Die Schauspielerei ist nur eine ihrer großen Leidenschaften: Penélope Cruz und ihr Mann Javier Bardem haben auch ein grünes Herz und engagieren sich für den Schutz der Meere, ©Independent Photo Agency Srl/Alamy/mauritius images
gespräche

ein gespräch über schönheit

Sie ist eine der schönsten, faszinierendsten und facettenreichsten Frauen der Filmwelt: Penélope Cruz.

Neben ihren anspruchsvollen Rollen wie zuletzt in Pedro Almodóvars „Leid und Herrlichkeit“ widmet sich die Oscarpreisträgerin auch immer wieder den unterschiedlichsten Design- und Modeprojekten – zuletzt hat sie zum ersten Mal Schmuck entworfen. Die dafür verwendeten Diamanten, Rubine und Saphire wurden alle im Labor hergestellt und mit 18-karätigem Fair-Trade-Gold kombiniert.

Penélope, wer war Ihr Vorbild in Sachen Weiblichkeit und Schönheit?

Penélope Cruz: Meine Mutter und meine beiden Großmütter. Meine Mutter besaß einen Friseursalon, da habe ich als Kind täglich Stunden verbracht.

Wurden Sie in Sachen „Bitte waschen und legen“ selbst zur Granate?

Ja – ich kann Lockenwickler eindrehen, Haare schneiden, föhnen – aber nur bei anderen, nicht bei mir selbst. Es war so interessant, ihre Kundinnen über Jahre zu erleben. Ich wusste alles über sie. Sie saßen dort und redeten über ihre Männer, ihre Probleme, ihr Leben. Wir waren nicht nur ihr Friseursalon, sondern ihr Therapie-Salon.

Welche Wirkung hatte es auf Sie, dass in Ihrer Umgebung die Schönheit besonders ernst genommen wurde?

Es ging um mehr als nur Schönheit: Diese Frauen verrieten ihre Geheimnisse und sehnten sich nach Veränderung, die natürlich weiter ging als die Frisur. Wenn sie gingen, waren sie immer etwas glücklicher als in dem Moment, als sie den Salon betraten. Die Frisur war nur eine Metapher für innere Veränderung.

Es ist lächerlich, die Vielfalt der Welt reduzieren und in Schubladen oder Begriffe packen zu wollen. Ich suche die Schönheit in der Vielfalt.

Die Schönheitsideale ändern sich ganz langsam, endlich werden Kurven auch bei Models zur Selbstverständlichkeit…

Ich mag Kurven an Frauen und finde es schlimm, wenn Mädels für ihre Figur kritisiert werden! Es ist
doch egal, ob man eine oder zwei Größen mehr hat als die Frau rechts. Es gibt keinen Maßstab für Schönheit. Daher: Jede „Kritik“, die versucht, Frauen niederzumachen oder ihnen ein Minderwertigkeitsgefühl zu geben, hat keine Beachtung verdient.

Nerven Sie gängige Schönheitsdeale also?

Sehr. Genauso wie die Frage, was ich übers Älterwerden denke. Das werde ich schon gefragt, seit ich 22 Jahre alt bin!

Welches Kompliment würde Sie erfreuen?

Meine Mutter hat mir mal gesagt, dass ich ein sehr fairer Mensch sei. Wenn die eigene Mutter so etwas sagt, kann man doch darauf stolz sein, oder?

Hat sexy zu sein für Sie einen Bezug zu Alter oder Körpermaßen?

Gar nicht! Ich bin ein sehr visueller Mensch und fotografiere sehr gerne. Für die französische „Vogue“ habe ich vor ein paar Jahren Jacqueline Bisset und Lauren Hutton fotografiert, als ich eine gesamte Ausgabe frei gestalten durfte. Ich war sprachlos, als ich die beiden traf: Sie sind beide über 60, wunderschön und offen für alles. Wir hatten denselben Blick aufs Leben. Es ist lächerlich, die Vielfalt der Welt reduzieren und in Schubladen
oder Begriffe packen zu wollen. Warum muss man alles nach Farben, Formen, Größen und Gruppen
einordnen?

Das hört sich ja fast nach einem leidenschaftlichen Lebensmotto an.

Das ist auch mein Credo.

©Joe Martinez / PictureLux / United Archives / mauritius images

Wie definieren Sie Schönheit?

Ein junges Mädchen in zerrissenen Jeans und barfuß ist für mich genauso schön wie im atemberaubenden Designerkleid. Ich habe mit meiner Schwester Mónica ja schon häufiger Kollektionen für unterschiedliche Marken entworfen, von Mango bis Loewe. Wir gaben uns Mühe, verschiedene Stile und Körperformen zu bedienen und nicht nur Mode für Zwanzigjährige mit Superbodys zu entwerfen. Ich suche die Schönheit in der Vielfalt.

Was halten Sie von der Haute Couture?

Ich habe großen Respekt vor der Arbeit, die dahintersteckt. Durch meinen Beruf habe ich engen Kontakt zu vielen Designern, wie beispielsweise zu Oscar de la Renta, der ein großer Gentleman war und immer etwas Besonderes für mich bleiben wird. Durch sie habe ich einen Eindruck von der harten Arbeit und vom Talent bekommen, die diese Branche ausmachen. Bei der Arbeit und auf dem roten Teppich habe ich das große Glück, die Traumkreationen tragen zu dürfen. Das genieße ich – welche Frau würde das nicht? Aber privat nimmt Mode bei mir keinen großen Stellenwert ein.

Gibt es für Sie einen Widerspruch zwischen Luxus und Ethik?

