Der Blick auf die Lagune der Wayag Island vom Gipfel des Mount Pindito © Christopher Hill
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eine faszinierende kreuzfahrt durchs raja ampat archipel

Roter Himmel bei Nacht, Seemann Freude gemacht. Wenn dieses uralte Sprichwort wahr ist – und das ist es –, dann gibt uns der erste Sonnenuntergang einen atemberaubenden Vorgeschmack auf unsere fünftägige Reise.

Als die Hafenstadt Sorong in Westpapua im sich verdunkelnden Horizont verblasst, bietet uns der Himmel ein strahlendes Schauspiel von Scharlach bis Orange, das wir mit Sektgläsern in der Hand vom Bug des Bootes aus bewundern.

Wir steuern leicht nordwestlich in Richtung Raja Ampat Archipel – auf einem glühenden Meer, das schon bald von einer mondlosen äquatorialen Nacht verschlungen werden wird.

Wofo Island: die Rascal vor Anker © Christopher Hill

Die 31 Meter lange Charteryacht aus Teakholz, auf der wir segeln, ist die Rascal – die jüngste Erweiterung der Flotte von High-End-Liveaboards in Ost-Indonesien und traditionellen Phinisi-Schonern nachempfunden. Ja, ich sage „segeln“ – wenngleich die in Süd-Sulawesi von Hand gebaute Rascal keine Masten und Bugspriete hat, von Segeln ganz zu schweigen.

Stattdessen befindet sich auf dem Hauptdeck ein zweistöckiger Aufbau mit fünf Passagierkabinen, sodass – im Gegensatz zu den meisten Phinisi-Kreuzern – keiner der Gäste unter Deck schlafen muss.

Der romantische Anblick einer Takelage ist also Fehlanzeige – doch zur „Entschädigung“ gibt es helle und hohe Kabinen, von denen aus man die vorbeiziehende Landschaft genießen kann.

Und was für eine Landschaft! Am nächsten Tag wache ich im Morgengrauen auf, als die Ankerkette klirrt und wir an einer Bucht an der Westseite von Waigeo, der nördlichsten der vier Hauptinseln von Raja Ampat, anlegen (der Name bedeutet „Vier Könige“).

Insgesamt umfasst das Archipel rund 1.500 Inseln und Korallenriffe, die sich vor der Halbinsel Bird’s Head am nordwestliche Ende von Neuguinea auf 40.000 Quadratkilometern im Ozean verteilen.

Raja Ampat ist Teil der indonesischen Provinz Westpapua und liegt im Herzen des sogenannten Korallen-Dreiecks, dem artenreichsten Meereslebensraum der Erde. Korallen, Mollusken und unzählige Fischarten machen das Dreieck zum Mekka für Taucher. Doch auch über Wasser gibt es so Einiges zu bewundern – von den karstigen Buchten von Wayag (dazu später mehr) bis zu den üppig bewaldeten Hügeln, die uns jetzt umgeben.

Vor dem Frühstück klettern die vier Mitreisenden – allesamt Freunde aus Singapur – und ich ins Beiboot der Rascal, um Selpele, das einzige Dorf in der Gegend, zu erkunden. Selpele ist kaum mehr als eine Reihe von Holzhütten am Strand mit einer blauen Kirche mit Wellblechdach im Zentrum – wie überall in Westpapua, so leben auch in Selpele überwiegend Christen.

Während Samsul, eines unserer Crewmitglieder, am Pier mit Fischern plaudert, bahnen wir uns den sandigen Weg durchs Dorf und halten vor der örtlichen Grundschule, wo wir für ein Gruppenfoto mit zwei Dutzend rot-weiß uniformierten Schülerinnen und Schülern posieren. Hinter uns erhebt sich der Dschungel. Die Wälder Waigeos sind Heimat außergewöhnlicher Tiere, darunter der gefleckte Baumwaran und der Waigeo Kuskus.

Darüber hinaus finden sich hier zahlreiche Vogelarten, die bereits 1860 den britischen Naturforscher Alfred Russel während seiner achtjährigen Expedition an die Südküste Waigeos im damaligen Niederländisch-Indien gelockt hatten.

Wallace, der unabhängig von Charles Darwin ebenfalls die Theorie der natürlichen Auslese entwickelt hatte, lebte drei Monate auf der Insel und entdeckte insgesamt 73 Vogelarten, von denen einige unbekannt und – wie im Fall der roten Paradiesvögel – extrem selten waren.

Eine der fünf Kabinen der Rascal, die sich allesamt auf dem Haupt- und Oberdeck befinden
Wofo Island: die Rascal vor Anker © Christopher Hill

Neben unseren Ausflügen an Land genießen wir auch die Zeit auf der Rascal. Zwar ist das Deck nicht besonders groß, aber dennoch finden sich reichlich Plätze zum Entspannen – mit Cocktail oder Buch in der Hand, finden wir uns oft auf dem Daybed am Bug oder im Essbereich am Heck wieder.

