Rochas F/S 2018 © gorunway.com
Moschino F/S 2018 © gorunway.com
Gucci F/S 2018 © gorunway.com
Anna Sui F/S 2018 © gorunway.com
Versace F/S 2018 © gorunway.com
Peter Pilotto F/S 2018 © gorunway.com
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die pantone farbe des jahres…
… lautet ultra violet

Das Pantone Color Institute mit Sitz im US-amerikanischen Bundesstaat New Jersey kürte Ende letzten Jahres Ultra Violet als „Color of the Year 2018“, eine Farbe, die laut einer Studie zufolge die Lieblingsfarbe von „nur einem Prozent der Deutschen“ ist.

Wie es zu der Wahl der Farbe kam, was Violett in der (Kultur)Geschichte für Bedeutungen hat und warum es Zeit ist, in ein Kleidungsstück oder ein Accessoire in der Trendfarbe zu investieren, lesen Sie in unserem Plädoyer für Ultra Violet.

Violett ist komplex, vielschichtig und kompliziert in seinem Charakter ebenso wie in seiner Symbolik. Woran das liegt? In Violett vereint sich das irdische Rot mit dem himmlischen Blau. Logische Konsequenz daraus: Violett wird zum Inbegriff des mystisch Geheimnisvollen.

Gleichzeitig bringt Violett alle weiteren Gegensätze von Rot und Blau zusammen: das Kalte mit dem Heißen, das Präsente mit dem Flüchtigen, das Männliche mit dem Weiblichen. Letzteres ist der Grund, warum Feministen – den Anfang machten die Suffragetten Ende des 19. Jahrhunderts in England – sich die Farbe Lila bzw. Violett zunutze gemacht haben, um das Androgyne, das Gleichberechtigte darzustellen.

Das Erkennungszeichen der Suffragetten: Ihre Kleidung enthielt die Farben Grün, Weiß und Violett. Das Violett symbolisierte den Anspruch auf das Stimmrecht, das Weiß die Ehre und das Grün die Hoffnung auf den Neubeginn. Männer, die die Bewegung damals unterstützten, trugen entsprechende Krawatten und Hüte. Das Frauenpower-Abzeichen der 1970er- Jahre wiederum zeigte eine violette Faust im violetten Venussymbol.

Violett, wie auch Lila und Purpur – im normalen Sprachgebrauch werden die drei Farbnamen für Farbtöne zwischen Rot und Blau genutzt – symbolisieren aber auch die ungestillte Sehnsucht, die grenzenlose Phantasie sowie das futuristische Denken.

Und nicht zu vergessen: Die Mischfarbe steht für Macht und Spiritualität. Purpur und Violett waren die Herrscherfarbe der Antike, des Mittelalters und der Königshäuser. Im 13. Jahrhundert setzte Papst Innozenz III. z. B. einen verbindlichen Farbkanon auf – je höher ein Gottesmann in der Hierarchie der katholischen Kirche aufsteigt, desto zahlreicher werden die violetten Farbtöne seiner Gewänder. Bischöfe präsentieren sich in Lila.

Vielleicht war die Farbe nur deshalb den Reichsten und Oberhäuptern der Kirche vorbehalten, weil sie früher, vor der industriellen Revolution, so schwer zu beschaffen war. Wie man weiß, konnte der Farbton nur in einem sehr aufwendigen und teuren Verfahren aus Purpurschnecken gewonnen werden.

Moodboard in der mystischen Trendfarbe: Pantone 18-3838 Ultra Violet © Adobe Stock

Der Komponist Richard Wagner erkannte eine weitere Kraft und Wirkung von Lila: Die Mischfarbe stimulierte seine Kreativität. Und so komponierte er am liebsten in seinem violetten Salon, wo selbst die Polsterung der Möbel violett war. Auch die „Parsifal“-Partitur schrieb er mit lila Tinte.

Ein Sprung in die späten sechziger Jahre bzw. in die frühen achtziger Jahre beweist ebenfalls, dass Lila als persönlicher Ausdruck von Individualität gesehen werden kann. Man denke an Jimi Hendrix und Prince, die mit „Purple Haze“ bzw. mit „Purple Rain“ verschiedene Töne von Ultra Violet als persönlichen Ausdruck von Individualität ins Zentrum der westlichen Popkultur rückten.

