Sightseeing im All: In seinem neuesten Buch „Reiseziel Sternenhimmel“ zeigt Pröschold, wo Sternengucker in Deutschland und Europa die besten Aussichten haben – zum
Beispiel diesen Blick von Kreta auf die Milchstraße. © Bernd Pröschold
insights

wie Sand auf schwarzem hintergrund

Zu Weihnachten kommen wir zur Ruhe und verlieren uns in unseren Träumen – Träumen, das geht am besten, wenn man stundenlang hinauf zu den Sternen schaut. Bernd Pröschold lebt von diesen Blicken in den Himmel. Er ist Sternefotograf.

Aus seiner Perspektive schafft es das Model nicht, nicht stillzustehen. Rund 15 Grad pro Stunde bewegt es sich. Wenn er seine Teleskopkamera nicht nachführt, ist es schnell verschwunden – bei hohen Vergrößerungen innerhalb von zwei Minuten. Und wegen der langen Belichtungszeit: unscharf.

Bernd Pröschold kennt seine Motive. Sie heißen unter anderem: der Mond, die Sterne, das Weltall. Seit mehr als einem Jahrzehnt reist der 42-jährige Astrofotograf um die Welt, um sie in Einzelbildern oder Zeitraffer-Aufnahmen festzuhalten: Grün wabernde Polarlichter sieht er im Himmel von Norwegens Norden, die aufgehende Milchstraße in Südamerika oder die drei Millionen Lichtjahre entfernte Dreiecks-Galaxie in der Wüste Namib.

Seine Arbeit hat es jüngst ins Kino geschafft – „Sternenjäger“ heißt die Dokumentation (Taglicht Media mit ZDF/ARTE), die das Schaffen renommierter Weltallfotografen porträtiert.

Ganze Nächte sitzt er an seiner Montierung, wie er sein Equipment nennt. Um ihn herum: Dunkelheit, Stille, etwas Wind. Ein Tier in der Ferne.

Manchmal surrt der Motor seiner Kamera, um dem Motiv zu folgen, damit es scharf bleibt. Der Auslöser klackt. „Meine Arbeit ist meditativ, besinnlich und hat etwas Philosophisches“, sagt er. Der Blick in die Unendlichkeit erdet ihn. „Ich fühle mich privilegiert, stundenlang in den Sternenhimmel schauen zu dürfen.“ Denn so kann er nachdenken: über das Leben, das Universum, die Winzigkeit des Menschen.

1/6

Die Dokumentation Sternenjäger – Abenteuer Nachthimmel lädt zu einer einzigartigen Reise in die Nacht ein © Universum Film

Das Matterhorn im Mondlicht © Bernd Pröschold

Milchstraße über den Alma Teleskopen auf über 5000 Metern Höhe (mit Babak Tafreshi) © Babak Tafreshi

Die Sterne und der aufgehende Mond leuchten über dem Berg Sølen in Mittelnorwegen, eingefangen vom Sternefotograf Bernd Pröschold © Bernd Pröschold

Meteorit über dem Fermundsee: Der Film Sternenjäger begleitet fünf der besten Astrofotografen der Welt © Bernd Pröschold

Aurora borealis: Szene aus dem Film „Sternenjäger – Abenteuer Nachthimmel“ © Universum Film

Und natürlich die Kunst. Seine Kunstwerke. Die Voraussetzungen für ein gutes Astrofoto: freier Blick ins All, hohe Meereshöhe, geringe Lichtverschmutzung.

Hinzu kommt seine Expertise: „Punktförmige Sterne sind ein Qualitätsmerkmal.“ Möglichst winzig aufgenommene Himmelskörper, die er klar einfängt. Je kleiner er sie hält, desto mehr werden sichtbar, desto eindrucksvoller wirkt das spätere Bild. „Dann sieht es aus wie Sand auf schwarzem Hintergrund.“

Die Dunkelheit macht seine Mannequins sichtbar attraktiv. Eine seiner schönsten Fotografien: Ein Meteor schwirrt über den norwegischen Femundsee, sein Leuchten spiegelt sich doppelt im Wasser.

Eine andere Schönheit aus seinen Zeitraffer-Arbeiten: Der aufgehende Mond, der den norwegischen Berg Sølen langsam in Licht taucht – und dabei einen gigantischen, wandernden Halbkreis in die Szenerie zeichnet.

Auch in dieser Weihnachtszeit wird Pröschold in den Himmel blicken. In der Nacht vom 16. auf 17. Dezember möchte er einen Kometen einfangen. Einen, der dann zu Besuch in unserem Sonnensystem ist.

