fashion

street-to-measure

Zwischen Straße und Maßanzug: In der Menswear entpuppen sich traditionelle Kategorien als zunehmend obsolet. Das hat nicht nur Einfluss auf den Look der Kollektionen, sondern vor allem auf Ihre modischen Entfaltungsmöglichkeiten.

„Es ist offiziell“ verkündete das Online-Magazin Highsnobiety, „Streetwear und Luxusmode sind dasselbe“, irgendwann im Anschluss an eine der wohl aufsehenerregendsten Mode-Kooperationen der jüngsten Vergangenheit: Louis Vuitton x Supreme. Eine 165 Jahre alte französische Traditionsmarke macht gemeinsame Sache mit einem knapp 25 Jahre jungen Skate-Label aus Amerika? Ja, das geht!

Die Kooperation und der Hype, der darum entstanden ist, sind ein gutes Beispiel dafür wie bestehende Grenzen der Kleidermode vom vermeintlich ‚angezogeneren‘ Runway und dem, was wir hinlänglich als ‚Streetwear‘ bezeichnen, miteinander verschmelzen und mitunter bis zur Unkenntlichkeit verschwimmen. Das stilistische Leitmotiv, das sich förmlich aufdrängt: Streetwear is the only-way-to-go!

Das demonstrieren tonangebende Laufsteg-Kollektionen von etablierten Modehäusern wie unter anderem Dior Homme, Dries van Noten oder Emporio Armani, die bis dato als regelrechte Synonyme für messerscharfes Tailoring und perfekt sitzende Anzüge in Erscheinung getreten sind.

Giorgio Armani Spring Summer 2019 © Gorunway.com
Dries van Noten Spring Summer 2019 © Gorunway.com
Dior Spring Summer 2019 © Gorunway.com
Dries van Noten Spring Summer 2019 © Gorunway.com
Dior Spring Summer 2019 © Gorunway.com
Dries van Noten Spring Summer 2019 © Gorunway.com
Dior Spring Summer 2019 © Gorunway.com
A Cold Wall Spring Summer 2019 © Gorunway.com
A Cold Wall Spring Summer 2019 © Gorunway.com
A Cold Wall Spring Summer 2019 © Gorunway.com
Giorgio Armani Spring Summer 2019 © Gorunway.com

Die Designer dahinter kokettieren wie selbstverständlich mit ‚Straßen‘-Elementen wie Patches, sportiven Nylon-Qualitäten und lässigen Oversize-Silhouetten, experimentieren mit unerwarteten Layerings, neuartigen Oberflächen, kräftigen Farben und Subkultur-Referenzen, die den formellen, konfektionierten Look erfrischend dynamisch aufbrechen – das birgt enormes Potenzial zur Entfaltung der individuellen Stilklaviatur, der jetzt von streng bis unbefangen vielseitig wie nie daherkommen darf.

Das Resultat: Eine Koexistenz der beiden vermeintlich konträren Stilwelten Streetwear und Made-to-measure, die zeitgemäßer kaum sein könnte.

Mode, die sich wie Streetwear anfühlt, aber in Wahrheit nichts als bravuröse Schneiderkunst ist.

Dabei befruchten sich die Sparten high und low durchaus gegenseitig. Denn genau so sehr wie sich der versierte Anzugliebhaber nach Veränderungen sehnt, genau so wenig gibt sich der Streetwear-Aficionado länger mit einem banalen Logo-Print auf einem T-Shirt zufrieden.

Heron Preston, eines der relevantesten Labels der jungen Generation beispielweise, kommt zur aktuellen Saison mit schmaleren Layerings, die sich konfektioniert und erwachsen präsentieren.

Die Newcomer von A cold wall etablieren indes Mode, die sich wie Streetwear anfühlt, aber in Wahrheit nichts als bravuröse Schneiderkunst ist, während Off White den demokratischsten aller Stoffe, Denim, einem kultivierten und im wahrsten Wortsinn schnittigen Update unterzieht, das dem Mann von heute hervorragend steht –  und zwar in allen Lebenslagen.

Warum die Streetwear ausgerechnet jetzt solch hohe Wellen schlägt, lässt sich nur vermuten. Vielleicht, weil ‚Mann‘ erkannt hat, dass Authentizität in puncto Look und Tragekomfort der einzige Weg ist, der sich nicht nur richtig, sondern besser anfühlt.