In der Abenteuer-Verfilmung „Dora und die Goldene Stadt” ist Eva Longoria das erste Mal nach ihrer Schwangerschaftspause wieder auf der Kinoleinwand zu sehen (Start 10.10.2019), Foto: Zhu Ying/Imaginechina/dpa

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Wie klein und zierlich sie ist – kaum über 1,50 Meter – sieht man erst live, als sie sich zur Begrüßung aus ihrem Sessel erhebt. Aber sonst ist Eva Longoria genauso, wie man sie aus dem TV-Serienhit „Desperate Housewives“ kennt, mit strahlenden dunklen Augen, einem breiten Lachen, einer umwerfend sexy Figur und überschäumendem Temperament.

Die 44-jährige Schauspielerin ist seit 2005 als L´Oréal Paris-Botschafterin in Sachen Schönheit unterwegs und setzt sich mit ihrer eigenen Stiftung seit Jahren für eine bessere Ausbildung und Berufsförderung von Latinos ein.

Auch ihr eigenes Leben ist in den letzten Jahren noch mal richtig in Bewegung geraten, seitdem Eva Longoria mit dem Manager José Bastón verheiratet ist und im Juni 2018 zum ersten Mal Mutter wurde.

Eva, für uns wirken Stars auf dem roten Teppich immer makellos schön. Sie sehen live noch umwerfender aus. Wie viel Zeit muss man sich nehmen, um so zu strahlen wie Sie?

Eva Longoria: Ziemlich lang. Heute hat das Schminken eine Stunde gedauert. Ich kann kaum so lange ruhig sitzen, dazu bin ich zu ungeduldig.

Sie wurden mit 43 zum ersten Mal Mutter. Fühlen Sie sich jetzt noch stärker und schöner in Ihrem Körper?

Nach der Geburt eines Babys traut man sich alles zu. Man denkt sich: „Ich kann alles erreichen! Ich habe sogar Leben erschaffen!“ Neun Monate lang trägt man neues Leben in sich, der Körper durchläuft große Veränderungen. Man muss lernen, mit Schmerzen umzugehen. Dann die Zeit des Stillens, man schläft kaum noch, aber trotzdem schafft man irgendwie alles. Es ist unglaublich.

Lernt man dadurch, dem Körper zu vertrauen?

Absolut, wobei ich schon immer auf mein Inneres gehört habe. Der eigene Körper gibt vor, was schön ist. Während meiner Schwangerschaft habe ich ihm viel durchgehen lassen, ich war so dankbar, dass er mir dieses Kind schenkte. Im Gegenzug versprach ich, dass er sich so lange erholen kann, wie er möchte. Sechs Monate nach der Geburt gab mein Körper mir zu verstehen, dass es Zeit wird, wieder in Form zu kommen.

Perfektion ist mir ziemlich egal. Viel wichtiger ist, mir selbst treu zu bleiben.

Eva Longoria mit Sohn Santiago am Strand von Cannes

Hat sich Ihre Haltung zu Ihrem Körper über die Jahre verändert?

Definitiv! Es war harte Arbeit, wieder in Form zu kommen. Neben der Ernährung stand auch ganz viel Fitness auf dem Programm! Ich hasse es, manchmal zu trainieren! Niemand soll denken, dass so etwas von ganz allein kommt oder keine Mühe macht – im Gegenteil! Das Wichtigste aber ist, sich im eigenen Körper wohlzufühlen. Das ist auch für den Geist wichtig. Es geht darum, eine positive Beziehung zu uns selbst zu entwickeln, uns selbst wertzuschätzen, unsere Fehler zu akzeptieren und zu uns zu stehen.

Kann man sich Schönheit erarbeiten, gar erkaufen oder ist es einfach ein Geschenk Gottes?

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, doch sie ist nicht nur ein äußerer Wert. Schönheit ist Arbeit, viel Arbeit sogar, vor allem von innen. Wenn man mit seinem Leben, mit der Liebe und dem Beruf glücklich ist, macht es sich als Schönheit bemerkbar. Ich habe das Glück, in all diesen Bereichen Erfüllung zu erleben.

Dann besteht die Aussicht, dass Sie sogar noch schöner werden?

Hoffentlich! Ich finde, dass viele Frauen mit wachsendem Alter immer schöner werden. Das liegt daran, dass ihre Beziehungen immer erfüllter werden oder dass sie Mutterschaft erleben. Alter ist für mich nichts Negatives. Alter bedeutet nicht sofort „Falten“, sondern die Möglichkeit, weise zu werden.

