„Amalie und Cecilie Moosgaard“ by Michel Comte, Berlin, 2017

gespräche

mehr als beste freunde (part 2)

Sie können den Satz des anderen beenden, verstehen sich auch nur mit Blicken und arbeiten oft zusammen: Amalie und Cecilie Moosgaard. Die Zwillinge feierten 2015 ihr Laufsteg-Debüt bei Miuccia Prada, seitdem sind sie ein fester Part der Fashion-Szene. Wir trafen die beiden Däninnen in Berlin und wollten wissen, was sie über Freundschaft denken, warum ähnlich nicht gleich ist und warum Familie die beste Gesellschaft ist.

Wie man sieht, tragen Sie nicht das gleiche Outfit, aber einen ähnlichen Style. Haben Sie einen großen gemeinsamen Kleiderschrank?

Cecilie Moosgaard: Als Kinder hatten wir meistens das gleiche Outfit an. Inzwischen – und das ist uns sehr wichtig – wollen wir aber als eigenständige Person wahrgenommen werden. Um Ihre Frage aber zu beantworten: Da wir einen ähnlichen Geschmack haben, wäre ein gemeinsamer Kleiderschrank eine gute Sache. Doch was das anbelangt, verhalten wir uns wie echte Schwestern. Statt zu teilen, zanken wir uns eher. Und so kommt es nicht allzu oft vor, dass wir uns am Kleiderschrank des anderen bedienen.

Gibt es so etwas wie ein Lieblingsmodelabel?

Cecilie Moosgaard: Nicht wirklich. Was ich mag ist eine schlichte Eleganz, so wie bei Céline. Unser Stil ist, denke ich, recht offensichtlich. Wie die meisten Skandinavierinnen haben auch wir eine Vorliebe für ganz minimalistische Styles und für Looks, die eine gewisse Casualness ausstrahlen. Zu verrückt sollte es nicht sein.

Vor zwei Jahren feierte die Fashion-Szene Sie beide als eine der großen Neuentdeckungen. Und so wurden aus zwei niedlichen Mädchen gefragte Model-Ikonen. Wie fühlt sich das an?

Cecilie Moosgaard: An manchen Tagen fühlt es sich immer noch merkwürdig an, was auch nicht weiter erstaunlich ist. Schließlich sind wir von einem Tag auf den anderen in diesem Business gelandet und unser Leben hat sich völlig verändert. Es war, wie wenn man ins eiskalte Wasser geworfen wird. Die Gefahr, dass man untergeht, bevor man schwimmen gelernt hat, ist groß. Aber alles ist gut und wir haben uns daran gewöhnt. Das Schöne ist, dass wir neben dem Model-Dasein ein völlig normales Teenagerleben führen können. Nach jedem Job geht es zurück in dieHeimat und wir tauchen in unseren Alltag ein. Wir gehen zur Schule und vergessen somit ganz schnell wieder, dass wir Models sind, beziehungsweise, dass wir ein besonderes Leben führen. Wir bekommen sozusagen von beiden Welten das Beste.

Wie die meisten Skandinavierinnen haben auch wir eine Vorliebe für minimalistische Styles.

Wie sind Sie zum Modeln gekommen?

Cecilie Moosgaard: Es wäre uns nicht im Traum eingefallen, dass wir auf den Laufstegen oder den Seiten der internationalen Modemagazine Karriere machen werden. Wir haben noch nicht einmal darüber nachgedacht. Es ist einem Zufall geschuldet. 2012 sprach uns ein Modelscout an, als wir ein Parkticket lösten. Da wir aber ziemlich in Eile waren, blieb keine Zeit, um Näheres zu besprechen. Ein paar Tage später, sind wir dem gleichen Scout noch einmal begegnet. Danach ging alles seinen Weg. Richtig zu modeln, haben wir aber erst kurz nach unserem 15. Geburtstag begonnen.

Was lieben Sie am Modeln und was war bislang ein besonderer Moment für Sie?

Amalie Moosgaard: Dass ich als Model arbeiten kann, weiß ich sehr zu schätzen. Es bedeutet mir sehr viel. Ich lerne dadurch die unterschiedlichsten Länder kennen und sammle Unmengen an Erfahrungen. Ein einzelnes Highlight hervorzuheben, fällt mir allerdings schwer. Es passieren so viele aufregende und schöne Dinge. Der Tag, als uns Miuccia Prada vor zwei Jahren exklusiv buchte, gehört aber zweifellos zu den absoluten Höhenpunkten in meinem Leben. Es war der Anfang von allem.

Was halten Sie von der Castingshow „Next Topmodel“? Gibt es davon auch eine dänische Version?

Amalie Moosgaard: Ja, die gibt es tatsächlich. Ich finde die Sendung etwas albern, da sie die Realität nicht wirklich widerspiegelt. Aber gut, Fernsehen soll ja Spaß machen und unterhaltsam sein.

Was ist das Geheimnis, um als Duo erfolgreich zusammenzuarbeiten?

Amalie Moosgaard: Ob man nun als Duo oder alleine arbeitet, meine Erfolgsformel lautet: Bescheiden sein und ein Lächeln im Gesicht haben. Diese Einstellung erleichtert vieles und bringt dich im Leben weiter.

Gibt es einen Lebensratschlag, den Sie sich gegenseitig in der Familie geben?

Amalie Moosgaard: Unser Dad sagt immer: „Seid dankbar, entdeckt die Welt und genießt den Moment.“ Es ist wirklich super, dass wir von unseren Eltern die volle Unterstützung haben. Es ist ihnen wichtig, dass wir offen sind, die Welt bereisen und uns wegen der Schule keine Sorgen machen. Wahrscheinlich sind sie so relaxt, weil wir in der Schule gut sind.

Was steht bei Ihnen dieses Jahr noch an?

Cecilie Moosgaard: Unser Leben lässt sich schlecht planen, da wir im Voraus selten wissen, was wir im nächsten Monat machen werden. Heute Abend fliegen wir nach London und Anfang September geht es nach New York zur Fashion Week. Und dann sind wir für zahlreiche Fashion Shows in London, Mailand und Paris gebucht.

Das klingt recht stressig.

Cecilie Moosgaard: Oh ja! Der September ist einer der arbeitsreichsten Monate für uns. Teilweise arbeiten wir 12 Stunden, während den Schauen können es auch mal 20-Stunden-Tage werden. Und diese Tage sind wie sie sind. Läuft es gut – was eher die Ausnahme ist – dann ist Riesenspaß angesagt und man tankt viel positive Energie. Meist aber herrscht große Anspannung, jeder rennt hektisch durch die Gegend, und die Tage sind ein echter Albtraum.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Amalie Moosgaard: Wenn ich mit der Schule fertig bin, würde ich gerne für ein paar Jahre ins Ausland gehen. New York wäre z. B. eine Option. Ich könnte mir gut vorstellen, mit Cecilie bzw. mit ihr und den anderen dänischen Models aus unserer Agentur, eine WG zu gründen. Wir verstehen uns alle blendend, da wir genau wissen, was es bedeutet, Model zu sein. Ansonsten wünsche ich mir, dass sich unsere Karriere weiterentwickeln wird, damit ich weiterhin die Möglichkeit habe, neue Länder, Städte, Menschen und Kulturen kennenzulernen.