Für Leatrice Eiseman, Executive Director des Pantone Color Institutes, beleuchtet die kontrovers empfundene Farbe den Weg der Zukunft. Mit seiner Nuancierung und einer Fülle von Emotionen symbolisiert die Tiefe von „Pantone 18-3838 Ultra Violet“ Experimentierfreude und Unkonventionalität. Die Farbe soll dazu anregen, sich eine eigene Gestaltung der Welt vorzustellen und mit Kreativität Grenzen zu überwinden.

Wir wollten von Leatrice Eiseman wissen, wie Trendfarben definiert werden. „Die Farben des Jahres fangen einen bestimmten Moment ein, die der Trend- und Designwelt eine strategische Ausrichtung bietet. Das bedeutet aber nicht, dass ihre kulturelle Bedeutung verschwindet, wenn eine neue Farbe des Jahres vorgestellt wird. Die Farben, die wir auswählen sollen langlebig sein. Sie gehen inzwischen weit über bloße Trends in der Design-Welt hinaus. Sie spiegeln vielmehr wider, was in unserer heutigen Welt gebraucht wird“. Was das im Fall von Ultra Violet heißt?

Der ausgewogene und dramatisch provokante Lilaton drückt Originalität, Einfallsreichtum und visionäres Denken aus.

„In der heutigen Zeit sind Erfindungsreichtum und Vorstellungskraft unverzichtbar“, erklärt Leatrice Eiseman. „Genau diese kreative Inspiration bietet „Pantone 18-3838 Ultra-Violet“, ein blaubasierter Lilaton. Die Farbe hebt Wahrnehmung und Potenzial auf ein höheres Niveau. Vom Erkunden neuer Technologien und Galaxien über künstlerische Ausdrucksformen bis hin zu spiritueller Reflexion beleuchtet das intuitive Ultra Violet den Weg in die Zukunft.“

Bevor aber ein Farbton zur Farbe des Jahres gekürt wird, halten die Farbexperten des Pantone Color Institutes jedes Jahr aufs Neue weltweit Ausschau nach neuen Farbeinflüssen. Bei ihren Analysen berücksichtigen sie unter anderem Farbtrends in der Unterhaltungs- und Filmbranche, in Kunstsammlungen und Werken neuer Künstler, in der Mode, in allen Designbereichen, an beliebten Reisezielen sowie in neuen Life- und Playstyles und im sozioökonomischen Umfeld.

Die Einflüsse können auch von neuen Technologien, Materialien, Oberflächenstrukturen und Effekten herrühren, die sich auf Farben auswirken. Auch Social-Media-Plattformen und sogar bevorstehende Sportveranstaltungen mit weltweiter Aufmerksamkeit können Farbtrends mitbestimmen.

Ultra Violet in der Mode

Ob auf dem Laufsteg oder auf der Straße: Ultra Violet kann dem Styling eine theatralische Anmutung verleihen. Bestes Beispiel: Der Runway-Look von Jeremy Scott für Moschino, eine exzentrische Robe aus Federn und Schmetterlingen.

Absolut tragbar sind hingegen die eleganten Ton-in-Ton Looks von Rochas, Versace und Gucci oder die mit Blumen verzierte Kimonorobe des Londoner Labels Peter Pilotto.

Übrigens: Ultra Violet lässt sich mit allen Farben des Spektrums viel leichter kombinieren, als es zunächst den Anschein haben mag. Mit Gold- oder anderen Metallic-Tönen wirkt Ultra Violet luxuriös und schillernd. Mit Grün- oder Grautönen strahlt es eine natürliche Eleganz aus.

Auch das Material spielt eine Rolle: Je nach Stoffart erhält Ultra Violet ein individuelles Erscheinungsbild. Opulenter farbiger Samt baut am Abend Spannung auf, während bei Athleisure oder Sneakern eine unerwartete Modernität entsteht.

Bei Accessoires, Schmuck und Brillen erinnert Ultra Violet an die Komplexität von Edelsteinen und anderen natürlichen Strukturen wie etwa Blumen.

Ultra Violet bei Lebensmitteln

Violette Obst- und Gemüsesorten wie die Açaifrucht, violetter Blumenkohl und Spargel, violette Süßkartoffeln und Karotten sowie Rotkohl sind die neuen Trendlebensmittel. Sie bringen Dynamik und Raffinesse auf den Tisch und wirken nicht nur exotisch und verlockend, sondern sind auch für ihre natürlichen gesundheitsfördernden Eigenschaften bekannt.