Einige nutzen auch das Sonnendeck vor der Brücke – und will man allein sein, zieht man sich in seine Kabine zurück. Jede von ihnen ist unterschiedlich ausgerichtet, aber alle eint das, was Bootsbesitzer „Hamptons meets tropical luxe“ nennen, ein Mix aus weißem Interieur, großen Betten, Regenduschen in den Badezimmern und sorgfältig drapierten Stammesartefakten (die Masterkabine auf dem Oberdeck hat Fenster zu drei Seiten und eine eigene Terrasse). Fernseher gibt es auch, doch die schaltet niemand ein.

Geht’s ums Essen, ist Koch Doni ein wahrer Held. Kochen ist eine kulinarische und logistische Meisterleistung, schließlich kann man unterwegs nirgends einkaufen.

Mittag- und Abendessen genießt man gemeinsam am langen Teakholztisch auf dem Achterdeck. Es gibt gegrillten Schwertfisch mit gewürfelten Mangos und Tomaten, Spaghetti mit Olivenöl, Kapern und gerösteten Tomaten sowie indonesische Spezialitäten wie Satay und Rendang.

Donis aufmerksame Crewmitglieder – zehn an der Zahl, darunter Kapitän Sarbi aus Sulawesi und der britische Kreuzfahrtdirektor Gary „Gaz“ Phillips – bilden ein perfektes Team. Am zweiten Tag bereits weiß die junge Javanerin Evi, die bereits im renommierten Nihi Sumba Island Resort gearbeitet hat, wie ich meinen Kaffee trinke.

Und da unsere Tour mit der Rascal die erste in Raja Ampat ist, ist es für die meisten Crewmitglieder ebenfalls das erste Mal, dass sie die Inseln sehen. Irgendwann sagt Roy, ein 20-jähriger Matrose aus Sumbawa: „Ich kann nicht glauben, dass das hier mein Land ist!“

Genau genommen sagt er es am dritten Tag, als Kapitän Sarbi sich durch Wayag Island zwängt. Wenn man „Raja Ampat“ googelt, sind es die Bilder eben dieser surrealen Meereslandschaft, die als erste erscheinen.

Einige von uns folgen Roy auf den Kalksteingipfel des Mount Pindito. Etwa 200 Meter geht es beinahe senkrecht bergauf – uns wird schwindelig und wir sind erschöpft, aber nicht zu erschöpft, um den Blick auf das Labyrinth flacher, blauer Kanäle und bewaldeter Inseln zu genießen. Abgesehen von einem zweimastigen Phinisi-Kreuzer, der in einer angrenzenden Bucht ankert, scheinen wir Wayag für uns allein zu haben.

Einige von uns machen sich auf zu einem Tauchgang mit Gaz, einem erfahrenen Tauchlehrer, der seit Jahren den Osten Indonesiens erforscht; andere gehen zum Kajakfahren oder Schnorcheln. Ich entscheide mich für Letzteres und tauche ein in einen kaleidoskopischen Korallengarten voller Clown- und Papageifische, Seeanemonen und weiterer Meeresbewohner. Ein Schwarm winziger Silberfische legt sich dabei um mich wie eine Wolke.

Mit dem Kajak in den Mangroven der Insel Yanggefo, 45 Kilometer südwestlich von Selpele © Christopher Hill

Bei unserem nächsten Stopp auf der Insel Wofo, etwa zehn Kilometer südlich von Selpele, erleben wir eine Überraschung: anstatt an Bord zu essen, bringt man uns zu einem kleinen Strand, den die Crew mit Skulpturen und Laternen dekoriert hat. An einer kerzenbeleuchteten Tafel verwöhnt uns Doni mit Garnelen, Hühnerspießen und zartem Rindfleisch – sowie ein, zwei oder auch drei Flaschen Wein.

Zurück an Bord der Rascal, legen wir uns auf Matten und Sitzsäcke und genießen den Blick in den Sternenhimmel. Der rote Himmel bei Nacht ist eine Sache – aber am Äquator unter dem silbrigen Firmament zu liegen, während das Boot sich sanft in den Wellen einer menschenleeren Bucht wiegt… nun, das müssen Sie selbst einmal erleben.

Wie kommt man dortin?

Von Jakarta aus fliegt man rund vier Stunden zum kürzlich erweiterten Flughafen Domine Eduard Osok in Sorong (das Tor zu den Raja Ampat Inseln). Tickets gibt es bei den Fluggesellschaften Batik Air und Garuda Indonesia.

Kreuzfahrt-Notizen

Die Rascal ist nur privat zu chartern. Preislich geht’s los bei 9.500 USD mit Vollpension. Die Segelgebiete sind jahreszeitbedingt – von Oktober bis April in Raja Ampat, den Rest des Jahres im Komodo Nationalpark. Maßgeschneiderte Routen sind ebenfalls möglich.

Dieser Artikel erschien im April/Mai 2018 ursprünglich in der Druckausgabe des Magazins „DestinAsian“ unter dem Titel „Papuan Passage“, geschrieben von Christopher P. Hill