Martina Haberbosch, Head of Style bei Breuninger und Modeprofi par excellence
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Zu Beginn jeder Saison warten wir gespannt, welche Kreationen die Designer über die Laufstege weltweit schicken. Am Ende des Schauen-Reigens stellt sich dann nicht nur die Frage welche Schnitte und Materialien angesagt sind, sondern auch welche Farben man jetzt trägt und wie man sie kombinieren kann. In unserem Interview mit Martina Haberbosch, Head of Style bei Breuninger und Modeprofi par excellence, erfahren Sie alles zum Thema Trendfarben 2018, was man bei Farben beachten muss und welche Bedeutung Farben haben.

Aktuell steht im Hause Breuninger alles unter dem Motto: „all is colour“. Was bedeutet Farbe für Sie?

Martina Haberbosch: Farbe bedeutet für mich Leben und zwar mit all seinen Facetten. Es ist gewissermaßen ein Synonym für Vielfalt und hat mit Emotionen, Stimmungen und Lebenssituationen zu tun. Auch in allen Religionen und Kulturen spielt Farbe seit jeher eine wesentliche Rolle. Riten und Gebräuche werden z.B. von bestimmten Farben begleitet, und haben in den verschiedenen Gesellschaften unterschiedliche Bedeutungen. Buddhisten trauern in Weiß, in abendländischen Kulturkreisen wird meist in Schwarz getrauert. Um nur ein Beispiel zu nennen.

Welche Farbe hat eine besondere Wirkung auf Sie? Und warum?

Neben meiner eigentlichen Lieblingsfarbe Schwarz, ist derzeit Pink mein absoluter Fashionliebling. Woran das liegt? Pink bringt eine gewisse Frische ins Outfit und zaubert meinen Kollegen ein „Lächeln ins Gesicht“.

Aus welchen Gründen ändert sich unser Geschmack in Bezug auf Farbe mit der Zeit?

Wie viele Dinge ist auch das Thema Farbe einem gewissen Zeitgeist unterworfen und so ändern sich in Bezug auf Farbe die modischen Präferenzen entsprechend. Die neunziger Jahre waren z. B. stark minimalistisch geprägt. Man denke an Jil Sander, die in ihren Kollektionen oft Schwarz mit Marine und Weiß kombinierte. Mit der Jahrtausendwende wurde Weiß als Farbe der Zukunft gehypt. Apropos Weiß: In der Autoindustrie setzt sich die Tendenz zu Weiß ungebrochen fort. Im vergangenen Jahr waren 29 Prozent aller Autos, d.h. jedes dritte Auto in Europa weiß, im Jahr 2003 waren es erst drei Prozent.
Im Living-Bereich haben wir derzeit einen starken Naturtrend. Kein Wunder also, dass Materialien wie Rattan, Korb, Raffia, Keramik und Steingut ein Comeback feiern und Sukkulenten unter den Indoor-Pflanzen ein Revival erleben. Letztendlich sind es die Strömungen und Zeitgeist-Themen, die die Farb- und Stofftrends hervorbringen. Aktuell gibt es Naturtöne bis gebrannte Farben plus Grüntöne. Durch die Streetstyle-Tendenzen wiederum stehen Knallfarben im Vordergrund sowie Materialien wie Nylon, Lack und Satin, da sich diese als Farbträger besonders gut eignen.

Welche Farben sind im Frühjahr/ Sommer 2018 im Trend?

Auf der einen Seite sind hier die Knallfarben zu nennen – Gelb, Orange, Pink, Rot, Electric Blue und Apfelgrün. Und, nicht zu vergessen als Highlight, Ultraviolett. Auf der anderen Seite tauchen Pastelltöne – von soften Nude-Nuancen über Rosa, Mint bis hin zu Lavendel, auf.

Es sind Harmonien und Kontraste in den Farben verborgen, die ganz von selbst zusammenwirken.

Runway-Look von Jasper Conran aus der Herbst-/Winterkollektion 2018/19

Worauf muss ich achten, wenn ich Farben miteinander kombinieren? Gibt es bestimmte Regeln? Gibt es No Gos?

Als Alessandro Michele, Kreativdirektor von Gucci, die Luxusmarke vor drei Jahren neu positionierte, entfachte er einen absoluten Hype. Das wiederum hatte zur Folge, dass sich seitdem die Modeszene verändert hat und jeglicher klassische Umgang mit farblichen Stilregeln aufgebrochen wurde. „More is more“ ist jetzt erlaubt und was eigentlich nicht funktioniert, wird zur modischen Expertise. Das bezieht sich neben dem Mix von Mustern und Stilen auch auf die Kombination von Farben.
Es ist somit eher eine Frage der eigenen Courage und wie wohl man sich schlussendlich beim Tragen von Farbe fühlt. In der aktuellen Frühjahr/ Sommer-Saison lassen sich z. B. verschiedene Rotnuancen perfekt miteinander kombinieren. Knallrot mit Pink und Orange ist z.B. ein tolles Trio. Aber auch komplementäre Kontraste wie Rot und Kobaltblau oder das topmodische Farbspiel Grün, Gelb und Violett sind erlaubt. Als Basis ist Schwarz immer eine gute Wahl, da es den perfekten Rahmen gibt.

Auch sommerliche Neutraltöne wie Sand sind perfekte Kombipartner zu Gelb, Pink oder Rot.

