Eine „Kokon“-Suite im Safari-Chic in der Wild Coast Tented Lodge © Martin Westlake
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sri lanka dreimal anders

Eine Mischung aus Schweiß, Urin und überreifer Stinkfrucht überrollt uns wie eine Welle des Indischen Ozeans, und aus der Ferne hören wir ein Grollen. „Ah, wir haben Glück! Dieser Elefant ist ein Musth“, sagt John Wilson, unser junger enthusiastischer Guide, an diesem Nachmittag an der Küste des Yala Nationalparks. „Was Du riechst, ist reines Testosteron – er ist in seinen besten Jahren und bereit, sich zu paaren.“

Ein Strand neben Cape Weligama an Sri Lankas Südküste © Martin Westlake

Besagter Dickhäuter war ein 40-jähriger Bulle, der im Schatten eines wilden Tamarindenbaumes direkt vor unserem Jeep stand. John, der aus Sri Lanka kommt und mit seinem vornehmen englischen Akzent aus Schulzeiten glänzt, erklärt, dass der Testosterongehalt männlicher Elefanten in der Paarungszeit um das 60-fache ansteigt; das Hormon tritt aus Drüsen hinter ihren Augen aus.

Ihren Urin verspritzen die Tiere in dieser Zeit darüber hinaus mit besonderer Wonne. Die Wangen unseres Elefanten sind feucht, seine Hinterbeine voller Urin, und die Hormone scheinen ihn in eine Art Trance versetzt zu haben. Klar: das Wort „Musth“ stammt bedeutet so viel wie „berauscht“ und stammt aus dem Persischen. Mit einem „lasziven“ Funkeln in den Augen schleppt sich unser großer Junge schließlich – angelockt von drei Weibchen – in ein nahegelegenes Wala (Wasserloch).

All dies geschah im Zuge einer sechstägigen, von Resplendent Ceylon (Teil von Dilmah Tea, der führenden Teemarke Sri Lankas) organisierten Reise. Unter der Leitung von Fernando, dessen Vater Merrill 1988 Dilmah gegründet hatte, eröffnete das Unternehmen vor 13 Jahren erstmals die Ceylon Tea Trails – luxuriös sanierte Teeplantagen-Bungalows im Hochland und gleichsam der erste Schritt in Richtung Hotellerie im Bogawantalawa-Tal.

Kurz darauf endete der Waffenstillstand von 2002-2005, und der Bürgerkrieg in Sri Lanka sollte weitere vier Jahre andauern. „Es war nicht leicht“, sagt Fernando aus Colombo am Telefon. „Wir hatten tolles Feedback, aber nicht genügend Gäste. Wir konnten uns gerade so über Wasser halten.“

Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute sollten Sie rechtzeitig im Voraus buchen, um sich ein Ceylon Tea Trails Zimmer zu sichern. Die Nachfrage ist so groß, dass 2016 ein fünfter Bungalow mit ins Portfolio aufgenommen wurde (in jenem Jahr, in dem Sri Lanka erstmals mehr als 2 Millionen Touristen begrüßen konnte).

Zu jenem Zeitpunkt hatte Fernando bereits das luxuriöse Resort Cape Weligama an der Südküste eröffnet und mit der Arbeit an der Wild Coast Tented Lodge begonnen, die vergangenen November eröffnet wurde.

Heute sind die Capes und Resorts auch unabhängig voneinander eine Reise wert – und gleichsam die einzigen Relais- und Châteaux-Komplexe Sri Lankas. Zusammen bilden sie jedoch eine Art Dreieck, das es ermöglicht, sehr unterschiedliche Seiten der Insel zu entdecken – und das unter dem Motto „Tee, Meer und Safari“.

Veranstalter Resplendent Ceylon spendet übrigens 10% der Gewinne an die MJF Charitable Foundation von Fernandos Familie sowie an Dilmah Conversation; mit dem Geld werden Gemeinschafts- und Naturschutzprojekte in Sri Lanka unterstützt. Ich jedenfalls habe so schnell wie möglich meinen Platz reserviert.

