Iris von Arnim und ihr Sohn Valentin im Gespräch über Freundschaft © Benne Ochs
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vertrauen und mut

Mutter und Sohn waren die beiden schon immer. Seit 2006 sind sie nun auch Businesspartner: Iris und Valentin von Arnim. Gemeinsam inszenieren sie mit viel Leidenschaft und Sinn für Tradition und Handwerk traumhafte Cashmere-Kollektionen. Valentin von Arnim, der zuvor als Banker in New York arbeitete, ist für das operative Geschäft des 40-jährigen Familienunternehmens zuständig, Iris von Arnim hat die kreativen Fäden in der Hand. Sie entwickelt – unabhängig von kurzweiligen Trends – jede Saison neue Techniken, Strukturen und Kreationen. Wir sprachen mit den beiden über Freundschaft und Familiebande.

Outfit aus der neuen Resort-Kollektion 2018

Outfit aus der neuen Resort-Kollektion 2018

Vor elf Jahren stieg Ihr Sohn in Ihr Unternehmen ein. Wie lautet Ihr Rezept für eine erfolgreiche Partnerschaft?

Iris von Arnim: Neugierde auf das Wissen und die Fähigkeiten des anderen. Auch Vertrauen und Mut gehören dazu. Ich bin neugierig auf die neuen Blickwinkel, die frischen Aspekte und Ideen, die Valentin Tag für Tag in die Firma einbringt. Doch es gehört auch viel Vertrauen dazu, die Dinge anders zu machen, als ich es selber tun würde. Und Mut, diese neuen Wege gemeinsam zu gehen.

Wie sind Ihre Rollen im Daily Business aufgeteilt?

Valentin von Arnim: Auf den ersten Blick ganz klar: Iris ist die Kreativchefin – ich kümmere mich um alle anderen Bereiche und als Ex-Banker natürlich um die Zahlen.

Iris von Arnim: Doch da ich als Gründerin auch sehr an den Zahlen hänge, diskutieren wir viele Themen gemeinsam. Valentin ist wiederum Kunstgeschichtler und hat eine sehr visuelle, kreative Seite. Das macht die Grenze etwas fließender.

Rufen Sie sich auch mitten in der Nacht an, weil Sie eine tolle Idee haben?

Valentin von Arnim: Die Nächte sind tabu. Wir reden schon so viel zu viel über die Firma. Jedes private Gespräch dreht sich spätestens nach 90 Sekunden ums Business – deswegen müssen wir nicht auch noch nachts telefonieren.

Bezeichnen Sie sich als beste Freunde oder eher als Mutter und Sohn-Dreamteam?

Valentin von Arnim: Eindeutig Mutter und Sohn.

Gibt es etwas, das typisch Iris oder typisch Valentin ist?

Valentin von Arnim: Ich brauche ein gutes Mittagessen. Sonst wird es spätestens ab 14.00 Uhr schwierig mit mir. Typisch Iris ist für mich: Iris „barfuß im Wind“ – selbst am Strand im Februar. Und sie hat eine unfassbare Willenskraft. Das ist schon ansteckend.

Iris von Arnim: Und mich erlebt man meistens mit Block und Bleistift in der Hand – eine Tradition, die ich liebe.

Was kann der jeweils andere besser?

Iris von Arnim: Valentin kann gut reden. Er hat kein Lampenfieber und ist „front row“ erfahren.

Valentin von Arnim: Designen. Und Sie hat ein besseres Gefühl für Farben.

Gibt es ab und an etwas Konkurrenz zwischen Ihnen?

Iris von Arnim: Ich freue mich immer über Valentin, wenn er eine bessere Idee hat, denn ich habe meinen Erfolg ja schon gehabt. Erfahrung versus Wagemut und Tatendrang.

Über was sind Sie sich ab und an uneins?

Valentin von Arnim: Die Prioritäten. Was sind die grundlegend wichtigsten Dinge für die Zukunft? Was ist wichtig, was ist eilig?

Kritisieren Sie sich auch gegenseitig?

Valentin von Arnim: Ja, das ist einfach unvermeidbar. Und auch wichtig!

Welches Sprichwort passt zu ihnen: „Zwei wie Pech und Schwefel“, „Zwei Seelen ein Gedanke“ oder eher ein anderes Motto?

Iris von Arnim: Falls überhaupt ein Motto zutrifft, dann „Was sich liebt, das neckt sich …“

Max Frisch will in einem seiner berühmten Fragebögen wissen, was man in einer Freundschaft unerlässlich findet. Sind es: a) Wohlgefallen am andern Gesicht, b) Verwandtschaft in der Scham, c) dass man für den andern hoffen kann, d) Treffpunkte in der Begeisterung. Was ist Ihnen an Freundschaften wichtig?

Valentin von Arnim: Verständnis, Einfühlungsvermögen, ernsthaftes Gönnen, Gedankenvielfalt.

Iris von Arnim: Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit in einem – Besonderheit und Einzigartigkeit.

Es gehört viel Vertrauen dazu, die Dinge anders zu machen, als ich es selber tun würde.

Halten Sie sich selbst für einen guten Freund? Und wenn ja, warum?

Valentin von Arnim: Ja, aber nicht einfach. Ich bin anspruchsvoll und viel unterwegs – das ist eine Herausforderung.

Iris von Arnim: Gute Freunde machen einen reich. Gemeinsam lachen, gemeinsam Dinge machen und erleben – ohne, dass etwas dabei rauskommt. In die Tiefe gehen und sich trauen, ehrlich miteinander zu sein. Ich bin kritisch mit meinen Freunden, manchmal streng. Umgekehrt genauso. Wertvolle Freundschaften halten das aus.

Wie viel Ehrlichkeit gehört zu einer Freundschaft? Und wie viel davon verträgt sie?

Iris von Arnim: Durch konstruktive Auseinandersetzung wird eine Freundschaft tiefer – es muss nicht immer harmonisch sein. Wir sind beide

Menschen mit engen Freunden an unserer Seite, die uns gefühlt ein Leben lang begleiten. Diese Freundschaften vertragen einiges an Ehrlichkeit.

Fahren Sie auch gemeinsam in den Urlaub?

Iris von Arnim: Wir verbringen manchmal gemeinsame Wochenenden in unserem Pied-à-terre auf Sylt. Und Weihnachten geht es traditionell in die alte Heimat – dort kommt die ganze Familie auf Gut Brandenstein zusammen.

Was wünschen Sie sich gegenseitig für die Zukunft?

Valentin von Arnim: Ich wünsche Iris, dass sie zur Ruhe kommt und sich weniger Sorgen macht.

Iris von Arnim: Zufriedenheit und das Gefühl, dass alles richtig für ihn ist.