Welche Ratschläge würden Sie jemandem geben, der mehr Farbe in sein Styling integrieren möchte?

Man könnte es wie Coco Chanel sehen: „Die beste Farbe auf der ganzen Welt ist die, die gut an dir aussieht.“ Doch hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Zunächst einmal ist es wichtig, sich bewusst zu machen, welche Farben einen persönlich begeistern. Im zweiten Schritt sollte man sich – völlig unabhängig von der klassischen Farbberatung – fragen, ob man eher ein Typ für „warme Farben“ oder für „kühle Töne“ ist. Dann erst kommen die Trendfarben der jeweiligen Saison ins Spiel.
Im Sommer 2018 sind das Pink und knalliges Rosa, ideal für kühle Hauttypen, und Rot und Orange, wenn man eher der Typ für warme Farben ist.
Am einfachsten ist es, Farbe über Akzente in sein Styling zu integrieren. Je nach Farbintensität kann ein farbiges Oberteil oder Accessoires wie pinke Schuhe oder eine rote Tasche schon ein ziemlicher Hingucker sein. „Hohe Schule“ ist es, Farbe von Kopf bis Fuß zu tragen. So wie man es vor Kurzem z. B. bei Jasper Conran, Burberry oder anderen Designerschauen auf den internationalen Catwalks für Herbst/ Winter 2018/19 sehen konnte.

Die beste Farbe auf der ganzen Welt ist die, die gut an dir aussieht.

Und wie sieht es im Berufsleben aus? Sicherlich gibt es beim Thema Farbe einige Fauxpas. Können Sie uns drei Farbkombinationen nennen, die ein gelungenes Business-Outfit garantieren?

Dazu gibt es leider keine generelle Antwort, da der Business-Dresscode immer von der Branche abhängt, in der Sie tätig sind. In klassischen Branchen empfehle ich es, eher dezent mit Farbe umzugehen. Eine Möglichkeit wäre, den schwarzen Hosenanzug mit einer farbigen Bluse oder farbigen Accessoires zu kombinieren. Wenn ich mich für einen modischeren Anzug entscheide, z. B. in knalligem Rot, dann würde ich diesen wiederum mit einer weißen Bluse oder einem Seidentop „erden“. Der farbige Anzug sollte das Highlight-Piece bleiben.

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen Stil und Farben?

Non-Colours, wie Grau, Schwarz, Weiß, Taupe und Sand sind perfekt für Frauen, die einen klassischen Kleidungsstil, oder anders gesagt, eine schlichte Eleganz lieben. Auch manche Labels bauen ihre Kollektion immer auf Nichtfarben auf. Brunello Cucinelli z. B. ist ein echter Meister, Nichtfarben mit glamourösen Stoffen oder besonderen Schnitten eine raffinierte Note zu verleihen. Natürlich wird auch in diesem Bereich Farbe adaptiert, wenn sie modisch betrachtet ein Thema ist. Bester Beweis: die letzte Winterkollektion von Max Mara. Hier kann man sehen, dass modische Klassiker in Farbe sehr gut wirken. Ein anderes Beispiel zum Thema Stil und Farbe: Das LBD, das Little Black Dress. Ein Kleidungsstück das jederzeit richtig ist, klassisch, aber immer im Trend.

Was halten Sie vom Jahreszeitenprinzip, auf dem die Farbberatung aufbaut? Ist dem wirklich so, dass es alles eine Frage der Farbe ist, ob ein Teint entweder rosig oder müde wirkt, bzw. ob sich Fältchen in freundlich erzählte Jahre oder in tiefe Gräben verwandeln?

Das System, Menschen und ihren Farbtyp nach Jahreszeiten zu ordnen, ist recht alt. Ob dies immer noch Gültigkeit hat, überholt ist oder die Menschen in ein zu enges Korsett zwingt – beim Thema Farbberatung, hat jeder seine eigene Haltung.

Stimmen Sie folgender These zu: Haben Sie Ihre Farben gefunden, so besitzen Sie den Schlüssel zum geheimen Garten, in dem Stil und gutes Aussehen von alleine gedeihen.

So pauschal würde ich das nicht unterschreiben. Zum persönlichen Stil und guten Aussehen gehören zweifellos etwas mehr als Farbe allein. Allerdings muss man auch sagen, dass in der Farbe Kraft liegt: Farbe kann zu einem optischen Erlebnis werden, auf der anderen Seite übt die Wirkung von Farben auch Macht auf unser Unterbewusstsein aus. Je nach Tageslaune und Stimmung wirken dieselben Farben unterschiedlich auf uns. Daher, und das kennt sicherlich jeder, neigen wir im Winter eher dazu, dunklere Farben zu tragen, im Sommer lieben wir helle und weiß-geprägte Töne.

Jede Farbe ruft in uns bestimmte Erinnerungen und Gefühle hervor. Was kommt Ihnen bei den Farben unserer aktuellen Kampagne „all is colour“ in den Sinn?

Mit dem leuchtenden Mittelblau verbinde ich spontan einen Tag am Meer, mit Gelb wiederum einen leuchtenden Sonnenaufgang bzw. Untergang. Mit Türkis assoziiere ich die schillernden Flügel eines tropischen Schmetterlings und beim kräftigen Rosa, kommen mir Pfingstrosen in einem duftenden Garten in den Sinn.