Rauf auf den Berg

Erste Anlaufstelle meiner Reise: Tientsin Bungalow – 1988 erbaut und gleichsam der größte und älteste Bungalow der Ceylon Tea Trails. Er liegt rund eine halbe Stunde entfernt vom Castlereagh Reservoir – abgelegen und eingebettet in wundervolle Teeplantagen. Ich frage mich, wie lange die Teepflanzer wohl früher gebraucht haben müssen, um diese Hügel zu erreichen; unsere Fahrt von Colombo allein dauerte fünf Stunden – immer weiter entfernten wir uns dabei von der Küste.

Je steiler es wurde, desto mehr wichen Palmen und Bambus Seidenbäumen und duftenden Zimtbäumen. Ab einer Höhe von 800 Metern wurde die Landschaft grün und taufrisch – auf einem Wegweiser las ich, dass Watawala den meisten Niederschlag des Landes für sich verbuchen kann.

In Kithulgala ließen wir unsere Beine in einem Rasthaus über dem Fluss Kelani baumeln – etwas weiter stromabwärts hatte David Lean 1957 den Filmklassiker „Die Brücke am Kwai“ gedreht. Und so erreichten wir schließlich das Bungalow. Es wurde erst kürzlich renoviert und besticht mit Verandas im Kolonialstil, Kiefernböden und Teakholz-Dekor; die sechs Suiten verfügen über hohe Decken, Kamine, Himmelbetten und Clawfoot-Wannen (ich fand auch Ohrstöpsel auf meinem Nachttisch, die man nutzen konnte, sollte der Hindu-Tempel im Dorf zu laut sein. War er aber nicht.)

Jede Suite trägt den Namen eines anderen schottischen Pflanzers, der hier einst gelebt hatte – Moir, Fraser, Meares – und ist mit sepiafarbenen Fotos und Stichen versehen, die Szenen aus der britischen Kolonialzeit darstellen. Angesichts der Geschichte hatte ich fest damit gerechnet, den Ort mit einer Menge älterer Briten teilen zu müssen, die sich für Relikte aus der Zeit der Raj-Ära interessieren.

Open Air an der Wild Coast – mit Bambus verzierte Bar „Ten Tuskers“ © Martin Westlake

Doch ich traf auf zwei junge Familien und ein Ehepaar aus Italien – und das bei einem gemütlichen Aperitif im Wohnzimmer. Die Italiener waren gerade von einem Tagesausflug nach Kandy zurückgekehrt; einer der Männer plante einen nächtlichen Aufstieg auf Adam’s Peak, den heiligsten Berg des Landes.

Was mich betraf, war ich vollkommen zufrieden damit, meinen kurzen Aufenthalt im Bungalow zu verbringen, am Pool ein Buch zu lesen, die umliegenden Teefelder zu durchstreifen und Tientsins weitläufige Gärten zu bewundern, in denen es vor Amaryllis, Helikonien und Begonien nur so wuchert. Das – und natürlich essen. Auf 1.400 Metern hat man Hunger, sage ich Ihnen – es gab saftiges Schweinekotelett mit Orangensauce und Couscous sowie sri-lankische Curries.

Bei gutem Wetter wurde auf der Terrasse des Bungalows gegessen – von dort aus genießt man den Blick über Grasflächen und Baumkronen. Man kann Vögel beobachten – und sollte dabei besonders auf die Krähen achten, die mir von meinem Frühstückstisch tatsächlich ein Croissant gestohlen haben (ich kann sie verstehen – das Croissant war tatsächlich köstlich).

In die Wildnis

Poolbereich am Tientsin Bungalow des Ceylon Tea Trails im zentralen Hochland von Sri Lanka © Martin Westlake

Ich hatte von der Safari im Südosten Sri Lankas ehrlicherweise nicht allzu viel erwartet – oder zumindest nichts, was sich mit meinen Reisen nach Südafrika und Sambia vergleichen ließe.

Doch der Yala Nationalpark bot eine überraschend üppige Fauna – und einen ebenso überraschenden „Overkill“ an Safari-Fahrzeugen. Yala ist seit der Jahrhundertwende Naturschutzgebiet und der zweitgrößte Nationalpark Sri Lankas. Er umfasst fast 1000 Quadratkilometer Monsunwälder, Grasflächen und Küstenfeuchtgebiete, ist Heimat von Elefanten, Lippenbären und wilden Wasserbüffeln – und verfügt über die höchste Dichte von Leoparden auf der ganzen Welt. Da sich an der Südküste Strände für Touristen befinden, ist er gleichsam der am meisten besuchte Park des Landes.