Sicherlich haben Sie eine eigene Make-up Artistin, die Sie begleitet?

Ja, Elan Bongiorno. Sie arbeitet seit 15 Jahren für mich und könnte mich sogar im Dunkeln perfekt schminken, so genau kennt sie mich. Ich meine nicht nur mein Gesicht, sondern auch meine Persönlichkeit. Ich vertraue ihr völlig und habe mir viel bei ihr abgeschaut. Wenn sie mal ausfällt, kriege ich mein Make-up mittlerweile fast so gut hin wie sie. Ich bin also mein eigener Plan B.

Ist Ihnen Perfektion wichtig?

Ganz ehrlich? Perfektion ist mir ziemlich egal. Viel wichtiger ist, mir selbst treu zu bleiben.

Es heißt ja: Schöne Frauen hätten es im Leben leichter. Man will aber nicht nur schön sein, sondern ernst genommen werden.

Sie haben sich längst auch als Produzentin und Regisseurin profiliert. Haben Sie eine Mission?

An meinen ersten Regie-Einsatz erinnere ich mich noch gut: Ich hatte Angst und Zweifel, ob ich gut genug bin. Ich glaube, viele Frauen kennen das Gefühl. Wir wollen immer auf Nummer sicher gehen und lieber noch mehr Erfahrung sammeln. Aber irgendwann muss man sich trauen, ins kalte Wasser zu springen. Ich führe seit zwölf Jahren Regie und liebe es. So habe ich es auch in der Hand, Menschen unterschiedlicher Kulturen und Hautfarben zu unterstützen. Es gibt so viele Talente, sie müssen nur gefördert werden. Für meine ABC-Serie „Grand Hotel“ wollte ich unbedingt eine Kamerafrau finden. Aber die meisten Kameraleute heißen Bob, Tom und Harry. Ich fand dann Alison Kelly, eine großartige Kamerafrau. Auch die zwei Posten für die Regie-Assistenz habe ich mit Frauen besetzt. Am Ende bestand die Mehrheit der Crew aus Frauen.

Sind gut miteinander befreundet: Von links: Eva Longoria, Julianne Moore und Salma Hayek Pinault. © David M Benett/ Dave Benett, Getty Images

In Hollywood ist das Thema Schönheit unumgänglich. Hat die im Oktober 2017 begonnene #MeToo-Bewegung daran etwas verändert?

Ein großer Sieg von #MeToo- und #TimesUp ist, dass Frauen mehr miteinander sprechen, offener sind und sich besser vernetzen. Wenn ich etwas wissen will, rufe ich jetzt direkt bei Reese Witherspoon oder Natalie Portman an. Das macht uns Frauen nicht nur stärker, sondern auch unabhängiger. Die Männer in der Branche kriegen Angst, dass sie langsam die Kontrolle verlieren, wenn Frauen sich gegenseitig so unterstützen. Es heißt ja: Schöne Frauen hätten es im Leben leichter. Man will aber nicht nur schön sein, sondern ernst genommen werden.

Wie setzen Sie Entscheidungen durch?

Ich bin beharrlich. Und arbeite doppelt so hart wie andere. Wenn junge Frauen mir sagen, dass sie so berühmt werden wollen wie ich, sage ich ihnen, dass sie nach einem Heilmittel für Krebs forschen oder Astronautin werden sollen. Dann haben sie etwas erreicht und werden sicher auch berühmt. Berühmtheit allein sollte kein Ziel sein, sondern nur das Nebenprodukt davon, etwas richtig gut zu können.

Ihr Sohn Santiago ist inzwischen schon 18 Monate alt. Hat sich durch die Mutterschaft Ihre Weltsicht verändert?

Ja schon, weil ich mir viel größere Sorgen um die Zukunft mache. Ich habe das Gefühl, die ganze Welt retten zu müssen, damit mein Sohn in Frieden aufwächst. Ich habe Angst vor einem Dominoeffekt aus der rechten Ecke. Intoleranz wird in Amerika immer mehr geduldet, ob gegen Religionen, Kulturen und sexuelle Orientierung. Ich habe mich schon früher politisch engagiert, aber jetzt hat meine Aufmerksamkeit für politische Probleme eine neue Dimension bekommen.