fashion

von der straße für die straße

Die Luxus-Menswear durchläuft derzeit einen der größten Wandel seit Jahrzehnten. Uneindeutige Silhouetten und modische Referenzen aus unserer Jugend kennzeichnen dieses neue Genre, das von der Straße für die Straße gemacht ist, findet Autorin Vanessa Pecherski.

Wann die Liaison der Streetwear und High Fashion in der Mode genau begann, ist nicht zu sagen. Vielleicht, als die Streetstyle-Fotografen anfingen, ihre Kameras nach den Shows zu zücken, um das beste Style-Motiv zu ergattern. Vielleicht, als die Sportmode sich allmählich in unserer Alltagsgarderobe breitgemacht hat…

Oder vielleicht in jenem Moment, als die neue Design- Riege rund um Demna Gvasalia (Vetements) und Virgil Abloh (Off-White) das Modeparkett betreten und die Modeindustrie von heute umgewälzt haben.

Egal, was der Auslöser war. Fest steht: Es ist schon eine Weile her, dass ein Trend unsere Wahrnehmung von Kleidern, von Kategorien und Formen so aufgerüttelt hat wie dieser. Warum? Weil es ihm gelungen ist, „Klamotten” von der Straße in den Elfenbeinturm der High Fashion zu erheben und damit gängige Grenzen, Regeln und Codes der Menswear kurzerhand aufzulösen.

Louis Vuitton H/W 18/19 © gorunway.com
GmbH H/W 18/19 © gorunway.com
Off-White H/W 18/19 © gorunway.com
GmbH H/W 18/19 © gorunway.com
Vetements H/W 18/19 © gorunway.com
Prada H/W 18/19 © gorunway.com
Prada H/W 18/19 © gorunway.com
Off-White H/W 18/19 © gorunway.com
GmbH H/W 18/19 © gorunway.com

Die Rede ist von Kleidung, die tief in der Skate- und Hip-Hop-Kultur verwurzelt ist. Von Daunenjacken, Hoodies, Denim und Logos, deren Ästhetik sich den Weg aus dem unscheinbaren Untergrund geradewegs auf die Laufstege und Kleiderstangen der Luxuskaufhäuser ebnet – begehrlich, magnetisch und so populär wie nie!

Gewiss, die Wiederbelebung von Trends ist der Mode alles andere als fremd. Es handelt sich hierbei allerdings um weitaus mehr als ein lapidares Streetwear-Comeback. Auch die herkömmlichen Begriffe „urban” oder „casual” fungieren eher als ästhetischer Referenzpunkt denn als Kategorie: Uneindeutige Formen, DIY-Momente, das Spiel mit Volumina und gewagte Layerings tragen dem dynamischen Zeitgeist Rechnung, indem sie ihre Träger erden – oftmals übergroß, überlang und überdimensioniert. Daraus entsteht derzeit ein neues Genre, das raffiniert mit den Insignien diverser Straßenkulturen spielt.

Natürlich ist diese „grounded fashion“ nicht binnen einer oder zwei Saisons entstanden; ihr ist eine kontinuierliche Auflösung formeller Kleidercodes vorangegangen. Zwischen den Stil-Säulen Flexibilität und Komfort bedient sie sich an beharrlichen Athleisure-Einflüssen und Normcore-Vibes, die Alltagskompatibilität und Pragmatik propagieren. Was also ist anders, was ist neu?

Kampagnenlook aus der Herbst-/ Winterkollektion 2018/19 von Y-3

Es ist die Kraft des Vergangenen, mit der die „post streetwear“, wie Off-White-Designer Virgil Abloh sie definiert, spielt. Sie katapultiert ihre Träger zurück in die eigene Jugend. In eine Zeit, in der man am eigenen Leib spüren konnte, welche distinktive Kraft Markenkleidung hatte und seine Identität mit den damit verbundenen Codes zu formen versuchte.