In den vergangenen Jahren sind Safariparks im Südwesten Sri Lankas wie Pilze aus dem Boden geschossen. Der neueste ist die Wild Coast Tented Lodge, die im vergangenen November an der felsigen Küste Yalas eröffnet wurde. Eine vollkommen andere Welt als die Tee-Bungalows von Resplendent Ceylon.

Etwa vier Stunden, nachdem ich Tientsin verlassen hatte, führte man mich in einen großen Restaurantpavillon aus Bambusgittern und bedeckt mit Teakholzschindeln. Der Blick schweift von hier aus über den Indischen Ozean. Die folgenden beiden Nächte verbrachte ich in einer der 28 rund um Wasserlöcher angeordneten „Kokon“-Suiten. Sie hatten tatsächlich Ähnlichkeit mit einer dicken Raupe – mit ihren hohen Decken aus weißem PVC. Im Innern war die Suite geräumig – mit handgewebten Teppichen, einer freistehenden Kupferbadewanne und einem bequemen Bett. Mit ihren Bullaugen und Messingbeschlägen hätte man meinen können, Captain Nemo selbst hätte das Design entworfen.

Die Hauptattraktion der Lodge ist natürlich die Tierwelt – und Sie müssen das Terrain nicht einmal verlassen, um sie zu entdecken. Wild Coast, so sagte man mir an der Rezeption, verfüge weder über Tore noch Zäune, sodass die Tiere sich frei bewegen könnten. Die Kehrseite: nachts dürfen die Gäste nicht allein über das Areal gehen und müssen ihre Suiten gut verschließen, um nicht von einem Rudel Langur-Affen ausgeplündert zu werden. Ach ja, und man hat auch schon Elefanten aus Swimmingpools trinken sehen. Eines morgens wachte ich von Wildschweinen auf, die sich vor meinem Zelt über ein Wasserloch hermachten.

Doch all das ist nichts im Vergleich dazu, was Sie in Yala erwartet. Als ich dort am Nachmittag meiner Ankunft mit vier weiteren Gästen unterwegs war, begegneten wir nicht nur unserem testosterongeladenen Elefantenbullen, sondern auch Wildherden, Mangusten und Makaken, Bienenfressern, Störchen, dem Sri Lanka Urwaldvogel (der Nationalvogel des Landes), Malabar-Hornvögeln – und einem drei Meter langen Krokodil, das sich am Rande eines Sumpfes sonnte.

John, unser Guide, plauderte fröhlich über die Paarungsgewohnheiten und Verhaltensweisen eines jeden Tieres; weniger fröhlich war er, wenn es um die Jeep-Staus ging, die sich bilden, weil bis zu 600 Fahrzeige pro Tag in den Park gelassen werden.

„An manchen Tagen steht man einen Kilometer lang Stoßstange an Stoßstange, um ein einziges Tier zu sehen“, sagte John. „Das ist einfach nicht nachhaltig.“ Ein Tier, das jeder sehen möchte, ist der Leopard. Und der ist nicht leicht zu finden. Dennoch: Yala mit seiner offenen Savanne und seinem sporadischen Laubwald ist der ideale Ort, um ihn zu beobachten.

Und dann geschah etwas: der Fahrer bekam per Funk mitgeteilt, dass ein Leopard gesichtet wurde, und drückte aufs Gas. Gemeinsam mit Dutzenden anderer Jeeps rasten wir dem Tier entgegen und hinterließen rote Staubwolken. Doch ohne Erfolg: bei unserer Ankunft war der Leopard längst im Busch verschwunden – und ich musste mich mit dem Anblick seiner frischen Pfotenabdrücke im Schlamm begnügen.

Am nächsten Morgen wollten wir unser Glück erneut versuchen. John versprach uns, uns weiter nach Norden zu bringen, um den Menschenmassen zu entkommen – und dort könnten wir mit Glück einen Tusker sehen. Von den 300 Elefanten in Yala haben nur zehn Stoßzähne – die Chancen sind also gering. Doch nach einer Stunde begegneten wir tatsächlich einem Tusker.

