Iggy Pop by Michel Comte für Breuninger. Miami, 2017
gespräche

zwei ikonen unter sich

Der Godfather of Punk und Michel Comte kennen sich seit den neunziger Jahren. Jetzt trafen sie sich für die Edition N° 4 des Breuninger Magazins in Miami wieder. Ein Gespräch über Konzert-Anekdoten, Aluminium-Afros und eine gemeinsame Liebe, den Rolls-Royce.
(Part 3)

Michel Comte: Musik, Mode, Lifestyle, es geht immer darum, Gefühle ausdrücken zu wollen. Du bist zu unserem Treffen nackt in deinem Rolls-Royce vorgefahren. Wie fühlt es sich an, in einem Phantom zu sitzen und lediglich Gucci Sandalen zu tragen?

Iggy Pop: Es gab Zeiten, da hatte ich ein sehr ausgefallenes Leben. Ich wollte, dass sich alles cool anfühlt und dann ist alles ist Ordnung. Mehr als alles andere, hat mir dieses Gefühl der Rolls gegeben. Und wenn es draußen heiß ist, ist Nacktsein ganz praktisch. Ich mag es, den Wind beim Fahren zwischen meinen Zehen zu spüren.

Michel Comte: Stylisher geht es kaum. Als kleiner Junge, sagte ich zu meinem Vater: „Dad, eines Tages werde ich einen Rolls-Royce fahren“. Seine Antwort: „In Ordnung, aber du musst ihn auf die gleiche Weise fahren, wie einen klapprigen Peugeot. Und mit der Liebe des Mannes, der ihn gebaut hat“. Als du aus dem Auto gestiegen bist, musste ich an meinen Vater denken. Er liebte diesen Rolls.

Autos sind für mich wie Kleider.

Iggy Pop: Ich liebe ihn auch. Das Wurzel- und Teakholz, alle technischen Spielereien, ich liebe einfach alles. Ich verhätschele ihn. Ständig gehen kleine Dinge kaputt und die Reparatur kostet ein Vermögen. 661 Dollar, um eine kleine Birne auszutauschen, sind schon okay. Autos sind für mich wie Kleider. Ab und an brauchst du ein Kleidungsstück, das etwas Bestimmtes ausdrückt oder etwas mit dir macht. Als ich mit „The Stooges“ loslegte, kreierte ich meine Outfits selbst. Ich nahm eine Duschhaube, starke Aluminium-Folie, einer Schere und kleine Nadeln und bastelte mir daraus einen Aluminium-Afro.

Michel Comte: Ich erinnere mich daran.

Iggy Pop: Und dann waren da diese Schuhe. Einer der Jungs in unserer Band haute nach Liverpool ab, als er zur Highschool gehen sollte. Er kam mit echten Beatle-Boots aus England zurück. Er trug sie so lange, bis sie Löcher in der Sohle hatten. Dann schenkte er sie mir. In den ersten drei Jahren meiner Karriere trug ich seine Boots bei jedem Auftritt.

Ich wollte eine Art schwarzer Hermaphrodit sein. Ein Mix aus Little Richard und einer Straßenhure.

Michel Comte: Was inspiriert dich, wenn du deine Looks entwickelst?

Iggy Pop: Als junger Musiker liebte ich zwei Dinge: schöne Frauen und schwarze Musiker. Ich wollte eine Art schwarzer Hermaphrodit sein. Viele meiner Outfits waren ein bisschen hiervon, ein bisschen davon, ein Mix aus Little Richard und einer Straßenhure. Ich ging gerne zu „Kmart“ und kaufte silberne Abendhandschuhe.

Michel Comte: Stimmt, diese hast du auf der Bühne getragen.

Iggy Pop: Ja, auch trug ich ein Hundehalsband, lange bevor es dies für Menschen gab. Ich kaufte es in Los Angeles. Damals war Hollywood noch leer und entspannt. Ständig liefen einem Stars über den Weg. John Wayne hätte mich einmal fast überfahren. Er schrie: „Verdammt, geh von der Straße runter.“ Und fuhr weiter. Auch Frank Zappa habe ich gesehen, wie er einen Hot Dog aß.

Michel Comte: Mit Frank habe ich ziemlich viel gearbeitet.

Iggy Pop: Frank war irgendwie…

Michel Comte: Cool, oder?

Iggy Pop: Ich besuchte mit David Bowie eines seiner Konzerte in Berlin. Frank liebte ausgedehnte, lange Gitarrensolos. Adrian Belew, sein damaliger Gitarrist, hatte nichts zu tun. Er ging Backstage. Dort wartete David Bowie auf ihn. Er engagierte ihn sofort für seine nächste Tournee. Das war wirklich lustig. Später sind wir alle zusammen ausgegangen.

Michel Comte: Frank war großartig. Kurz bevor er starb, war ich bei ihm zu Hause. Er zeigte mir seine Gitarrensammlung. Unglaublich.