Lakritze Lachs by Roland Trettl © Helge Kirchberger
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männer, die mit sternen kochen

Er spielte Eishockey, legte Schmachtfetzen in der Disco auf und jobbte eine Zeitlang als Bademeister. Als er mit 16 Jahren eine Ausbildung zum Koch im Bozener Parkhotel Holzner absolvierte, wurde es Roland Trettl schlagartig klar:

Seine Leidenschaft gehört dem Kochen. Wie es weiterging? „Am Ende meiner Lehrzeit, schickte ich eine Bewerbung in Form eines Holzbretts an Eckart Witzigmann und wurde erstaunlicherweise engagiert.

Da er nicht mehr täglich gegen Gesetze und Gäste kämpfen muss, kocht der Südtiroler Roland Trettl derzeit so gerne wie nie zuvor.

Das war der Beginn von etwas Großem: Unter Aufsicht von Deutschlands Jahrhundertkoch stieg ich in die Spitzengastronomie ein und wurde rasch die rechte Hand von ihm“, erzählt der sympathische Südtiroler. Nach Stationen im „Aubergine“ und „Tantris“, wurde der damals 25-Jährige zum Küchenchef im Restaurant „Ca’s Puers“ auf Mallorca ernannt. Drei Jahre später wurde das Ausnahmetalent vom Guide Michelin mit einem Stern ausgezeichnet.

2003 – wieder unter dem Patronat von Eckart Witzigmann – übernahm Roland Trettl als Executive Chef das Restaurant „Ikarus“ im Hangar-7 am Salzburger Flughafen. Kurze Zeit später ging das Gastkochkonzept an Start, eines der ambitioniertesten Projekte der internationalen Haute Cuisine. Zehn Jahre lang spürte Roland Trettl die besten Köche aller Kontinente auf, lernte ihre spezielle Küche kennen und lud sie für jeweils vier Wochen ein. Gekocht wird allerdings – und so ist es aktuell immer noch – nicht vom eingeladenen Starkoch selbst, sondern von der Mannschaft des „Ikarus“.

Inzwischen steht Roland Trettl nicht mehr täglich in der Küche. Der 46-jährige Spitzenkoch, der mit seiner Frau Daniela und seinem Sohn Diego in Bad Reichenhall wohnt, hat neue Wege eingeschlagen: Er schreibt zahlreiche (Koch)Bücher, designt Küchen und ist regelmäßig als Juror oder Coach im Fernsehen zu sehen. Seit diesem Jahr hat er sogar eine eigene Show, die Single-Show „First Dates“, bei der sich Singles bei einem gemeinsamen Essen besser kennenlernen sollen.

Spielte in Ihrer Familie Essen schon immer eine große Rolle?
Nein, wir ernähren uns ausschließlich von Luft und Liebe! (lacht)

Wer ist/war Ihr berufliches Vorbild?

Im Leben begegnen wir zahlreichen Menschen, die uns aus den unterschiedlichsten Gründen imponieren. Für mich gehört Leonardo da Vinci z.B. dazu. Er wurde immer wieder für verrückt erklärt und trotzdem gilt er heute als einer der berühmtesten Universalgelehrten aller Zeiten.

Ein anderes Beispiel ist Roger Federer. Auch er ist für mich ein Vorbild, denn er ist trotz seines immensen sportlichen Erfolges völlig normal und auf dem Boden geblieben.

Ein Vorbild für jeden, sollte der 35-jährige Australier Nick Vujicic sein. Er wurde ohne Arme und Beine geboren und strahlt dennoch unglaublich viel Lebensmut und Lebensfreude aus. Er lebt und arbeitet inzwischen in Kalifornien als Redner und Motivationstrainer und führt ein erfolgreiches Leben mit seiner Familie. An ihm können sich viele Menschen ein Beispiel nehmen.

Was ist für Sie wichtiger beim Kochen, das Kreative, die Kunst oder mehr das Handwerk?
Das Allerwichtigste beim Kochen ist, die Basis zu kennen und zu verstehen. Wenn du die Basis bzw. die Tradition des Gerichtes nicht kennst, dann bringt es auch nichts, kreativ zu sein. Anders formuliert: „Der Baum kann nur wachsen, wenn die Wurzeln stark genug sind.“ Genauso ist es auch beim Kochen.

Was ist Ihr persönliches Seelenessen?
Abgesehen vom Essen, kommt es bei mir auch auf den Zeitpunkt und die Location, sprich den Ort an, an dem ich verweile. Wenn ich beispielsweise in Spanien bin, ist mein Seelenessen ein anderes, als in Österreich im Schnee.

Auch macht mich nachts um drei Uhr ein anderes Seelenessen glücklicher, als beim Mittagessen. Sie sehen schon, das ist ganz verschieden und somit schwierig zu beantworten.

Ihre letzte aktuelle gastronomische Herausforderung?
Die erlebe ich momentan täglich und zwar bei den Dreharbeiten der Datingshow „First Dates“. In der Sendung geht es darum, dass Paare sich in angenehmer Atmosphäre bei einem gemeinsamen Essen kennenlernen sollen – und danach vielleicht ein zweites Date ohne Kameras möchten.

Alain Passard, einer ihrer Kollegen, sagte vor kurzem: „Es gibt viele junge französische, deutsche, italienische Köche, die wie Maler, Bildhauer oder Musiker arbeiten. Ich nenne das die Schule der fünf Sinne“. Welches Ihrer Sinnenorgane ist für Sie das Wichtigste?
Hier wäre es einfacher, wenn Sie mich fragen würden, auf was ich beim Kochen am ehesten verzichten könnte. Das wäre zweifellos mein Gehör. Das wichtigste Sinnesorgan beim Kochen ist für mich die Nase. Denn den Geruch kann ich beim Kochen nicht ausblenden – alles andere irgendwie schon.

Welche internationale Küche übernimmt gerade die Führungsrolle?

Das ist schwer zu sagen, daher möchte ich mich aktuell noch zu keinem Trend äußern. Als Koch muss man vorsichtig sein, denn sobald man einen Trend äußert, werden die Medien und Journalisten darüber berichten. Ich kann Ihre Frage daher erst beantworten, wenn ich mir ganz sicher bin.

Der Sommer und die Urlaubssaison stehen vor der Tür. Wählen Sie Ihr Urlaubsziel nach der Landesküche aus. Welches Land ist Ihr Favorit?
Hier muss man genauso neugierig sein, wie in der Kulinarik. Das Motto lautet: Mutig sein und ausprobieren.

Bei welchem Gericht kommen Sie kulinarisch zu Hause an?
Bei Spaghetti Bolognese.

Wie lautet Ihr Erfolgsrezept fürs Leben?
Glücklich sein und glücklich bleiben.

Komposition aus dreimal Ei © Helge Kirchberger
© Helge Kirchberger
Symphonie der Genüsse, kreiert von Starkoch Roland Trettl © Helge Kirchberger
© Helge Kirchberger
Fine Dining by Roland Trettl © Helge Kirchberger