Johnny Talbot (li.) und Adrian Runhof sind seit fast 30 Jahren befreundet. ©Talbot Runhof
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Wenn sie etwas erzählen, knüpft oft der eine nahtlos an den Satz des anderen an. Ähnlich funktioniert auch die Arbeitsweise des Münchner Designduos Talbot Runhof. Als sich der Mainzer Adrian Runhof und der studierte Elektroingenieur Johnny Talbot aus Nashville, 1991 in München kennenlernten, war Mode von Anfang an ein Thema zwischen ihnen. Grund: Ihre Eltern waren bereits in der Modebranche tätig, als Produzent und Einzelhändler bzw. als Kostümbildnerin für Dolly Parton.

Zahlreiche Gespräche später, taten sie sich zusammen, um ihren Traum zu verwirklichen: Mode für Frauen zu kreieren, die elegant, glamourös und zugleich zurückhaltend ist. Aus ihrer gemeinsamen Leidenschaft ist ein international erfolgreiches Label entstanden, das für raffinierte Schnitte, Maßanfertigungen, traumhafte Hochzeitskleider und Red Carpet-Roben bekannt ist.

Backstage-Impressionen von der Herbst/Winter-Show 2017/18 ©Talbot Runhof

Vor 17 Jahren gründeten Sie die Marke Talbot Runhof und präsentierten die erste Kollektion. Wie lautet Ihr Rezept für eine erfolgreiche Partnerschaft?

Adrian Runhof: Sich immer bewusst sein, dass man den anderen ohnehin nicht ändern kann.

Wie haben Sie sich beide kennengelernt und was haben Sie nach Ihrem ersten Treffen über den anderen gedacht?

Johnny Talbot: Das war 1991 an einem Sonntag morgens um vier Uhr, als es in München noch eine Sperrstunde gab und das gleißende Putzlicht anging.

Adrian Runhof: Ich dachte: Endlich mal keiner aus der Mode.

Johnny Talbot: Mein erster Gedanke war: Endlich mal einer aus der Mode.

Wie sind die Rollen im Daily Business unter ihnen aufgeteilt?

Adrian Runhof: Grundsätzlich machen bei uns alle alles. Doch selbstverständlich hat auch jeder von uns seine Stärken: Johnny erfindet zum Beispiel unsere ungewöhnlichen und zum Teil auch recht komplizierten Schnitte. Er hat sogar ein Computerprogramm entwickelt, das uns hilft, aus den Ideen Kleider zu machen. Und so programmiert Johnny tagtäglich unsere Datenbank.

Johnny Talbot: Adrian wiederum fügt alles zu Outfits zusammen und denkt die Strategie vor.

Adrian Runhof: Wir genießen beide das ständige Alternieren zwischen Intuition, Inspiration und knallharter Mathematik.

Rufen Sie sich auch mitten in der Nacht an, weil Sie eine tolle Idee hatten?

Johnny Talbot: Früher ja, heute nicht mehr. Mittlerweile schlafen wir nachts.

Gibt es etwas, das typisch Adrian oder typisch Johnny ist?

Adrian Runhof: Johnny findet „less is more“.

Johnny Talbot: Adrian findet „more is more“.

Was kann der jeweils andere besser?

Adrian Runhof: Johnny definitiv besser kochen.

Johnny Talbot: Und Adrian ist definitiv besser im Interviews geben.

Gibt es Konkurrenz zwischen Ihnen?

Johnny Talbot: Nein, wir finden uns gegenseitig absolute spitze.

Über was sind Sie sich ab und an uneins?

Adrian Runhof: In beruflichen Fragen über absolut gar nichts. In unseren Meinungen über Mitmenschen weichen wir oft voneinander ab.

Kritisieren Sie sich gegenseitig?

Johnny Talbot: Na klar, Kritik üben wie annehmen ist wichtig. Das Schöne ist, wir gehen beide sehr souverän damit um und fassen das immer als konstruktiv auf.

Welches Sprichwort passt besser zu ihnen: „Zwei wie Pech und Schwefel“ oder „Zwei Seelen ein Gedanke“? Oder ein anderes Motto?

Johnny Talbot: „Pat & Patachon“ (das dänische Komikerduo der Stummfilmzeit) passt eigentlich am besten.

Freundschaft bedeutet: Den anderen so zu nehmen, wie er ist, und darin ein großes Glück empfinden zu können.

Max Frisch will in einem seiner berühmten Fragebögen wissen, was man in einer Freundschaft unerlässlich findet: 1.) Wohlgefallen am andern Gesicht, 2.) Verwandtschaft in der Scham, 3.) Dass man für den andern hoffen kann, 4.) Treffpunkte in der Begeisterung. Was ist Ihnen an Freundschaften wichtig?

Adrian Runhof, Johnny Talbot: Den anderen so zu nehmen, wie er ist, und darin ein großes Glück empfinden zu können.

Halten Sie sich selbst für einen guten Freund?

Beide unisono: Das tun wir beide. Wir können vor allem zuhören.

Wie viel Ehrlichkeit gehört zu einer Freundschaft? Und wie viel davon verträgt sie?

Adrian Runhof: Oma Tilly sagt immer: „Alles abstreiten…“

Fahren Sie auch gemeinsam in den Urlaub?

Johnny Talbot: Oft – hinterher sagen wir dann immer: „Das war das letzte Mal…“

Was wünschen Sie sich gegenseitig für die Zukunft?

Beide unisono: Das alles so bleibt, wie es ist.