Unsere Welt kann nicht mehr funktionieren, wenn die Rechnung auf Kosten der Umwelt, anderer Menschen, anderer Länder, Regionen und Rohstoffe geht. Gerade Luxusmarken haben die Pflicht, verantwortungsbewusst zu handeln und auf unseren Planeten Rücksicht zu nehmen.

Sie haben die Möglichkeit, Diskussionen zu eröffnen, ein Licht auf den „bewussten Luxus“ zu werfen und Produkte zu kreieren, die eine positive Wirkung haben. Viele Luxus- und auch Schmucklabels gehen bereits diesen Weg.

Welchen Luxus gönnen Sie sich heute, wofür haben Sie eine Schwäche?

Es ist mir wirklich wichtig, dass das, was ich tue, was ich trage und was meine Familie und ich konsumieren, keine negativen Auswirkungen auf den Planeten hat. Bei allem, was wir tun, müssen wir die Auswirkungen auf unsere Umwelt berücksichtigen.

Was haben Sie sich einst von Ihrem ersten eigenen Gehalt als Schauspielerin geleistet?

Als ich eine junge Anfängerin war, da muss ich 16, 17 Jahre alt gewesen sein, hat mich meine liebe Agentin ganz sanft und freundlich darauf hingewiesen, dass meine Garderobe definitiv zu wünschen übrig ließ! Also ging ich mit ihr shoppen.

Damals wollte ich das Geld, das meine Eltern sich so hart erarbeiteten, nicht für Mode ausgeben, nur damit ich in eleganten Outfits zu Castings gehen kann. Also habe ich damals mit meinem eigenen Geld meinen Kleiderschrank aufgerüstet.

Was haben Sie damals erstanden?

Da es mir wichtig war, elegant und seriös auszusehen, kaufte ich klassische Anzüge und Blusen. Es war ein ganz neues Gefühl, diese Sachen zu tragen, ich hatte so etwas Schönes, Wertiges bis dahin überhaupt nie besessen.

Sitzt das Geld heute, wo Sie nicht mehr drauf schauen müssen, bei Ihnen lockerer? Gibt es auch mal frivole Fehlkäufe?

Ich habe gelernt, Geld wertzuschätzen, und das kam sicher durch die harte Arbeit meiner Eltern. Sie brachten mir bei, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen, und zeigten mir, was es bedeutet, Dinge wertzuschätzen und nichts als selbstverständlich zu betrachten. Dieses Gefühl trage ich immer noch in mir.

Was war Ihr größter Traum damals?

In die Karibik zu reisen. Schon als Kind habe ich immer geträumt, dass ein großes Schiff mich abholen
und in die Karibik bringen würde.

Das Schönste, was sich für mich verändert hat? Mutter zu sein, ist wundervoll.

Irgendwann haben Sie sich diesen Traum sicherlich erfüllt, oder?

Ja, einige Jahre später. Und die Landschaft war genauso atemberaubend schön, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Ich muss ungefähr 21 Jahre alt gewesen sein, als ich nach Jamaika flog. Es war großartig! Ich habe mich dort unglaublich wohlgefühlt. Die Verbindung war fast magisch, ich bin seitdem überzeugt, dass es etwas mit einem früheren Leben zu tun gehabt haben muss. (lacht)

Welche Leidenschaften haben Sie neben Ihrem Beruf?

Ich koche sehr gerne! Außerdem interessiere ich mich sehr für das Thema Ernährung und Gesundheit. Ich kaufe sehr gern auf dem Bio-Markt ein und lese viel über Ernährung.

Ihr Mann Javier Bardem hat zusammen mit Regisseur Álvaro Longoria „Sanctuary“, eine Dokumentation über eine Antarktis-Expedition veröffentlicht, die er mit Greenpeace unternahm. Wie wichtig ist Ihnen Umweltschutz?

Mindestens genauso sehr! Ich kaufe ausschließlich Bio-Lebensmittel und versuche, so viel Plastik wie möglich zu vermeiden. Ich achte auch darauf, saisonal und lokal einzukaufen – es wird sicher nichts aus Neuseeland in meinem Einkaufskorb landen! Ich denke, Nachhaltigkeit sollte erst mal im eigenen Zuhause und am Arbeitsplatz anfangen.

Jeder findet die Möglichkeit, Kleinigkeiten zu verändern. Außerdem habe ich die Netflix Naturdokumentation„Our Planet“, eine Dokumentation über unseren Planeten, vertont. In diesen acht Episoden habe ich so viel darüber gelernt, wie schnell das Ökosystem sich erholen kann, wenn wir es nicht weiter zerstören. Wenn wir schnell handeln, gibt es noch Hoffnung.

Man möchte daran glauben, gerade wenn man Kinder hat. Ihre Kinder Luna und Leo sollen das Wunder der Unterwasserwelt auch noch erleben können.

Es ist wichtig, alle Generationen – nicht nur die jungen Menschen – zu ermutigen, für unseren schönen Planeten zu kämpfen. Schwarzmalerei hilft uns gerade auch nicht weiter. Aber jeder kann versuchen, Plastik zu vermeiden. Das wäre schon mal ein guter Anfang.

Was ist das Schönste, was sich für Sie verändert hat, seit Sie Mutter sind?

Ich finde es im wahrsten Sinne des Wortes „wundervoll“, Mutter zu sein. Das Leben dreht sich nicht mehr um einen selbst, sondern um das Kind. Es ist sehr gesund, wenn man nicht mehr ständig über sich selbst nachdenkt. Das Ego wird automatisch kleiner. Kinder sind großartige Lehrer. Ich habe jedenfalls viel gelernt und bin für jede Lektion dankbar, die meine Kinder mir geben.