Brands wie GmbH, Gosha Rubchinskiy, Hood By Air, aber auch etablierte Luxusmarken wie Louis Vuitton, Prada und Marni kokettieren mit dieser Sehnsucht und verschreiben sich mit ihren Kollektionen der Street-Ästhetik der Neunziger bis Nullerjahre – der letzten Dekade relevanter Jugendkulturen.

Textil manifestieren sich diese nostalgisch-visionären Gegenentwürfe zur Herbst-/ Wintersaison 18/19 ausgereifter als noch in den letzten Saisons. Unter anderem in dekonstruiertem Denim mit Unikat-Charakter, in Logo-Hoodies (Off-White), weiten Pufferjackets (Stone Island) und farbigen XXL-Accessoires (Y-3).

Aber auch nach wie vor in Sport- und Workwear-Elementen, die mit raffinierten Oberflächen und Details diese Saison an Wertigkeit und modischem Drive gewinnen. Über all dem: ein wieder aufgekeimter Markenkult – es darf also ruhig wieder geprotzt werden!

Es ist verblüffend einfach: Wir entdecken etwas Vertrautes und Nahbares, das uns in einem anderen Kontext plötzlich gänzlich neu und dadurch begehrenswert erscheint. Warum sonst etwa würden wir bereit sein, Preise von bis zu 1.000 Euro für einen trivialen Skate-Pullover auszugeben?

In jener Begehrlichkeit liegt ein großer, wenngleich entscheidender Unterschied der Streetwear von gestern zu heute. „Wir versuchen nicht, die Grenzen der Mode zu sprengen. Wir machen einfach Kleidung, die die Leute haben wollen”, kommentiert Demna Gvasalia die Vetements-Philosophie, die eine große Rolle in dem Phänomen Streetwear 2.0 spielt.

Gestatten: Streetwear 2.0 ist gekommen, um zu bleiben.

OFF-WHITE

Sweatshirt Bernini

430 €

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STONE ISLAND

Daunenweste

699,99 €

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Y-3

Schal

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HERON PRESTON

Sweatpants

259,99

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MARCELO BURLON

T-Shirt

260 €

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Daunenjacke

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OFF-WHITE

Rucksack

475 €

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VETEMENTS

Socken

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KENZO

Sweatshirt

209,99 €

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VETEMENTS

Inside-Out-Shorts

540 €

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HERON PRESTON

Hoodie

399,99 €

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OFF-WHITE

Hightop Sneaker

560 €

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Y-3

Hoodie

180 €

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STONE ISLAND

T-Shirt

159,99 €

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DAILY PAPER

Langarmshirt

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Y-3

Sandalen Adilette

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HERON PRESTON

Hoodie

399,90 €

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STONE ISLAND

Pullover

279,99 €

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Etwas Haben-Wollen und es dann zu etwas ganz Eigenem, anderem machen. So lässig und ungezwungen der Look dahinter scheinen mag – das ist doch das Prinzip von Fashion in seinem reinsten Ursprung!

Für die wegweisende SS17-Show von Vetements schickte der Designer während der Couturewochen ein Potpourri aus rund 18 Marken, darunter Brioni und Comme des Garçons, aber auch Streetwear-Brands wie Schott NYC, Levi’s und Carhartt, gemeinsam über den Laufsteg und verhalf damit nicht nur angestaubten Brands zu neuem Ruhm, sondern stellte bravourös unter Beweis, dass Luxus auch „Straße“ kann – und „Straße“ muss, wenn er in der Gunst um den heutigen Konsumenten bestehen will.

Die Show – eines der eindrucksvollsten Beispiele für die gelungene Verquickung, die auf der Straße beginnt und an ebenjenem Ort endet. Dort, wo gelebt wird, was Mode in der Jetztzeit ist: die Koexistenz von Stilen, die erst durch die Geisteshaltung des Individuums lebendig werden. Mode ist und bleibt Medium. Offenbar benötigt sie in dem uns umgebenden Chaos eine gehörige Portion Bodenhaftung. Diese sollte man bekanntlich niemals verlieren.