Dunkel und hell, elegant und rustikal: typisch Japandi © Ikea, PRESTEL 2019
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wabi-sabi

Purismus, Reduziertheit, Einfachheit – in der heutigen, scheinbar immer schneller werdenden Welt sehnen sich viele Menschen nach Ruhe und Entspannung. Nach Digital Detox und dem Mindfulness-Trend, bei denen es um geistige Ruhe geht, weht deshalb nun auch ein frischer Wind durch unser Zuhause. Sein Name ist „Wabi-Sabi“.

Seine Mission: für Minimalismus im Heim zu sorgen und eine Rückbesinnung auf das Wesentliche anzustoßen. Darauf, dass man genießt, was man hat, das Schöne im Unperfekten sieht und ankommt – in seinem Zuhause und bei sich.

„Oft wird vermittelt, dass unsere Wohnungen erst dann so richtig schön sind, wenn sie vollkommen durchgestylt an eine Design-Ausstellung erinnern. Und genau da kommt Wabi-Sabi ins Spiel“, erklärt die Münchner Interior-Designerin Marion Hellweg, die sich auch als erfolgreiche Buchautorin in den Bereichen Wohnen, Architektur und Lifestyle etabliert hat.

In ihrem neuen Buch mit dem Titel „pure & simple: Achtsam wohnen – besser leben“ (Prestel Verlag, 30 €) verrät die Wohnexpertin, was Wabi-Sabi so besonders macht, und verrät anhand von inspirierenden Homestorys Tipps und Tricks, wie wir den schnörkellosen Purismus aus Japan in unsere vier Wände bringen können.

Was genau versteht man unter Wabi-Sabi?

Marion Hellweg: Wabi-Sabi hat seinen Ursprung im Zen-Buddhismus und beschäftigt sich mit der Ästhetik der Einfachheit und Unvollkommenheit. Übersetzt bedeutet „Wabi“ so viel wie einsam. „Sabi“ wird mit alt und gebraucht gleichgesetzt.

Dinge also, die Patina haben und obendrein ganz schlicht sind. Wabi-Sabi ist auch eine Haltung. Genau genommen geht es darum, die kleinen Dinge des Alltags neu zu entdecken und die Schönheit des Reduzierten wahrzunehmen. Die Essenz der betagten Dinge erkennen und sich mit ihnen begnügen.

Weniger ist mehr – ein Leitsatz, den wir auch in unseren vier Wänden berücksichtigen sollten.

Interior-Designerin und Autorin: Marion Hellweg © PRESTEL 2019

Warum trifft Minimalismus aktuell so sehr den Nerv der Zeit?

Unser moderner Alltag wird von einem hohen Maß an Reizüberflutung bestimmt. Da wir aber unser äußeres, sprich öffentliches Umfeld meistens nicht beeinflussen können, ist es umso wichtiger, sich zu Hause genügend Freiräume und Ruhezonen zu schaffen. Nur so können wir optimal entspannen. Oder anders gesagt: Ein puristisches Interieur bietet uns genau dieses entschleunigte, entschlackte Umfeld, das uns zur Ruhe kommen lässt.

Was genau macht achtsames Wohnen mit uns?

„Weniger ist mehr“ – ein Leitsatz, den wir auch in unseren vier Wänden berücksichtigen sollten. Ein übersichtliches, aufgeräumtes Umfeld gibt uns gewissermaßen Raum für mehr Klarheit. So können wir uns mehr entfalten, kreativer sein und schlussendlich das Leben mehr genießen.

Wie geht man am besten beim Reduzieren von Dingen im Haus oder in der Wohnung vor? 

Setzen Sie erstens auf Reduktion und nicht auf Überfluss. Nur so schaffen Sie den nötigen Freiraum, um sich zu Hause ganz unbeschwert fühlen zu können. Zweitens: Trennen Sie sich zuerst von Dingen, die keinen wahren Wert für Sie besitzen und von Ihnen kaum benutzt werden. Hilfreich ist es, wenn man Stück für Stück vorgeht.

Legen Sie einen Tag in der Woche fest, um dann drei Monate lang eine Ecke der Wohnung nach der anderen auszumisten. Alles auf einmal zu machen, ist oft ein zu großer Kraftakt. Sie werden sehen, wie motiviert Sie sind, wenn Sie schrittweise und systematisch vorgehen.

Ich mag den Mix aus Anklängen an die japanische Tradition, zeitgemäß interpretiert und mit skandinavischer Schlichtheit gepaart.

Und was raten Sie beim Einrichten?

Bei Neuanschaffungen empfehle ich Ihnen, auf nachhaltig produzierte und hochwertige Möbel und Accessoires zu achten. Das ist nicht nur gut fürs Gewissen, Sie haben auch länger Freude daran.

Darüber hinaus ist es sinnvoll, in Designs aus natürlichen Materialien, sanften Farben und organischen Formen zu investieren, da man sich daran nicht so schnell sattsieht. Meine persönlichen Favoriten, wenn es um eine achtsame Einrichtung geht: ein Mix aus Anklängen an die japanische Tradition des Wabi-Sabis, zeitgemäß interpretiert und mit skandinavischer Schlichtheit gepaart.

Auch wenn Minimalismus die Basis Ihrer Philosophie ist, darf dennoch dekoriert werden? Falls ja, wie macht man es richtig?

Stellen Sie ein Regal nicht einfach mit unterschiedlichen Sachen voll, sondern überlegen Sie sich ein Arrangement, das farblich und thematisch zusammenpasst. Der Effekt: Das „Wohnstillleben“ wirkt ruhiger und gleich viel ordentlicher. Und nicht vergessen, auch hier gilt: „Weniger ist mehr!“

Das Buch „pure & simple: Achtsam wohnen – besser leben“ (Prestel Verlag, 30 €) © PRESTEL 2019