Outfit links: Alles von Closed. Outfit rechts: Samtjacke von Como No.1, Bluse und Cordhose von Dorothee Schumacher
fashion

cord-comeback –
ganz oder gar nicht

Das stärkste Charakteristikum der Mode ist doch ihre schier grenzenlose Unvorhersehbarkeit, nicht wahr? Das Alte wird plötzlich neu, und ehe man sich versieht, prägt das, was gestern noch als scheußlich galt, bereits das Straßenbild von morgen… So wie auch das Material, das sich in der kommenden Herbst/Winter-Saison von High Fashion bis High Street eines gelungenen Revivals erfreut: Cord!

Und dafür gibt es einige gute Gründe: Der Retro-Appeal von Cord setzt einen romantischen Kontrapunkt zu den allgegenwärtigen Sportswear-Shapes, das Material ist unheimlich langlebig und angenehm wärmend, der Trend funktioniert sowohl für Sie als auch für Ihn, und außerdem kommt er mit einer abwechslungsreichen Geschichte, die untermalt, wie vielseitig das samtige Gewebe ist.

Wo dabei dessen Ursprung liegt, ist nicht eindeutig geklärt. Während „corde du roi“ (dt. Stoff des Königs) anfänglich bei Freizeitaktivitäten von Adeligen zum Einsatz kam, wurde Cord ab dem 19. Jahrhundert mithilfe von in Manchester entwickelten Webstühlen massenhaft produziert und als „poor man’s velvet“ fortan zum textilen Werkzeug der Arbeiterklasse.

Ehe es sich dann in den 1970er-Jahren des letzten Jahrhunderts erneut in die Garderoben schlich und ganz nebenbei zu einem der wohl prägnantesten modischen Sinnbilder der „Seventies“ avancierte.

Roland Mouret H/W 18/19 © gorunway.com
Paul & Joe H/W 18/19 © gorunway.com
Roland Mouret H/W 18/19 © gorunway.com
Paul & Joe H/W 18/19 © gorunway.com
Roland Mouret H/W 18/19 © gorunway.com

Cord liebt Kontraste. Sie verhelfen dem eher traditionellen Stoff zu mehr Modernität und Frische.

Cord allover: Khakifarbenes Outfit von Marc O' Polo, Tasche von Abro, Stiefeletten von Kennel & Schmenger

Zur neuen Saison erfreut sich das bisher eher konservativ interpretierte Material eines vielversprechenden Upgrades und zeigt sich – neuen Farbvarianten und -kombinationsmöglichkeiten sei Dank – zeitgemäßer denn je: „Cord liebt Kontraste. Seien es sportliche Sweater, Trainingsjacken und Sneakers, elegante High Heels und schmal geschnittene Rollkragenpullover oder coole Oversized-Hemden und Grobstrickpullis.

Sie alle verhelfen dem eher traditionellen Stoff zu mehr Modernität und Frische“, bestätigt Alexandra Lenz, Head of Design von Luisa Cerano – auf das versierte Styling kommt es also an!

Das britische Modehaus Mulberry präsentierte bereits zum letzten Winter softe Cord-Qualitäten in femininen Rosa- und satten Beerentönen, die dem Material gekonnt die Schwere nehmen. Nina Ricci setzte auf softe Qualitäten und feminin fließende Silhouetten, während Prada die vermeintliche Spießigkeit des „textilen Nerds“ Cord in waschechten 70’s-Looks – für Mann und Frau – auf die Spitze trieb.

So unterschiedlich die Kollektionen und Interpretationen, so unübersehbar dabei der Konsens: Cord trägt man ab jetzt am besten allover, frei nach dem Motto: Entweder ganz oder gar nicht. Wie lange jenes gelten wird, das bleibt dabei ganz Ihnen selbst überlassen.

Text: Vanessa Pecherski