John war begeistert: „Das ist Gemunu! Wir nennen ihn auch den Clown von Yala wegen all der Mätzchen, die er macht. Er ist der charismatischste und wohl am besten dokumentierte Elefant auf der Insel.“ Leider hat ihn sein Charisma Anfang des Jahres nicht vor dem Angriff eines größeren Tuskers bewahrt. Er überlebte den Kampf, verlor jedoch einen Stoßzahn – dennoch: Gemunu war wirklich majestätisch.

Und während uns die Leoparden immer wieder entkamen, sahen wir einen (ebenso schwer zu entdeckenden) Faultierbären durch das Unterholz auf uns zukommen. Es dauerte nicht lange, bis weitere Safari-Jeeps auftauchten – doch ehe sie das taten, hatten wir den Bären einige kostbare Minuten für uns allein.

Seaside Serenity

Von Wild Coast aus dauerte die Fahrt nach Westen bis Cape Weligama rund zweieinhalb Stunden – gemessen an den vorherigen Strecken ein Katzensprung. Cape Weligama ist ein wunderschönes Resort, das sich über eine von Palmen gesäumte, 40 Meter über dem Indischen Ozean befindliche Landzunge erstreckt. Die terracottafarbenen Villen der thailändischen Architekten Lek Bunnag sind modern-asiatisch eingerichtet und verteilen sich in Zweier- und Dreiergruppen um die Gemeinschaftspools der Anlage.

Man erzählte mir, dass die Villen die größten Unterkünfte des Landes seien, was mich kaum verwunderte: allein mein Badezimmer muss 50m² groß gewesen sein – natürlich mit begehbarer Dusche, die sich in ein Dampfbad verwandeln ließ. Ich überlegte, ob ich nicht einfach nur den Zimmerservice für die Zeit meines Aufenthalts buchen sollte, doch es gab einfach zu viel zu erleben.

Der Hauptpool des Resorts ist ein Halbmond aus Wasser an der Spitze der Landzunge. Ein weiteres Highlight: das Ocean Terrace Restaurant mit seinen Holzsäulen und amethystfarbenen Wänden. Auf dem Menü: frische Meeresfrüchte, Makrelen-Tacos, mit Zimtholz geräucherter Thunfisch und eine sensationelle Fischplatte, die selbst Tagesausflügler als Colombo anlockt.

Cape Weligama bietet darüber hinaus ein umfassendes Freizeitangebot des lokalen Ausstatters Borderlands: neben Whale Watching wird beispielsweise Sea Kayaking angeboten – natürlich nur zur richtigen Jahreszeit. Ist das Wasser zu wild, macht man sich mit dem Fahrrad auf Entdeckungstour und beobachtet beispielsweise Warane und Graureiher in den mit Seerosen bedeckten Flüssen.

Cape Weligama von einer angrenzenden Bucht aus © Martin Westlake

Sri Lanka ist auf der Erfolgsspur, und Fernando möchte Resplendent Ceylon erweitern. Das nächste Resort wird er Ende 2020 in der Nähe von Sigiriya eröffnen, einer Felsenfestung aus dem fünften Jahrhundert im Herzen des sogenannten Kulturdreiecks alter buddhistischer und hinduistischer Ruinen. Dann wird sein Angebot wohl „Tee, Meer, Safari und Antike“ heißen. Und ich, ich werde buchen, sobald ich kann.

Weitere Reisedetails

4.196 USD (Steuern inklusive) für zwei Personen. Sechs Nächte Tee-, Meer- und Safari-Paket von Resplendent Ceylon; je zwei Nächte in einem Ceylon Tea Trails Bungalow, der Wild Coast Tented Lodge (mit täglichen Pirschfahrten) und Cape Weligama (mit Frühstück). Transfer per Land oder Luft auf Anfrage möglich. Gültig bis zum 1. Oktober – jahreszeitbedingt ausgenommen vom 16. Juli bis 31. August ist der Gipfel (94-11 / 774-5730; resplendentyleylon.com).

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Druckausgabe des Magazins „DestinAsian“ unter dem Titel „A Sri Lanka Trifecta“, geschrieben von Christopher P. Hill