnamigen Label ausgestiegen ist, wird es allerhöchste Zeit ihre großen Werke entsprechend zu feiern.

Das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt widmete der deutschen Modemacherin fast sein gesamtes Haus: Auf rund 3000 Quadratmetern Fläche war die Exhibition „Jil Sander Präsens“ ein voller Erfolg. Mit uns hat Jil Sander über die Ausstellung und ihr somit neu erschaffenes Gesamtkunstwerk gesprochen.

Die Vorbereitungen Ihrer Ausstellung umfassten mehr als anderthalb Jahre Arbeit. Auf welches Ergebnis können sich die Besucher freuen?

Jil Sander: Es hat eine Weile gedauert, unser Archiv zu sichten und alle Foto- und Filmrechte einzuholen. Dafür haben wir eine Ausstellung realisiert, in der die Jil Sander-Geschichte multimedial dokumentiert wird. Neben der Lookbook- und Kampagnenfotografie gibt es einen Raum mit einem Zusammenschnitt der Jil Sander-Laufstegvideos, einen weiteren mit dreidimensionalen Modeentwürfen, an denen sich die Schnittkonstruktion studieren lässt, und eine Abteilung mit Jil Sander Beauty- und Pflegeprodukten.

Eine weitere Abteilung habe ich der Jil Sander Flagshipstore-Architektur gewidmet, die zuerst an der Pariser Avenue Montaigne No. 50 verwirklicht wurde. Dann haben wir der Zusammenarbeit und dem Einfluss zeitgenössischer Künstler Platz eingeräumt, und zum Abschluss zeigen wir einen Film, der meine Gartengestaltung porträtiert. Die ganze Schau wird von Frédéric Sanchez, dem Tonkünstler meiner Runway-Schauen, mit einer Sound-Installation bespielt.

Es ist Ihre weltweit erste Einzelausstellung in einem Museum. Inwiefern reflektieren Sie damit Ihre mehr als 40-jährige Erfolgsgeschichte als Modeschöpferin?

Es sollte weniger ein Rückblick werden als eine alle Bereiche umfassende Vorstellung der im Laufe meiner Arbeit entfalteten Ästhetik, die schon etwas Zeitloses hat. Gerade bei den Runway-Videos und der Kampagnenfotografie wird hoffentlich deutlich, dass es mir nicht um Trends und saisonale Mode ging, sondern um eine Auseinandersetzung mit der modernen Welt und ihren ganz neuen Bedingungen und Herausforderungen.

Jil Sander Kampagne Herbst/ Winter 2004, Lily Donaldson by David Sims
Jil Sander Kampagne Herbst/ Winter 2013, Edie Campbell by David Sims
Jil Sander Kampagne Frühjahr/ Sommer 1996 by Craig McDean
Jil Sander Kampagne Frühjahr/ Sommer 1996, Guinevere van Seenus by Craig McDean
Jil Sander Kampagne Frühjahr/ Sommer 2005 by David Sims
Jil Sander Kosmetik Kampagne Männer, 1999 by Raymond Meier

Inwieweit hat sich Ihre Designsprache über die Jahre verändert? Was würden Sie sagen, war die größte Entwicklung bzw. Ihre größte Herausforderung?

Es gibt bestimmte Ideale, die ich nie aufgegeben habe: Den weitgehenden Verzicht auf Über-Dekoration, eine dreidimensionale Dynamik, harmonische Proportionen und vor allem innovative Stoffe, die eine skulpturale Gestaltung des Kleidungsstücks möglich machen.

Ich bin regelmäßig weltweit zu Stoff-Herstellern und -messen gereist, um die jüngsten Entwicklungen, auch im Hightech-Bereich, zu beobachten, denn mit neuen Stoffen lassen sich auch neue Formen entwerfen. Das jeweilige Design entspricht dem Zeitgeist, dem Wandel des Lebensgefühls. Ein Beispiel sind die schmalen Schultern und Silhouetten, mit denen ich in den Neunzigern mit der Herrenmode begonnen habe, weil sie einer sich verändernden Männlichkeit entgegenkamen.

Von Saison zu Saison wandeln sich Details, Proportionen und Materialien, aber meine Designsprache hat sich kaum verändert.

Wie sieht Ihre Zukunftsplanung aus? Sind eventuell weitere Projekte in Planung?

Ich prüfe viele Möglichkeiten, aber es ist zu früh, darüber zu sprechen.

Jil Sander by Peter Lindbergh, 1991

Kurzbiografie Jil Sander

Weniger ist mehr, hat uns die Schleswig-Holsteinerin, die mit bürgerlichen Namen Heidemarie Jiline Sander heißt, früh gelehrt. Als sie nach ihrem Textilingenieurs-Studium, 1965 als Moderedakteurin beginnt für verschiedene Frauenzeitschriften zu arbeiten, entspricht das, was sie sieht nicht ihren modischen Vorstellungen.

So beginnt sie selbst Mode zu entwerfen und präsentiert ihre von dezenter Farbigkeit und formaler Strenge geprägten Entwürfe 1973 im eigenen Hamburger Prêt-à-porter-Geschäft.

1979 widmet sich die Designerin der Parfumgestaltung und entwickelt ihre eigenen Duft- und Pflegeprodukte. So entstehen echte Klassiker: bis heute betört der zehn Jahre später lancierte Duft Jil Sander Sun.

Seit den 1980er Jahren präsentiert Jil Sander ihre Kollektionen zweimal im Jahr auf der Mailänder Modewoche. Von der Bauhaus-Philosophie und der neuen Sachlichkeit inspiriert, eröffnen ihre Kreationen, Frauen die Möglichkeit, sich vorm Dekorativen zu befreien. Opulenz findet bei ihr in den Schnitten und Materialien statt.

Mit neuer Formsprache prägt sie den Begriff Purismus auch für Männermode ab 1997. „Wer JIL SANDER trägt“, so sagt sie einmal selbst, „ist nicht modisch, sondern modern“.

Nachdem Jil Sander ihre Marke an das italienische Unternehmen Prada verkauft, entwirft sie für die japanische Bekleidungskette Uniqlo die +J-Kollektion. Unter anderem stößt sie die federleichte Daunenverarbeitung als Trend an.

2012 kehrt Jil Sander noch einmal als Kreativdirektorin für zwei Jahre zu ihrer Gründungsmarke zurück bis sie schließlich aus privaten Gründen aus dem Unternehmen austritt.

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