Einen, der sich genau dann nahe des Sternenhaufens der Plejaden (auch genannt: die Sieben Schwestern) tummelt. Einen Himmelsreisenden, der ein spektakulär besinnliches Motiv verspricht. Vor allem in der Weihnachtszeit.

Weitere Infos zu Bernd Pröschold

Schon seit seiner Kindheit ist der 1976 geborene Bernd Pröschold begeistert von der Astronomie. Seine astrofotografische Laufbahn begann im Jahre 1 des zweiten Millennium, als Nordlichter den Himmel Süddeutschlands zum Leuchten brachten. Das Himmelsphänomen gab Bernd die Chance, seine beiden Leidenschaften, die Landschaftsfotografie und die Astronomie, zu einem Beruf zu machen.

Seitdem vereint er weitwinklige Landschaftsfotografie mit Astroaufnahmen in einer atemberaubenden, für ihn charakteristischen Zeitraffertechnik. Seine Arbeiten wurden von zahlreichen Fernsehsendern gezeigt, seit Jahren bereist er die Welt auf der Suche nach abgelegenen Gegenden mit geringer Lichtverschmutzung.

Es sind dabei die unvorhersehbaren Naturschauspiele, die den präzisen Planer am meisten faszinieren.

1/6

Im Flutlicht der Großstädte verblasst der Glanz der Sterne. Wer mehr sehen will, muss reisen wie die fünf Sternenjäger der Dokumentation © Universum Film

Nordlichter über dem winterlichen Kanada im Yellowknife Nationalpark © Yuichi Takasaka

Die Dokumentation erzählt auch von den Mythen und Legenden, die sich um die Sterne und Himmelsphänomene ranken © Universum Film

Immer auf der Jagd nach besonderen Phänomenen am Nachthimmel: Sterne-Fotografen © Universum Film

Fotograf Gernot Meiser erklärt indonesischen Schulkindern die Sonnenfinsternis © Sebastian Kentner

Spektakuläre Szenen am Nachthimmel, zu sehen im Film „Sternenjäger – Abenteuer Nachthimmel“ © Universum Film

„Sternenjäger – Abenteuer Nachthimmel“ ist eine außergewöhnliche Dokumentation über fünf Astrofotografen, fünf Erdteile und den sternenübersäten Nachthimmel, die technisch sehr aufwendig produziert wurde.

Und zwar von Taglicht Media in Koproduktion mit ZDF/ARTE, gefördert von Creative Europe MEDIA. Ab sofort ist die Dokumentation auch als Blu-ray und DVD © Universum Film erhältlich.

Mit modernster 4K Kameratechnik und hochspezialisiertem Zeitraffer-Equipment reisten fünf Kamerateams über 120.000 Kilometer, um zusammen mit international renommierten Sternenfotografen unvergessliche Bilder einzufangen. So gibt es atemberaubende Zeitrafferaufnahmen, die aus mehr als 50.000 Einzelbildern zusammengesetzt sind.

In faszinierenden Landschaften fernab menschlicher Besiedlung in Australien, Chile, Indonesien, Norwegen und Kanada finden die fünf Protagonisten (John Goldsmith, Yuichi Takasaka, Babak Tafreshi, Bernd Pröschold, Gernot Meiser und seine Partnerin Pascale Demy) perfekte Standorte für einzigartige Fotos und Zeitrafferaufnahmen:

die Milchstraße über zerklüfteten Felsformationen, eine totale Sonnenfinsternis, Polarlichter und Meteoritenschauer, magische Bilder eines sternenübersäten Himmels, der die Menschen seit Jahrtausenden in ihren Bann zieht und uns alle verbindet.

Der Film erzählt aber auch von den Mythen und Legenden, die sich um die Sterne und Himmelsphänomene ranken. Ob die Inuit in Kanada, die Aborigines in Australien oder die Ureinwohner Chiles – alle suchten im Nachthimmel nach Erklärungen für die menschliche Existenz und bis heute zeigt uns der Blick in den Himmel, wie klein und unbedeutend unser Planet gegenüber dem Universum erscheint.

Mit ihren Aufnahmen wollen die Astrofotografen uns dazu ermutigen, wieder aufzuschauen zu den Gestirnen – und uns über den unschätzbaren Wert unseres Planeten und unseres Lebens bewusst zu werden. Dafür nehmen sie einige Strapazen auf sich, reisen in die entlegensten, dunkelsten Gegenden der Welt und verbringen Nächte einsam in der Wildnis oder bei eisiger Kälte im Schnee.